Der Spatz in der Hand ...

Von Marc RathUelzen. Für die bündnisgrüne Ratsfrau Ariane Schmäschke ist die A 39 die "seit Jahren kreisende Taube". "Ich nehme lieber den Spatzen", forderte die Fraktionsvorsitzende der Grünen gestern Abend auf der Sitzung des Stadtrates anstelle des Autobahnbaus eine Verbreiterung der B 4. "Das genau ist die Taube auf dem Dach", konterte Bürgermeister Otto Lukat (SPD). Es werde Jahre dauern, die Bundesstraße in einen Verkehrswegeplan des Bundes zu bringen – "mit ungewissem Ausgang", unterstrich der Bürgermeister. Die A39 sei dagegen der Spatz in der Hand. "Sie ist im dringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans fest verankert."

Beim Raumordnungsverfahren, für das der Stadtrat gestern seine Stellungnahme abgeben wollte, "geht es daher nicht mehr ums Ob, sondern um das Wie", unterstrich Lukat. Doch die Stadträte debattierten dann nicht um das Wie, sondern um das Ob.

Lukat argumentierte mit aller Entschiedenheit für die Autobahn als wichtigen Impuls für Uelzens Wirtschaftskraft und warnte davor, diese Möglichkeit zu vergeben. "Man sagt uns nach, wir hätten in Uelzen schon Chancen vertan. Das darf uns jetzt nicht wieder passieren."

SPD-Fraktionschef Manfred Daum räumte einen umfassenden Eingriff ein, warb aber für eine "rationale Entscheidung": Die A 39 sichere die überlebenswichtige Anbindung zur Nordregion.

Bei der SPD hatte Wilhelm Spangenberg zuvor bereits deutlich gemacht, dass er gegen die A39 stimmen werde. Er begründete dies nicht zuletzt damit, dass die massiven ökologischen Einschnitte nicht zu rechtfertigen seien.

CDU-Fraktionsvorsitzender Heinz-Joachim Höfer sieht in der A 39 dagegen einen "Hoffnungsstreif am Horizont". Es gehe auch um ein Signal in die Region, um bestehende Arbeitsplätze zu erhalten und jungen Menschen eine Zukunft bieten zu können.

"Voll dafür" ist auch CDU-Ratsherr Wolfgang Mocek. Er verwies auf das Beispiel Bayern. Der Freistadt habe seine Regionen systematisch mit Fernstraßen erschlossen und profitiere heute davon.

Ariane Schmäschke glaubt an solche Effekte hingegen nicht. Für sie ist das Projekt "Geldverschwendung". Lediglich in einem Punkt sei sie mit der Ratsmehrheit einer Meinung: "Eine West-Trasse hätte parallel zur A 7 keinen Wert."

Die Abstimmung war eine klare Angelegenheit: Neben Spangenberg und Schmäschke stimmte lediglich Margarete Kordel-Seger von den Grünen gegen die Ost-Variante. Rats-Neuling Dietrich Bilitza (SPD) enthielt sich der Stimme.

Erschienen: 20.06.2006: AZ / 141 / Seite:3

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