Speicherbecken bei Stöcken fast voll / Landwirte müssen trotz Rekord-Niederschlägen beregnen

Wohin mit dem Wasser?

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In normalen Jahren wäre das Speicherbecken in Stöcken im August so gut wie leer. Durch die großen Niederschlagsmengen aber ist es immer noch zu 75 Prozent gefüllt.

Stöcken/Landkreis. Die hohen Niederschlagsmengen im Landkreis haben paradoxe Folgen. Trotz viel Feuchtigkeit auf den Äckern müssen viele Landwirte vor allem im Ostkreis die Feldberegnung einsetzen.

Der Grund: Die Speicherbecken in Stöcken und Borg sind momentan noch zu 75 Prozent gefüllt und die Pegel müssen zu Beginn der Rübenkampagne noch deutlich sinken. „Normalerweise wären die Becken im August komplett leer“, erklärt Jörg Martens, stellvertretender Geschäftsführer und Verbandsingenieur des Bewässerungsverbandes Uelzen. Dies sei notwendig, damit die bei der Zuckerproduktion anfallenden Wassermengen von 650 bis 680 Litern Wasser pro Tonne verarbeiteter Zuckerrüben dann auch in den Becken aufgenommen werden können.

„Eine so extreme Situation hatten wir noch nie, wir hatten schon im Juli den durchschnittlichen Jahresniederschlag überschritten“, sagt Martens. So sind bisher rund 650 Millimeter Niederschlag in Stöcken gemessen worden. In normalen Jahren fallen dort eigentlich nur 600 Millimeter pro Jahr. Ende 2017 erreiche man sicher 850 bis 900 Millimeter, glaubt Martens. Die Folge: Die Becken in Borg und Stöcken, die insgesamt 1,2 Millionen Kubikmeter Wasser speichern können, sind noch immer stark gefüllt. Und dort, wo normalerweise Kraniche im flachen Wasser rasten, ist immer noch ein tiefer See.

Einzige Möglichkeit, den Pegelstand zu senken, ist laut Martens das Ausbringen des Wassers auf die 3400 Hektar Verbandsflächen der Landwirte. „Uns helfen dabei vor allem mehrere warme Tage hintereinander“, so der Verbandsingenieur. Denn dann können auch noch Zuckerrüben- und Stärkekartoffelfelder beregnet werden. Diese bräuchten für ihre Entwicklung relativ viel Wasser. Ansonsten wird beregnet, wo es eben geht. So seien die Landwirte auch dazu übergegangen, ihre Maisfelder und ihre Stoppelfelder zu beregnen, um das Wasser sinnvoll einzusetzen.

Dass es im Zuge des Klimawandels immer wieder volle Speicherbecken geben wird, glaubt Mertens hingegen nicht. „Die Modelle sehen für die Zukunft sehr trockene Sommer und mehr Niederschläge im Winter voraus“, erklärt er. Daher sei eher mit sommerlichen Dürreperioden zu rechnen. Richtig bemerkbar mache sich der Klimawandel dann ab 2040, glaubt er.

Von Lars Lohmann

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