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Versuchter Mord in Lüder: Zwei Angeklagte stehen vor dem Landgericht

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Von: Theresa Brand

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Angeklagte beim Prozess im Landgericht Lüneburg
Beim gestrigen Prozessauftakt müssen sich die beiden Angeklagten – rechts der Verteidiger des Mannes – wegen des Vorwurfs des versuchten Mordes verantworten. Das Opfer leidet bis heute unter den Folgen.  © Brand, Theresa

Bremsschläuche durchtrennt und einem Mann in Lüder mit einem Messer quer durchs Gesicht geschnitten – so lautet die Anklage gegen einen 22-Jährigen und eine 20-Jährige, die in Lüneburg vor dem Landgericht stehen.

Lüneburg/Lüder – Zwei Angeklagte aus der Samtgemeinde Aue müssen sich derzeit vor dem Landgericht Lüneburg verantworten. Beim gestrigen Prozessauftakt, der für großes Medieninteresse im Gerichtssaal sorgt, stehen ein 22-Jähriger und eine 20-Jährige unter dem Tatverdacht des versuchten Mordes. Dabei soll die junge Frau ihren Freund im Juli 2021 überredet haben, die Bremsschläuche am Auto der Verlobten ihres Stiefvaters in Lüder zu durchtrennen. Als der 22-Jährige von diesem dabei erwischt worden sei, habe er dem Opfer mit einem großen Messer quer durch das Gesicht geschnitten – so der Vorwurf der Anklage. Der Mann leidet bis heute unter den Folgeschäden.

Das Opfer, inzwischen 43 Jahre alt, lebte zum Zeitpunkt der Tat mit seiner Verlobten in Lüder. Seit 2019 herrscht zwischen ihm und seiner Ex-Frau ein erbitterter Sorgerechtsstreit um die drei gemeinsamen Kinder, die er seit über einem Jahr nicht mehr gesehen hat, wie der 43-Jährige vor Gericht erzählt. Kontakt habe er weder zu seiner Expartnerin noch zu den beiden Kindern der Frau, deren Stiefvater er ist.

Eine Gestalt macht sich am Auto zu schaffen

Am 9. Juli 2021 sei er gegen 22 Uhr vor die Haustür gegangen, um eine Zigarette zu rauchen, sagt der 43-Jährige zum Prozessbeginn aus. Dabei habe er eine Gestalt bemerkt, die sich im gegenüberliegenden Carport am Auto seiner Verlobten zu schaffen machte. Er sei direkt losgelaufen, „nur auf Socken hinterher“, als die unbekannte Person versucht habe zu flüchten. „Ich habe dich gesehen“, habe er dieser hinterhergerufen. Gerade so habe der 43-Jährige einen jungen Mann an der Kapuze noch erwischt, als dieser sich plötzlich umgedreht habe.

„Der hat mir das Messer durchgezogen durchs Gesicht“, sagt das Opfer. Die Folgen des Angriffs sind gravierend: Rund zehn Zentimeter klafft die Wunde vom linken Nasenflügel bis zum linken Ohrläppchen des Mannes – so tief, dass das Jochbein und die Ohrspeicheldrüse verletzt werden. Ein Nerv wird vollständig durchtrennt, wie sich später im Krankenhaus herausstellt.

Ein furchterregender Anblick

Nach der Messerattacke sei der Täter mit einer weiteren Person weggerannt. Das Opfer lief nach eigenen Worten zurück zu seinem Haus und rief nach seiner Verlobten. Diese gibt gestern im Zeugenstand an: „Ich habe nur gehört: ,Schatz! Schatz!‘, aber das klang anders als sonst.“ Sie sei nach draußen gelaufen und habe ihren Verlobten gesehen. Der Anblick sei furchterregend gewesen. „Die linke Gesichtshälfte war weggeklappt“, erzählt die Frau. Sie habe sofort Polizei und Rettungswagen gerufen.

Am nächsten Tag hätte der 43-Jährige eigentlich zum ersten Mal seit über einem Jahr seine leiblichen Kinder sehen dürfen. Das Opfer vermutet, dass das geplante Treffen der Anlass für seine Stieftochter gewesen sei, ihren Freund zu der Tat zu überreden. Die Angeklagte „stand immer zu ihrer Mutter“, sagt der 43-Jährige vor Gericht. Weshalb aber am Auto seiner Verlobten die Bremsschläuche durchgeschnitten wurden, kann er sich nicht erklären.

Die beiden Angeklagten äußern sich gestern nicht zu den Vorwürfen. Der 22-Jährige lässt durch seinen Anwalt verlauten, dass er zwar den Pkw beschädigt habe. Auf der Flucht sei er festgehalten worden und habe sich losgerissen. Von der schweren Verletzung des Opfers habe er jedoch nichts bemerkt. Trotzdem entschuldigt er sich gestern bei diesem. Die 20-Jährige lasst lediglich erklären, dass sie nicht gewollt habe, dass ihr Stiefvater verletzt werde. Das sei nicht vorhersehbar gewesen. Der Prozess wird am 24. November fortgesetzt. Weitere Termine sind für Dezember geplant.

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