Rektorin der Auetal-Schule spricht von fehlender Planungssicherheit für Eltern

Schluss nach nächstem Schuljahr

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Die Mitglieder des Schulausschusses der Samtgemeinde Aue bei der Besichtigung der Auetal-Schule. Am Donnerstag hat das Gremium die Schließung empfohlen. Schulleiterin Ricarda Hagedorn (rechts) bedauert diese Entscheidung.

Lüder. Das Innenministerium will die Grundschule Lüder nicht schließen, die Landesschulbehörde ebenfalls nicht. Einzig die Politik der Samtgemeinde Aue hat ihr Schicksal in der Hand.

Und diese Politik hat am Donnerstagabend eine richtungsweisende Empfehlung gegeben: Der Schulausschuss der Samtgemeinde will mehrheitlich die Grundschule zum Ende des Schuljahres 2014/15 schließen und Einschulungen zu eben jenem Schuljahr in Bad Bodenteich vornehmen.

Es ist eine lebhafte Sitzung mit vielen spitzen Bemerkungen und Zwischenrufen aus dem Zuschauerraum. Samtgemeindebürgermeister Harald Benecke versucht gleich zu Beginn, der „Legendenbildung“ Einhalt zu gebieten: „Der Entschuldungsvertrag ist 2010 in den jeweiligen Samtgemeinden entstanden. Der Vorschlag der Schul-Schließung stammt aus dem Bodenteicher Raum.“

Frust bei den Lehrern: Schulleiterin Ricarda Hagedorn spricht von einem „zermürbenden Arbeiten“ und fehlender Planungssicherheit seit zweieinhalb Jahren.

50 000 Euro pro Jahr kostet die Schule die Samtgemeinde, so Benecke. Darin enthalten: Betriebskosten, Raumpflegerin und Sekretariat. Einige der Einwohner seien sogar bereit, vierstellige Summen zu spenden, um die Schule zu erhalten, schildert Carola Gräflich-Monard. „Die Auetal-Schule darf nicht nur auf ihre Kosten reduziert werden“, fordert die Lüderanerin. Der ehemalige Ratsherr Friedrich Schulze verlangt lieber Einsparungen bei der Verwaltung oder der Feuerwehr.

Fakt ist: Die Auetal-Schule ist die kleinste im gesamten Landkreis mit ihren 49 Schülern. Die Lehranstalt gibt es seit 330 Jahren, sagt Lüders Bürgermeister Jürgen Schulze (CDU). Er hält sie für eine „wichtige Institution vor Ort“ – die Schließung für einen „schweren Schlag“ für Lüder.

CDU-Ratsfrau Birgit Zaulick beschwichtigt: „In Ostedt wurde der Kindergarten vor vielen Jahren geschlossen und es hat sich vieles entwickelt. Auch in Lehmke sind mit der Schließung der Schule nicht die Lichter ausgegangen – es geht weiter.“ Für Herbert Rathje (SPD) sprechen vor allem „pädagogische Gründe und der drohende Investitionsbedarf“ für das Aus der Grundschule. Der Lüderaner Mienold Eilers (Grüne) hält den Erhalt der Lehranstalt mit Klassenstärken unter zehn Schülern für „indiskutabel“.

Schulleiterin Ricarda Hagedorn betont, dass sie gegen die Schulschließung ist: „Gespart wird auf Kosten der Kinder.“ Nur die finanzielle Sicht stehe im Vordergrund, nicht die pädagogische. Die Zahl der Schüler sei konstant – auch auf lange Sicht. Ihr größtes Problem: die fehlende Planungssicherheit. „Ich kann Eltern nicht beraten“, bedauert sie. Statt 15 Kinder erwartet sie zum kommenden Schuljahr nur noch fünf. Ihr Plan: „Wir wollen sie nicht in Lüder, sondern in Bad Bodenteich einschulen, denn es geht um die Kinder und die Familien.“ Zum Schuljahr 2014/2015 solle die Schule in Lüder dann schließen. Für die Eltern sei die Situation sonst zu unsicher. Ein Ende erst ein Jahr später sei für sie „ein Sterben auf Raten“.

„Unser Plan entspricht dem Wunsch der Samtgemeinde und das missfällt mir zutiefst“, bedauert die Schulleiterin, spricht von einer „beschämenden Art und Weise“ – und erntet jede Menge Applaus aus dem Zuschauerraum.

Mit einer Enthaltung und zwei Gegenstimmen wurde die Schließung der Auetal-Schule dem Rat der Samtgemeinde vom Ausschuss empfohlen. Über das endgültige Schicksal wird am 10. Juli abgestimmt.

Von Jörn Nolting

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