Vor September passiert nichts

100 E-Scooter für Uelzen? Mobilitäts-Vorstoß unsanft ausgebremst

Das E-Scooter-Schwergewicht Bird expandiert in Europa.
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E-Scooter des Anbieters „Bird“ gibt es beispielsweise schon in Hannover. In Uelzen kann die Testphase möglicherweise erst später beginnen als zunächst gedacht.
  • Lars Becker
    VonLars Becker
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Falls sich die Verwaltung mit dem Anbieter einigt und die Politik zustimmt, könnten vom Frühjahr 2022 an testweise für neun Monate rund 100 E-Scooter durch Uelzen sausen. Das aber ist noch nicht sicher.

Uelzen – Dass im Frühjahr 2022 in der Hansestadt eine neunmonatige Testphase mit zunächst 100 E-Scootern beginnt, scheint nach der Sitzung des Ausschusses für Bauen, Infrastruktur, Umwelt- und Klimaschutz von Dienstagabend zumindest fraglich zu sein. Denn die Mitglieder bremsten den Vorstoß dahingehend aus, sodass die Verwaltung jetzt in der Sommerpause nicht einmal die Vorbereitungen für einen Kooperationsvertrag treffen darf, über den die Politik dann inhaltlich diskutieren könnte. Dafür ausschlaggebend waren die Anträge auf Fraktionsverweisung durch Stefan Thieme (CDU) und Wilfried Teichmann (SPD).

Während Thieme seinen entsprechenden Antrag nach zusätzlichen Erläuterungen von Stadtbaurat Karsten Scheele-Krogull und von Pierre-Pascal Berning (Fachbereich Straßenbau und Verkehr) zum geplanten Prozedere wieder zurückzog, beharrte Teichmann darauf, das „neue Thema“ erst in seiner Fraktion beraten zu wollen.

Für Beratungen fehlen die Fakten

Das mutete insofern etwas seltsam an, weil die E-Scooter-Idee zum einen bereits am 8. Juni im identischen Ausschuss von Scheele-Krogull kurz vorgestellt worden war und weil auch Bürgermeister Jürgen Markwardt im Nachgang einer Sitzung des Verwaltungsausschusses schon dazu Stellung bezogen hatte.

Zum anderen fehlen den Fraktionen für ihre Beratungen nun jene Fakten, die im Entwurf eines Kooperationsvertrages der Stadt mit dem Anbieter „Bird Rides“ aus Berlin bereits hätten stehen können. Alle Hinweise aber, dass man ja noch keine Entscheidung nach dem Motto „Machen oder nicht“ treffe, sondern lediglich eine nach ersten Vorabstimmungen wenig arbeitsintensive Verschriftlichung durch die Verwaltung ermögliche, prallten bei Teichmann ab.

Mögliche Mobilitätsalternative zum Auto

Insofern verliert Uelzen nun möglicherweise Zeit auf dem Weg zu einer Mobilitätsalternative zum Auto. Wie die in der Hansestadt in einem neunmonatigen Testversuch etabliert werden könnte, hatte zuvor Christian Klasen für das Unternehmen „Bird Rides“ geschildert. Er konnte die größten Bedenken, dass herumliegende Roller zur Gefahr für Fußgänger werden oder aber von Vandalen in Ilmenau oder Elbe-Seitenkanal geworfen werden könnten, entkräften.

Denn die Technik der Roller sei inzwischen so ausgereift, dass man klare Parkverbotszonen definieren könne, in denen Nutzer das Mietverhältnis für einen Scooter (50 Kilometer Reichweite, Fahren erst ab 18 Jahren zulässig) gar nicht beenden könnten. Heißt: Wer den Roller dort trotzdem platziert, zahlt weiter.

Eichmann-Bartels: „Coole Idee für Uelzen“

Silja Eichmann-Bartels (CDU) sprach von einer „coolen Idee für Uelzen“. Die kostet nach dem aktuellen Preismodell des Anbieters immer einen Euro pro Mietvorgang plus 19 Cent je ausgeliehene Minute. Tages- oder Monatspässe sind deutlich günstiger. „Die Preise sind nicht gerade günstig, wir sind jetzt etwa auf dem Niveau der Busse. Das wird sich aber ändern“, meinte Christian Klasen von „Bird Rides“, nach dessen Erfahrung jeder Roller pro Tag zwei bis drei Mal für jeweils zwei bis drei Kilometer genutzt werde.

Zur Nutzung muss die App installiert werden, über Bluetooth oder QR-Code lässt sich ein Roller entsperren. Alle zwei Wochen wird jedes Fahrzeug gewartet, binnen sechs Stunden nach einer Meldung über falsch abgestellte Roller sollen diese korrekt stehen. „Wir reden nicht über ein Spaß-, sondern ein ernstzunehmendes Verkehrsmittel, das eine Alternative zum Auto werden kann. Wir selbst haben großes Interesse an einem guten Verlauf der Testphase, sonst sind wir nach neun Monaten wieder raus“, so Klasen weiter.

Nächste Sitzung erst im September

Der Uelzener Ausschuss für Bauen, Infrastruktur, Umwelt- und Klimaschutz tagt planmäßig erst wieder am 14. September. Bis dahin kann die Stadtverwaltung nicht weiter an den Rahmenbedingungen für eine mögliche Kooperation arbeiten. Und auch das Unternehmen „Bird Rides“ muss sich gedulden.

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