Der Schock für Gr. Liedern

Der voraussichtliche Verlauf der A39 im Raum Uelzen: Grün markiert sind die städtischen Flächen, die orange farbenen Kreise markieren die beiden Auffahrten Uelzen-Ost und Uelzen-Nord.

Von Thomas MitzlaffUelzen. "Was meinen Sie, was ich mir nächsten Dienstag in Gr. Liedern anhören darf." Während in Riestedt die Ratsmitglieder noch über die Zunahme des Schwerlastverkehrs auf "ihrer" Kreisstraße diskutierten, schweifte Stadtbaurat Gert Stöckicht in Gedanken schon voraus zu der nächsten Ortsratssitzung, die er besuchen wird, um die Pläne für die Autobahn 39 näher zu erläutern. Dann wird er den Gr. Liederern erklären müssen, dass sie die Verlierer des Großprojektes sind: Nach Schätzungen der Straßenplaner wird der Verkehr durch den kleinen Ort mit der Fertigstellung der A39 explodieren — statt derzeit knapp 5000 sollen dann täglich rund 14000 Fahrzeuge dort mitten durch rollen.

Worauf das Straßenbauamt Lüneburg diese Zahlen stützt, kann auch Stöckicht nur vermuten – schließlich ist er nur der Überbringer der schlechten Botschaft und nicht für die Planung zuständig. "Der ganze Verkehr aus dem und in den Westen wird über die Abfahrt Uelzen-Ost rollen", so der Stadtbaurat. Und da liegt nun einmal als nächstes Gr. Liedern. "Diese Situation darf aber nicht zur Ablehnung der A39 durch die Stadt führen", betonte Stöckicht. Vielmehr müsse dies den entscheidenden Schub für die Durchsetzung der Ortsumgehung Gr. Liedern geben.

Doch auch die Riestedter, bei denen Stöckicht Mittwochabend zu Gast war, werden die neue Autobahn praktisch vor der Haustür haben: Zwischender Trasse und den ersten Häusern sind es lediglich 350, bis zum Ortskern 500 Meter. Da der Ort direkt an der B191 liegt, ist dort auch die zweite Uelzener Abfahrt, Uelzen-Nord. Und genau das macht den Riestedtern Sorgen: "Der Lkw-Verkehr nimmt schon heute die Abkürzung zum Hafen über die K50 und Molzen", klagt Ortsbürgermeister Ernst-Willi Giere. "Mit der Autobahn wird das womöglich noch mehr." Die Stadt möge jetzt darlegen, welche Möglichkeiten es gebe, damit die Lkws künftig wie vorgesehen die Bundesstraßen nehmen, beantragte Henning Gröfke (CDU). Der Ortsrat stimmte schließlich mit 3:2 Stimmen für die A39-Trasse.

Und Gert Stöckicht muss sie nun den Menschen in Gr. Liedern vorstellen. Nächsten Dienstag um 19.30 Uhr im Niedersachsen-Krog.

Erschienen: 12.05.2006: AZ / 110 / Seite:4

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