Ein spannendes Quartett

Wer wird neuer erster Mann im Kreis? Spannende Frage! Derzeit ist nur eines klar – eine Frau ist nicht (mehr) im öffentlich bekannten Bewerberfeld. Die Landratswahl ist eine Personenwahl. Und es geht – so oder so – um einen Neuanfang an der Spitze der Kreises, die Theodor Elster als Landrat und vormaliger Oberkreisdirektor im nächsten Herbst nach 25 Jahren verlassen wird.

Das politische Geschäft ist – im Großen wie im Kleinen – heute vor Überraschungen nicht mehr gefeit. Geborene Nachfolger gibt es heute ohnehin nur noch in einer Monarchie und die Parteienbindung ist in den vergangenen Jahren noch dramatischer zurückgegangen als die Mitgliederzahlen des Deutschen Gewerkschaftsbundes, die sich im Sinkflug befinden. Ein Bewerber ist bereits offiziell nominiert: Uelzens Erster Kreisrat Heiko Blume möchte nach fünf Jahren als zweiter Mann ganz an die Spitze. Das CDU-Mitglied wird von seiner Partei getragen. Dass die FDP just am Tag von Blumes Nominierung mit Ex-Kreislandwirt Rainer Fabel einen eigenen Kandidaten präsentiert, hatte manch einer in der Union nicht auf dem Plan gehabt. Das kostet Blume Prozente. SPD und Grüne fechten allem Anschein nach erstmal gegeneinander, ob man doch miteinander kann. Die Sozialdemokraten haben jetzt Lüneburgs Ersten Kreisrat Jürgen Krumböhmer in Stellung gebracht, während die Grünen den Kandidatenreigen im Frühjahr mit ihrem Uelzener Urgestein und ehemaligen Landessprecher Raimund Nowak eröffnet hatten. Alle schielen darauf, möglichst überparteilich wirken zu wollen. Klar, denn nur wem dies auch wirklich gelingt, der hat auch Chancen. Und die haben alle vier – denn sie starten praktisch alle bei Null. Blume und Krumböhmer haben die Verwaltungserfahrung, Fabel und Nowak von den vermeintlich „Kleinen“ sind dagegen in der Bevölkerung bekannter. Das könnte ein echter politischer Wettbewerb werden – ohne Netz und doppelten Boden. Denn den hat die CDU/FDP-Landtagsmehrheit allen Akteuren mit der Abschaffung der Stichwahl glatt entzogen. Wenn sich die Christdemokraten, die dabei die Triebfeder waren, nicht mal gehörig täuschen – ob dieser Schritt ihren Bewerbern wirklich den dabei kalkulierten Vorteil verschafft, wird der 11. September 2011 zeigen. Es wird ein spannendes Ringen respektabler Persönlichkeiten um den Spitzenplatz im Landkreis. Lagerdenken wird dabei kaum gefragt sein. Insofern tut SPD-Unterbezirksvorsitzender Klaus-Peter Dehde sich und den Seinen keinen Gefallen, wenn er nur Teile des politischen Spektrums als „fortschrittliche Kräfte“ etikettiert. Das ist eine nicht eben einfallsreiche Ausgrenzungsrhetorik, die Blume und Fabel gewiss nicht gerecht wird und eher gegen den Ab- sender spricht, als dass sie bei Adressaten allzu sehr ver- fangen wird.

marc.rath@cbeckers.de

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