Soll ich – oder soll ich nicht?

Noch einmal halte ich die Bluse prüfend vor dem Spiegel an mich an. Doch, die Farbe würde sich wirklich gut in meinem Kleiderschrank machen. Und wie sie im Sommer, braungebrannt, erst zur hellen Hose aussehen muss….

Erneut wende ich die Bluse hin und her. Eigentlich wollte ich mir eine Jacke kaufen… Soll ich oder soll ich nicht? Lange habe ich überlegt, wie die anderen zu dem Geburtstag wohl kommen. Schlicht oder schick, Rock oder Hose? Die Hose wäre mir lieber, aber sie kneift am Hintern und schlägt vorne Falten. Unmöglich sieht das aus. Schließlich nehme ich doch den Rock – und fühle mich völlig daneben. Bewundernd blicke ich meine Nachbarin an: Die sieht einfach klasse aus in ihrem braunen Top, der schwarzen Jacke und der dunklen Hose. Kein Wunder, dass die so fröhlich lachen kann. Wenn ich mich in meinem Rock ein wenig wohler fühlen würde, könnte ich auch viel entspannter sein. Aber Moment mal: Was hat sie an? Dunkelbraun und schwarz? Das geht doch gar nicht. Das sieht eigentlich unmöglich aus! Und auf einmal fange ich zu grübeln an: Ohne ihr Lachen ist sie nur noch halb so hübsch. Es muss die Ausstrahlung sein, die mich in ihren Bann gezogen hat. Die Kleidung bemerke ich erst auf den zweiten Blick. Wahrscheinlich heißt es deswegen bei Paulus: „Zieht an herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld – und über alles aber die Liebe, die ist das Band der Vollkommenheit“ – damit ich mir über meine Kleidung nicht ständig den Kopf zerbrechen muss. Susanne Hallwaß ist Pastorin der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Barum-Natendorf.

Von Susanne Hallwaß

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