„Wo sind die Touristen?

Einige hundert Zuhörer waren in den Hörsaal gekommen.

Von Thomas Mitzlaff Lüneburg. Uelzens Bürgermeister Otto Lukat verwahrte sich dagegen, "wie hier der Moderator die Podiumsteilnehmer mit seinen Kommentaren abqualifiziert", Hartmut Schöberl von der IHK Lüneburg-Wolfsburg wollte, "dass hier einige Unterstellungen zurück genommen werden" und ein penetranter Störer wurde auch schon mal mit einem deftigen "Halt die Schnauze, sonst komme ich da hoch" zum Schweigen gebracht – einige Emotionen und Polemik, aber nicht wirklich Neues hörten die einigen hundert Zuhörer gestern Abend bei der Diskussionsveranstaltung über Vor- und Nachteile der geplanten Autobahn39, zu der der "Dachverband der Bürgerinitiativen gegen die A 39" in die Universität Lüneburg eingeladen hatte.

Brandheiße Informationen aber hatte wohl auch niemand wirklich erwartet – aber immerhin war es die erste Diskussionsveranstaltung zum Thema Autobahn, bei der hochkarätige Befürworter und Gegner der A 39 gemeinsam auf dem Podium saßen.

"Leben wir hier auf einer Insel der Armut und brauchen dringend eine Autobahn, oder leben wir auf einer Insel der Erhaltung von Werten", wollte Moderator Hartmut Wittenberg, Universitätsprofessor aus Suderburg, von den sieben Herren auf dem Podium wissen. Lukat erwies sich dabei als Mann der klaren Worte und heimste einigen Beifall ein: "Sie hier in Lüneburg profitieren von der A 250, die Winsener tun das ebenfalls. Mit einer Autobahn wären wir wesentlich besser an die Metropolregion Hamburg angeschlossen. Und diese Bundesstraße 4 zwischen Lüneburg und Uelzen ist nicht mehr vertretbar."

Uelzen jedenfalls erhoffe sich wie Lüneburg einen Bevölkerungszuwachs und ein Ende des Werteverfalls von Immobilien, so Lukat weiter. "Und wegen unberührter Natur: Wo sind denn unsere Touristen? Die wollen möglichst schnell her – mit dem Auto." Unternehmer Stefan Deerberg, der in Velgen bei Ebstorf einen florierenden Schuhversand betreibt, sah das völlig anders: "Veränderung kommt aus unseren Köpfen heraus und nicht durch eine neue Autobahn. Vielleicht sind ja Zuckerrüben und Kartoffeln nicht die besten Ideen im Moment."

Das Für und Wider hielt sich die Waage. Der Mann mit dem meisten Insiderwissen sagte nicht viel an diesem Abend: Friedhelm Fischer, Leiter der Landesbehörde für Straßenbau, der die Zeichnung einer Vorzugstrasse für die A 39 schon in seiner Tasche hat. Doch die wird erst in einigen Wochen bekannt gegeben.

Erschienen: 16.02.2006: AZ / 40 / Seite:3

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