Wassermühle auf dem Trockenen

Erika Thormann vor dem Mühlenrad der alten Wassermühle. Wenn der Landkreis den Bornbach renaturiert, dann bekommt die Mühle nicht mehr genügend Wasser. Dagegen hat Erika Thormann vor dem Verwaltungsgericht geklagt.

Neumühle/Lüneburg - Von Jörn Nolting. Das klappernde Mühlenrad am Bornbach in Neumühle könnte bald der Vergangenheit angehören. Renaturierung oder Eingriff in das Landschaftsbild – der Bornbach bei Neumühle in Stadensen soll seitens des Landkreises Uelzen renaturiert werden. Dieser Maßnahme – vergleichbar mit der Renaturierung in Verhorn bei Linden – würde den Charakter der alten Wassermühle erheblich verändern, denn das Mühlenrad bekäme einfach zu wenig Wasser, um sich zu drehen. Kein rauschender Bach mehr also.

Um eine wasserrechtliche Plangenehmigung und eine Neuerteilung einer wasserrechtlichen Genehmigung standen gestern nun Vertreter des Landkreises Uelzen und die Besitzerin der Wassermühle, Erika Thormann, vor dem Verwaltungsgericht in Lüneburg.

„Ich bin Jägerin und bin auch für den Naturschutz“, sagte die Klägerin vor der Gerichtsverhandlung. Ihr reicht ja auch „ein bisschen Wasser“. Ein wenig mehr Wasser wäre ihr allerdings noch lieber, stellt sie mit Hilfe des alten Mühlenrades doch Strom ins Netz. Der Umbau, die Verlegung des Kabels und die Elektronik haben sie damals insgesamt rund 100 000 Deutsche Mark gekostet. Doch selbst darauf beharrt Erika Thormann nicht mehr.

Der Zulauf zur alten Wassermühle wurde vor 180 Jahren erstellt und begradigt. Der frühere Eigentümer hatte das Staurecht, das ihm 1964 entzogen wurde. Im August 1981 war die wasserrechtliche Erlaubnis abgelaufen. Erika Thormann hat das Wasser für die Mühle ohne Erlaubnis benutzt, aber das war für den Landkreis kein Problem. Zumindest so lange, bis die Plangenehmigung beim Landkreis vorliegt, denn der hat die wasserrechtliche Genehmigung.

„Der Bornbach soll an der Mühle herumgeführt werden“, erklärt Uwe Holst vom Umweltamt. Und das führt dazu, dass die Mühle nicht mehr genügend Wasser bekommt. Deshalb hat Erika Thormann Widerspruch eingelegt. „Die Nutzung wurde jahrelang geduldet“, betonte Rechtsanwältin Sibylle Schnepper. Außerdem würde das Projekt zur Ansiedlung der Flussperlenmuschel gar nicht mehr existieren, weil der Landkreis kein Geld mehr hat.

Claudia Boick vom Umweltamt des Landkreises schränkte jedoch ein, dass das Projekt lediglich nicht mehr in der ursprünglich geplanten Form existiert. Im Grund hat der Landkreis nur auf die Fördergelder gewartet, das Projekt zur Durchgängigkeit der Gewässer stand laut Uwe Holst „ganz oben auf der Liste“.

Eine alternative Lösung sieht Uwe Holst nicht: „Der technische und finanzielle Aufwand wäre zu groß, damit sich das Mühlenrad dreht.“ Allerdings, so das Entgegenkommen der Landkreis-Vertreter, darf Erika Thormann auch künftig das Wasser vor der Mühle stauen, das aus zwei Quellen oberhalb des Bornbaches fließt, und auch der Mühlengraben kann bleiben. Holst: „Es ist bloß fraglich, ob das Wasser ausreicht.“ Ob es künftig einen Überlauf aus dem bisherigen Bach geben wird, bezweifelt Claudia Boick: „Das Wasser muss weggespült und kann nicht gestaut werden, denn sonst löst sich die Sandsohle nicht.“

Die Klage wurde vom Gericht abgewiesen, allerdings mit einer Zulassung auf Berufung. Ob Erika Thormann noch einmal vor das Gericht ziehen will, dass will sie sich in Ruhe überlegen. Das Urteil jedenfalls betrübt sie sehr.

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