Der Sprung über den Schatten

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Marc Rath

Es ist ein millionenschweres Großprojekt, über das derzeit viel geredet, aber noch mehr gerätselt wird. Denn nur eine Hand voll in der Stadt weiß derzeit überhaupt, was am Veerßer Tor künftig konkret entstehen soll.

Wer ist der Investor für Uelzens neues Einkaufszentrum? Wie passt sich dieser Komplex in das Stadtbild ein? Und vor allem: Welches Angebot und welche Mieter ziehen dort ein? Nur mit diesem Wissen lässt sich eine profunde Diskussion über Chancen und Risiken führen. Die Befürchtungen und Hoffnungen hinsichtlich des bislang größten Uelzener Investitionsprojektes in diesem ja noch jungen Jahrtausend sorgen aber schon jetzt für Spannung und Spannungen. Verwaltung und Politik signalisieren, dass sie aus der Vergangenheit lernen und alle Interessierten und Betroffenen mitnehmen wollen.

Der jetztige Zeitplan lässt das indes kaum zu: Wenn Ende März die Pläne der Öffentlichkeit präsentiert werden, aber Mitte April im Stadtrat bereits endgültige Entscheidungen fallen, ist das ein denkbar knappes Zeitfenster. Hinzu kommt, dass sich dieser Beschluss dann nicht so einfach wieder zurückholen ließe wie der gescheiterte Test einer Fußgängerzone. Gut möglich, dass daher mehr Zeit benötigt wird. Zeit, die sich alle nehmen sollten. Vielleicht bietet dieses Projekt ja auch die Chance, neue Formen der Bürgerbeteiligung, denen sich die Stadt nunmehr spürbar öffnen will, direkt auszuprobieren.

Die Dimension des geplanten Marktcenters bietet sich für einen Sprung nach vorn zu einem neuen städtischen Miteinander eigentlich geradezu an. Uelzen ist hier ohnehin derzeit im Umbruch. Die neuen Initiativen aus dem Handel sind dafür ein weiteres Beispiel. Die vielfach beschworene „Bündelung der Kräfte“ sollte daher eine neue Qualität bekommen. Denn zu oft bestand sie in der Bündelung der Interessen derjenigen, die die Parole aus- und den Ton dann angaben. Es geht aber auch um die Zwischentöne. Und erst recht um die Gegenpositionen. Alle einzubinden, die sich einbringen wollen – das ist in der Vergangenheit versäumt worden.

Es wäre etwa ein gutes Zeichen, wenn es der Händlerschaft gelingt, aus den verschiedensten Richtungen doch noch aufeinander zuzugehen. Ausgrenzungen – von wem und durch wen auch immer – kann sich diese Stadt gar nicht erlauben. Uelzen kann (dann) mehr. Aber dazu gehört ein Wille und die Kraft, über die Schatten der Vergangenheit zu springen. Nur dann wird man die Sonne auf- anstatt untergehen sehen.

Das Leben lebt durch Wandel. Diese Kolumne ist heute meine letzte. Sie war eine der Neuerungen, die es in den vergangenen fünf Jahren bei der AZ gegeben hat. Für mich war es eine spannende und oft auch schöne Zeit. Bleiben Sie uns weiter gewogen.

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