Artenschutz im Gleisbett: Gemeinde Oetzen darf Bahnstrecke Uelzen-Dannenberg nicht entfernen

Zauneidechsen verhindern Abbau

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Die Gemeinde Oetzen will das von ihr erworbene Teilstück der ehemaligen Bahnstrecke Uelzen-Dannenberg abbauen. Doch um die dort lebenden Zauneidechsen zu schützen, darf sie nur die Gleise entfernen, nicht aber Schwellen und Schotter. 

Oetzen. Mopsfledermaus, Kammmolch und Feldhamster: Der Fund dieser schützenswerten Tierarten hat schon so manches Bauvorhaben in Deutschland zu Fall gebracht. Nun ist auch die Gemeinde Oetzen von einer solchen Artenschutzbestimmung betroffen.

Sie darf das 4,3 Kilometer lange Teilstück der ehemaligen Bahnstrecke zwischen Uelzen und Dannenberg, das ihr seit dem 1. Januar 2017 gehört, nicht wie geplant abbauen und anderweitig nutzen. Das hat ihr das Umweltamt des Landkreises mitgeteilt.

Laut dem Bundesnaturschutzgesetz darf die Gemeinde Oetzen lediglich die Schienen der entwidmeten Bahnstrecke abbauen, nicht aber die Schwellen, erklärt Kreissprecher Martin Theine. Diese Beschränkung sei erforderlich, „da die im Schotterbett befindlichen besonders geschützten Zauneidechsen und andere Reptilien sonst verletzt oder getötet werden“.

Eigentlich wollte die Gemeinde den Abschnitt der Bahnstrecke für den Naturschutz – als Ausgleichsfläche für Baumaßnahmen – nutzen. Landwirten sollte zudem ermöglicht werden, Teilstücke zu kaufen, die zwischen ihren Feldern liegen. Auch hätte sich ein örtlicher Gewerbebetrieb über die Bahnstrecke hinaus erweitern können, so die Idee. Doch nun liegen diese Pläne erst einmal auf Eis.

Doch das ist nicht der einzige Kritikpunkt von Oetzens Bürgermeister Bernd Burmester (CDU). Er wundert sich auch, warum die Gemeinde noch immer keinen Bescheid vom Landkreis erhalten hat, wann und wie sie die Schienen entfernen darf. Am 24. Mai habe er mit Vertretern des Umweltamtes die Bahnstrecke besichtigt. „Wir haben uns darauf verständigt, dass wir dazu einen Bescheid vom Landkreis erhalten“, erzählt Burmester. „Ich bin etwas enttäuscht, dass dieser bis heute nicht eingegangen ist.“ Das Ganze sei „eine Verzögerung, die nicht nottut“. Zugleich schlägt er vor, die Eidechsen vom Gleisbett an den Waldrand umzusiedeln. Dann wäre auch der Abbau der Schwellen möglich, hofft Burmester.

„Der Landkreis Uelzen ist bestrebt, der Gemeinde Oetzen schnellstmöglich eine Rückmeldung zu geben“, betont unterdessen Kreissprecher Theine. Zuvor müsse aber ermittelt werden, was erforderlich ist, um Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft durch den Schienenabbau zu vermeiden oder auszugleichen. Die dafür notwendige „Bereitstellung einer geeigneten Kartengrundlage ist deutlich aufwendiger als zunächst angenommen“, erklärt Theine die Zeitverzögerung. Darüber habe der Landkreis die Gemeinde am 13. Juli auch per E-Mail informiert.

Nach Ansicht von Burmester drängt jedoch die Zeit. „Ich möchte gerne noch in diesem Jahr gemeinsam mit dem Verwaltungsausschuss die Entscheidung treffen, wer die Bahnstrecke zu welchem Preis abbaut“, sagt er.

Von Bernd Schossadowski

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