Von Schäden und Entschädigung

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Die Autobahnplanungen sorgen zurzeit in den Gemeinden Altenmedingen, Römstedt und Bienenbüttel für schlaflose Nächte – Kirsten Lühmann nahm die Sorgen der Bürger auf, um nach Alternativen und Lösungen zu suchen.

Altenmedingen - Von Ines Bräutigam. Sie stellte es gleich von vornherein klar: „Ich werde sicher nicht dem Club der Gegner vorbehaltlos beitreten“, sagte Kirsten Lühmann auf der Informationsveranstaltung zur A39, zu der die SPD im Rahmen ihrer Reihe „SPD vor Ort“ am Freitagabend in einen hoffnungslos überfüllten Saal des Gasthauses „Zur Linde“ in Secklendorf eingeladen hatte. Die Bundestagsabgeordnete der Sozialdemokraten sei aber dafür, alle wichtigen, im Zusammenhang mit dem Autobahnbau stehenden Dinge zu beachten und „nicht einfach nur eine Schneise zu schlagen“. Obwohl die Planer gute Arbeit leisteten, müssten hier und da immer wieder auch Alternativen geprüft werden.

In Secklendorf war sie vor allem, um sich die Bedenken der Gemeinde Altenmedingen anzuhören. Denn wie berichtet, ist zwischen Secklendorf und Altenmedingen eine Autobahnanschlussstelle vorgesehen. Vor allem um die Entschädigung der betroffenen Landwirte macht sich Altenmedingens Bürgermeister Werner Marquard ernsthafte Sorgen und stieß damit bei Kirsten Lühmann auf offene Ohren.

So soll ein Bauer 8 seiner 47 Hektar Ackerfläche durch den Bau der Anschlussstelle verlieren. Laut Bodenrichtwerten würde er dafür 90 Cent pro Quadratmeter als Entschädigung erhalten, rechnete Marquard vor. Dabei ist sein Land zurzeit rund 2 Euro pro Quadratmeter wert.

„Das kann es nicht sein“, mahnte der Bürgermeister und forderte die Politik auf, hier Änderungen herbeizuführen. Lühmann zeigte sich von den Schilderungen „negativ berührt“ und versprach, sich für eine Lösung stark zu machen.

Auch die Situation in der Ortsdurchfahrt bereitet den Altenmedingern Kopfzerbrechen. Die kurvige Passage sei schon jetzt ein Nadelöhr für Lkws. Daran, dass hier der Verkehr, wie prognostiziert, mit dem Bau der A 39 derart zunehmen wird, dass täglich 26000 Fahrzeuge in nördlicher Richtung unterwegs sind und 25000 in südlicher (zurzeit sind es in beide Richtungen etwa 8500), daran mag in Altenmedingen niemand denken. Ganz zu schweigen von dem geplanten Bau der Elbbrücke bei Neu Darchau, der noch mehr Verkehr auf diese Strecke bringen würde. Kirsten Lühmann nickte: „Im Prinzip brauchen wir schon jetzt eine Ortsumgehung.“ Doch nicht allein die Altenmedinger plagen sich mit den aktuellen Planungen. Auch Bürger aus Hohnstorf und Römstedt waren nach Secklendorf gekommen, um der Bundestagsabgeordneten ihre Sorgen vorzutragen.

Während die Hohnstorfer sich, wie berichtet, gegen den Bau eines Rasthofes bei Solchstorf wehren, eine Bürgerinitiative (BI) gegründet und sich neuerdings auch dem Klagefonds gegen den Bau der A39 angeschlossen haben - „Wir sind mittlerweile ganz gegen die A39“, erklärte Hohnstorfs BI-Sprecher Matthias Sost -, hadern die Römstedter mit der geplanten Verschwenkung der Autobahntrasse.

Für beide Probleme haben die Betroffenen bereits Alternativen entwickelt: Der Rasthof solle dort gebaut werden, wo bereits Infrastruktur vorhanden ist, appellierte Matthias Sost. In Uelzen oder Lüneburg zum Beispiel. Der Idee eines Autohofes, der in ein bestehendes Gewerbegebiet integriert werden könnte, konnten offensichtlich alle Beteiligten etwas abgewinnen. Der in den Raum gestellte Vorschlag, die Bodenteicher wollten ja die Tank- und Rastanlage haben, sollten sie sie doch einfach bekommen, wurde nicht ernsthaft verfolgt.

Was die Verschwenkung bei Römstedt betrifft, haben sich die beiden Nachbargemeinden Altenmedingen und Römstedt darauf verständigt, dass eine Rückführung der Trasse auf den ursprünglichen Punkt auf Römstedter Gemeindegebiet wünschenswert wäre. Werner Marquard berichtete den Anwesenden von sehr positiven Gesprächen mit den Römstedtern, die alle im Vorfeld auch mal kritischen Töne vom Tisch gewischt haben.

Kirsten Lühmann musste sich an diesem Abend teils harsche Vorwürfe aus dem Publikum gefallen lassen. Warum sie denn nicht endlich ihre Position zur Autobahn 39 aufgebe, wollte zum Beispiel Borvin Wulf aus Suderburg wissen. Eckehard Niemann vom Dachverband gegen die A 39 bezeichnete die SPD-Mitglieder gar als „Betonköpfe“ und stellte seine Sicht der Dinge dar: Entweder sei man Teil des Problems oder Teil dessen Lösung.

Die Abgeordnete allerdings betonte, dass es so einfach nicht sei: „Ich vertrete einen ganzen Wahlkreis“, gab sie zu bedenken. „Und so wie ich heute Abend hier bin, bin ich auch schon in anderen Gemeinden gewesen. Und es gibt Orte, in denen mich die Bürger darum bitten, dass die A 39 kommen soll. Und zwar so schnell wie möglich.“

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