„Rücke-Pferd“ Bertram im Einsatz in Dalldorfer Forst

Wo wahre Pferdestärke zählt

Die Zügel fest in der Hand: Forstwirt Dietmar Wischer kontrolliert die Arbeitsabläufe mit seinem Rücke-Pferd Bertram. Foto: Huchthausen

Dalldorf. Er hat mindestens sechs Räder und einen metallisch lärmenden Vorbau, der die Bäume im Umkreis geradezu verschlingt: Ein Holz-Vollernter benötigt circa 25 Sekunden, um einen Baum zu fällen, dessen Äste zu entfernen und ihn anschließend in passende Stücke zu zersägen.

Er hat vier Hufe und eine schnaubende Schauze, die nicht viel mehr als Heu in sich hineinmampft: Bertram ist ein „Rücke-Pferd“ und macht, mit seinem Pferdeführer Dietmar Wischer im Gespann, die gleiche Arbeit wie der Vollernter – nur etwas langsamer.

Es hat schon nostalgisches Flair, wenn Bertram unermüdlich die zuvor gefällten und ent-asteten Baumstämme aus dem Wald zieht, und dies in beachtlicher Geschwindigkeit.

„Der Wald muss durchgeforstet werden“, erklärt Landwirt Jürgen Schlademann, zu dessen Grundbesitz das kleine Waldstück „Hagen“ am Ortsrand von Dalldorf gehört. „Der Baumbestand ist zu dicht, wir müssen roden, um die gerade wachsenden Bäume zu fördern.“ Warum dann aber mit einem Rücke-Pferd, wenn doch die neuen Techniken so viel schneller und effektiver arbeiten? „Mein Forststück ist zu unzugänglich“, so Jürgen Schlademann. „Die modernen Schlepper haben eine empfindliche Technik, gerade von unten sind sie anfällig.“

Die Alternative wäre eine sogenannte „Rücke-Gasse“, also das Anlegen einer Schneise, um den sensiblen Fahrzeugen den nötigen Weg zu bahnen. Das wiederum lohnt nicht, denn eine Rücke-Gasse erfordert eine Breite von zwei bis drei Metern, ineffektiv bei der Gesamtgröße des Waldstücks von lediglich 0,5 Hektar. Grund genug also, um auf bewährte, alte Techniken zurückzugreifen und auf Dietmar Wischer, der hauptberuflich als Forstwirt im Forstamt Kloetze tätig ist.

In der heutigen Zeit ist der Wald längst zum Industriebetrieb geworden, der Bedarf an Holz ist riesig und Rücke-Pferde wie Bertram sind eigentlich längst aus der Mode geraten. Umso schöner, dass sie eben manchmal doch noch gebraucht werden, wenn auch nur als Spezialisten, immer dort, wo die modernen Maschinen nicht mehr weiterkommen.

Von Oliver Huchthausen

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