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19-Jähriger wegen Dealens und Urkundenfälschung verurteilt

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Von: Theresa Brand

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Marihuana zum verkaufen
Der Angeklagte soll mehrfach Marihuana in größeren Mengen gekauft und dann in Uelzen gedealt haben. © Nicolas Armer

Mehrfach wird bei einem jungen Mann aus Uelzen Marihuana sichergestellt, dazu leere Tütchen, Waagen, Bargeld und Preislisten. Vor Gericht behauptet er, sich nicht an Drogenhandel zu erinnern.

Uelzen – Es ist keine „ganz kleine Nummer“, für die sich ein junger Mann vor dem Amtsgericht Uelzen verantworten muss. Da sind sich der Vertreter der Staatsanwaltschaft und Richterin Ohl einig. Dem 19-Jährigen aus Uelzen werden mehrere Taten zur Last gelegt, darunter Handel mit Betäubungsmitteln und Urkundenfälschung. Der Angeklagte selbst behauptet, sich an die Taten gar nicht oder nur lückenhaft zu erinnern. „Ich habe wegen Schmerzen angefangen, Medikamente und später Betäubungsmittel zu nehmen. Dadurch habe ich etwa drei Monate völlig neben mir gestanden“, erklärt der junge Mann.

Laut Anklage soll der Mann Marihuana in großen Mengen ge- und verkauft haben. Bei einer Hausdurchsuchung im Dezember 2021 habe man bei ihm zahlreiche Beutel mit Drogen, Waagen, leere Tütchen, eine Cannabispflanze, Bargeld, zwei Handys sowie Preis- und Namenslisten gefunden. Aus der Auswertung des Smartphones habe sich ergeben, dass der Angeklagte mehrfach Marihuana in Portionen von bis zu 100 Gramm gekauft und anschließend verkauft habe. Erinnern kann sich der Angeklagte selbst angeblich nicht. „Ich kann mir das nicht erklären“, antwortet er auf die Fragen des Staatsanwaltes. Der kann sich das Staunen kaum verkneifen: „Um große Mengen abzuwiegen und in Ein-Gramm-Portionen zu verpacken, muss man einigermaßen klar sein“, sagt er.

Im Januar 2022 soll der 19-Jährige dann versucht haben, in einer Uelzener Apotheke ein Rezept für Codein-Saft einzulösen. Eine Angestellte sei jedoch misstrauisch geworden und habe ihre Chefin hinzugezogen, die schließlich die Polizei informierte. Die Apothekerin sagt aus, der Junge hätte stark gerötete Augen gehabt und auffallend ruhig gewirkt. Auf Nachfragen der Richterin sagt sie jedoch: „Man konnte sich gut mit ihm unterhalten. Er hat adäquat geantwortet und einwandfrei kommuniziert.“

Auch hier behauptet der Angeklagte, sich nur schemenhaft zu erinnern – das Rezept habe er vermutlich auf der Straße gefunden. Beim Eintreffen der Polizei fällt den Beamten noch mehr auf: „Wir haben deutlich den Geruch von Marihuana wahrgenommen“, erklärt einer der Polizisten. Daraufhin hätten sie den jungen Mann durchsucht und ein Messer sowie Marihuana gefunden. Bei einer anschließenden Durchsuchung seines Zimmers stießen die Beamten auf weiteres belastendes Material. Wieder stellen sie Marihuana in Tütchen abgepackt sicher, dazu Joints und leere Codein-Flaschen.

Während der Durchsuchung und auch bei einer kurzen Vernehmung sei der junge Mann freundlich und kooperativ gewesen. „Er sagte, er habe etwas konsumiert und wirkte auch ein bisschen gemächlich, aber durchaus ansprechbar und orientiert“, gibt der Polizist an. Auf die Frage, was er zu der Behauptung sagen würde, der Angeklagte könne sich an nichts erinnern, ist er sich sicher: „Alles Schwachsinn.“

Am Ende kommt der junge Mann mit einem Urteil nach Jugendstrafrecht davon. Zuvor berichtet er, dass er mittlerweile bei der DAA tätig sei, außerdem mit seiner Freundin in einer gemeinsamen Wohnung lebe und seit Monaten keine Drogen oder Medikamente konsumiert habe. In seinem Plädoyer fordert der Staatsanwalt gemeinnützige Arbeitsstunden sowie eine sozialpädagogische Betreuung für die nächsten sechs Monate. „Ich habe keinen Zweifel an deiner Schuldfähigkeit. Aber hier und heute machst du einen vernünftigen Eindruck mit einer glaubhaften Perspektive“, begründet er seine Forderung. Dem stimmt auch Richterin Ohl zu, die den 19-Jährigen zu 40 Stunden gemeinnütziger Arbeit, pädagogischer Unterstützung und Beratungsterminen bei der Drobs verurteilt.

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