„Ab einem Meter hat man Glück“

1,32-Meter-Hecht: Das sagen Uelzener Angel-Experten zum spektakulären Fund

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Stefan Lietz vom Angelverein „Stip in“ mit einem von ihm gefangenen Hecht. Dieses Raubfisch-Exemplar war 94 Zentimeter lang und wog sechs Kilo. Fänge von über einem Meter gibt es beispielsweise im Oldenstädter See rund drei Mal im Jahr.

Uelzen. Für Andreas Paschukat und Stefan Lietz war die gestrige AZ-Berichterstattung zum spektakulären Hecht-Fund von Stadtwerke-Mitarbeitern ein gefundenes Fressen: Beide sind Arbeitskollegen und leidenschaftliche Angler.

Paschukat saß zudem bis Februar dem Uelzener Angelverein „Stip in“ vor, gab dann das Amt aber ab. Bilder und Texte der Donnerstagsausgabe seien intensiv miteinander besprochen worden.

„Das muss ein Weibchen gewesen sein, Männchen werden nicht so groß“, wiederholt Paschukat seine Analyse später gegenüber der AZ. Auf rund 20 Jahre schätzt der Oldenstädter den Fisch. Außerdem geht er davon aus, dass er – südlich von Uelzen, in der flacheren Ilmenau – jüngst noch ein letztes Mal gelaicht habe. Derzeit ende die Laichzeit, und der Fisch habe zu schlank ausgesehen, als dass er die Eier noch in sich hätte haben können. „Die allein machen bei so einem Fisch rund drei Kilo aus“, erklärt Paschukat. Ein weiteres Indiz aus Sicht des Experten: Fehlende Schuppen, gerade am hinteren Teil des Fisches – typische Spuren nach dem Ablaichen an harten Gegenständen. Lietz ergänzt, dass er den Raubfisch auf bis zu 20 Kilo schätze.

Andreas Paschukat

Und die von Stadtwerke-Mitarbeitern gemessenen 1,32 Meter des in der Rechenanlage des Wasserkraftwerkes am Ratsteich gefundenen Hechtes sind für Paschukat eine absolute Ausnahme: „Vor 30 Jahren hat meines Wissens mal jemand einen gefangen, der 1,22 Meter maß.“ Ansonsten sei ein Meter eine Grenze – fange man einen größeren Hecht, habe man schon Glück. 1,05 Meter, 1,10 Meter, 1,15 Meter – das komme schon immer mal wieder vor, „aber die, die ich gefangen habe, waren zum Beispiel alle kleiner“, so Paschukat.

Für einen Fisch diesen Ausmaßes kommt seiner Einschätzung nach vor allem ein „Standplatz“ in der Ilmenau nördlich des Wehrs in der Uelzener Innenstadt infrage. Also in der Ilmenau, nicht wie berichtet im Ratsteich. Der, so Paschukat, sei viel zu flach, der Fluss im Bereich hinter dem Wehr hingegen rund zwei Meter tief.

"Ich esse gar keinen Fisch"

Die dortigen Baumwurzeln hätten zudem einen guten Schutz geboten, aus dem heraus sich der Räuber seine Beute schnappen konnte – dass das Tier auch für Menschen hätte gefährlich werden können, schließt Paschukat übrigens aus.

Aber dass auch die Raubfisch-Exemplare unterhalb der Ein-Meter-Grenze eindrucksvoll sind, macht das Foto klar, das Stefan Lietz zeigt. Darauf präsentiert er einen Hecht von 94 Zentimetern. „Der wiegt sechs Kilo – und macht sechs Leute satt“, meint Lietz.

Paschukat, der seit 1990 in hiesigen Gewässern angelt, erklärt, dass Ilmenau und O-See, die Gerdau, Wipperau und der Elbe-Seitenkanal schon fischreicher waren. Seit einem Jahr beobachte er vor allem die Zunahme von Kleinfischen. Über die Ursachen ließe sich nur spekulieren. Und letztlich sei es immer noch so: „Wenn ich einen Hecht, einen Zander, einen Karpfen oder Aal fangen möchte, dann weiß ich, wann ich wo hin muss.“

Da beim Angeln Wissen und Erfahrung eine große Rolle spielten, empfiehlt Paschukat Anfängern, sich an die Angelvereine in der Region zu wenden. In Uelzen, Oldenstadt, Suhlendorf und Bodenteich sowie in mehreren anderen Orten gebe es welche. Eine vollständige Übersicht biete diese Internetseite.

Von Steffen Kahl

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