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Von ÖPNV bis Arzttermin: Vier Landtagskandidaten diskutieren kontrovers in Jarlitz

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Von: Bernd Schossadowski

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Die Landtagskandidaten Christian Teppe, Jan Henner Putzier, Jörg Hillmer und Pascal Leddin.
Diskutierten mit Henrik Grafelmann (Mitte), dem Landesvorsitzenden der Niedersächsischen Landjugend (von links): die Landtagskandidaten Christian Teppe, Jan Henner Putzier, Jörg Hillmer und Pascal Leddin. © Bernd Schossadowski

Auf Einladung der Uelzener Kreislandjugend haben jetzt die Landtagskandidaten von CDU, SPD, Grünen und FDP in Jarlitz über aktuelle Themen diskutiert. Bei dem Scheunengespräch ging es unter anderem um Mobilität, Digitalisierung und ärztliche Versorgung.

Jarlitz – Sie standen auf der Bühne zwar dicht beisammen, doch ihre politischen Positionen waren mitunter weit voneinander entfernt. Beim Scheunengespräch in Jarlitz, zu dem die Kreislandjugend eingeladen hatte, diskutierten die Landtagskandidaten Jörg Hillmer (CDU), Jan Henner Putzier (SPD), Pascal Leddin (Grüne) und Christian Teppe (FDP) am Dienstagabend kontrovers. Etwa 100 Zuhörer in der Scheune von Familie Gaafke verfolgten die von Hendrik Grafelmann, Landesvorsitzender der Landjugend, moderierte Runde.

Unter anderem ging es dabei um die Mobilität der Zukunft. Leddin bezeichnete das 9-Euro-Ticket als großen Erfolg. Nach dessen Auslaufen seien neue ÖPNV-Angebote gefragt. „Es muss bezahlbar sein, damit alle Leute dort hinkommen, wohin sie wollen“, sagte er. Teppe verwies jedoch auf völlig überfüllte Züge. Das verbilligte Ticket habe gezeigt, dass der ÖPNV für die riesige Zahl an Fahrgästen nicht ausgelegt sei. Zur Frage, wie die Mobilität künftig aussehen werde, sagte Teppe: „Für uns auf dem Land gibt es keine Alternative zum Auto und in den nächsten Jahren auch keine Alternative zum Verbrennungsmotor.“

Hillmer hält indes selbstfahrende elektrische Autos, die per App gerufen werden können, für ein Verkehrsmittel der Zukunft. „Wir haben große Flächen und Dächer auf dem Land, auf denen wir Strom erzeugen können, um diese Autos zu betanken“, sagte er. Putzier plädierte dafür, „ein intelligentes und flexibles System“ für den Busverkehr zu entwickeln. Zuvor müsse aber die Tarifstruktur vereinfacht werden.

Ein weiteres Thema war der Glasfaser-Ausbau in der Region Uelzen. Dieser sei schon weit fortgeschritten, lobte Hillmer. Wichtig sei aber, auch die letzten „weißen Flecken“ zu beseitigen. „Wir brauchen für die moderne Landwirtschaft schnelle Internetverbindungen mit 100 Prozent Flächenabdeckung im Landkreis“, forderte er. Die aktuelle Situation sei jedoch unbefriedigend, meinte Teppe. Im Kreis gebe es noch viele Funklöcher, der Glasfaser-Ausbau müsse beschleunigt werden.

Scharfe Kritik am Fortschritt der Digitalisierung in Deutschland übte Leddin. „Im europäischen Vergleich sind wir auf dem vorletzten Platz, nur Albanien ist noch schlechter“, sagte er. Putzier forderte einen Glasfaseranschluss für jeden Haushalt im Landkreis Uelzen bis 2025. Auch in den Schulen müsse nachgebessert werden. „Wir wollen die digitale Lernmittelfreiheit und die Möglichkeit, dass jedes Kind ein Tablet bekommt“, betonte er.

Mehrere Zuhörer beklagten, dass viele Auszubildende keine Kostenerstattung für die Fahrt zu ihrem Betrieb erhalten. Das sei finanziell für sie kaum zu stemmen. Ein weiteres Problem: Erzieher bekommen während ihrer Ausbildungszeit keine finanzielle Vergütung. „Ich finde, das ist ein Skandal. Wir müssen zu einer neuen Wertschätzung der beruflichen Ausbildung kommen“, sagte Putzier.

Auch Hillmer forderte eine Vergütung für Erzieher: „Das ist ein Mangelberuf geworden. Wir müssen dort einen Anreiz setzen.“ Leddin bezeichnete die fehlende Ausbildungsvergütung als „riesiges Problem“, das dringend beseitigt werden müsse. Teppe rief dazu auf, nicht nur Akademiker, sondern auch Menschen in Ausbildung zu unterstützen. „Es kann nicht sein, dass Bildung in Deutschland Geld kostet“, sagte er.

Auch die ärztliche Versorgung im ländlichen Raum und das Problem, zeitnah einen Facharzttermin zu bekommen, brannten den Zuhörern auf den Nägeln. Hillmer schlug vor, Medizinern finanzielle Anreize zu geben: „Es muss attraktiver werden, sich in der Fläche als Arzt niederzulassen.“ Damit es mehr Ärzte gebe, müsse der Zugang zum Medizinstudium erleichtert werden, erklärte Leddin. Aus seiner Sicht ist das strenge Numerus-Clausus-System nicht sinnvoll.

Die Gesundheitsversorgung dürfe nicht vom Markt geregelt werden, stattdessen müsse sich die öffentliche Hand stärker engagieren, bekräftigte Putzier und sprach sich dafür aus, Gemeinschaftspraxen und Facharztzentren zu schaffen. Dagegen übte Teppe Kritik an einem staatlichen Gesundheitssystem. Als Negativbeispiel nannte er den britischen NHS. Der Grund, warum es hierzulande so schwierig sei, einen Facharzt zu konsultieren, sei, dass viele Briten den Deutschen wegen der Krise des NHS die Termine wegschnappten, sagte Teppe.

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