Die Wochenrevue von Andreas Becker

Roter Rückstand zur Halbzeit

Der Countdown läuft! Noch 21 Tage – dann folgt die Abrechnung. In drei Wochen müssen sich die vier Landtagskandidaten dem Wählervotum stellen. Nur einer der Protagonisten wird am Abend des 11. Septembers jubelnd die Arme hochreißen, die anderen drei Trübsal blasen.

Noch hoffen alle Bewerber um das höchste politische Amt im Landkreis Uelzen, dass das Pendel der Wahlberechtigten in ihre Richtung schlägt. Doch hoffen wirklich (noch) alle Kandidaten – aus Überzeugung und Leidenschaft für ihre politischen Ziele? Dem neutralen Polit-Beobachter kommen bei der Bejahung der Frage leise Zweifel. Zeit für ein Zwischenresultat, eine Art Halbzeitstand.

Schauen wir zunächst auf die kleinste Partei, die FDP. Respekt, Herr Fabel. Der Liberale aus Nestau lässt nichts unversucht, um seine Außenseiterchance ernsthaft zu nutzen. Ob Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler, Niedersachsens Minister Hans-Heinrich Sander und Jörg Bode, den designierten freidemokratischen Landeschef Stefan Birkner oder diverse Bundestagsabgeordnete – Fabel holt alle in „seinen“ Landkreis, greift aktuelle kommunalpolitische Themen auf, spinnt sein Netzwerk in Landes- und Bundeshauptstadt und gibt den „Hansdampf in allen Gassen“. Auch wenn er nicht als Favorit gilt, so schöpft der Landwirt sein Potenzial bisher richtig gut aus. Apropos Favorit: Als der gilt in politischen Zirkeln Dr. Heiko Blume. Kraft seines Amtes als Erster Kreisrat kann der 45-Jährige aus einer Position der Stärke agieren. Auch Christdemokrat Blume lässt nichts unversucht, um mit importierter Polit-Prominenz mächtig zu punkten. Finanzminister Möllring war schon da, Kultusminister Althusmann ebenso – ob Letztgenannter aufgrund der ungeklärten Plagiats-Vorwürfe derzeit allerdings als Sympathieträger gilt und Pluspunkte sammelt, ist wohl der politischen Glaskugel zu entnehmen. Nichtsdestotrotz: Kurz vor dem Urnengang kann Blume mit der Stippvisite von „Landesvater“ David McAllister an der Ilmenau noch einmal mächtig ins Rampenlicht rücken. Bleibt für die CDU nur zu hoffen, dass sich ihr Kandidat in den nächsten Tagen noch ein wenig offensiver und pointierter in den politischen Aussagen präsentiert. Da hat Kandidat Blume zweifellos noch Steigerungspotenzial. Im Gegensatz zu Raimund Nowak: Der für die Grünen ins Rennen gegangene Kommunalpolitiker hat als einziger der vier Kandidaten bisher quer und unkonventionell gedacht. Sein Wahlprogramm beinhaltet knackige Aussagen und nachdenkenswerte Ideen – als Beispiel sei an dieser Stelle nur die Angliederung des Hochschulstandortes Suderburg an die Stadt Uelzen genannt. Keine Frage, Nowak sucht die inhaltliche Auseinandersetzung, lässt die Parteiprominenz weitgehend draußen. Nowak als Programm – das ist nicht chancenlos.

So präsentiert sich augenblicklich Jürgen Krumböhmer. Der SPD-Import aus Lüneburg hat bisher weder Parteiprominenz in den hiesigen Wahlbereich geholt noch hat der Genosse politische Duftmarken gesetzt. Fast hat es den Anschein, als hätten Krumböhmer und die Sozialdemokraten den Wahlkampf noch gar nicht begonnen. Oder bereits verloren gegeben, wie Spötter in und um Uelzen hinter vorgehaltener Hand munkeln. Vielleicht aber betrachtet der SPD-Kandidat den Kampf um Stimmen und Stimmungen auch als eine Art Marathonlauf. Den kann man bekanntlich auf den ersten drei Kilometern nicht gewinnen, wohl aber verlieren. Krumböhmer, der Ausdauerathlet? Die Antwort gibt’s in spätestens 21 Tagen. Vorher aber, am Dienstag, 6. September, wartet auf die vier Kandidaten auf der Zielgeraden des Kommunalwahlkampfes noch die AZ-Podiumsdiskussion. Ab 19 Uhr präsentieren sich die Kommunalpolitiker in einer öffentlichen Veranstaltung im Uelzener Ratssaal. Ein spannender Endspurt ist garantiert - ob am Wahlabend ein Foto-Finish entscheidet?

andreas.becker@cbeckers.de

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