Trauer ohne Kreuz

+
Das Kreuz musste bereits verschwinden. Doch mit einer Unterschriftenliste wollen die Freunde des vor einem Jahr verunglückten 19-Jährigen dafür sorgen, dass es wieder aufgestellt werden darf.

Rosche - Von Jörn Nolting Noch hängt ein Foto von Konstantin an einer der drei Birken und auch Rosen erinnern an das, was vor knapp über einem Jahr auf der Uelzener Straße in Rosche geschehen ist. Der damals 19-Jährige ist auf der winterglatten Fahrbahn mit seinem Wagen gegen einen Baum geprallt und noch an der Unfallstelle verstorben.

Doch nun sorgt ein Streit um die Gedenkstelle an der Straße für Ärger im beschaulichen Rosche. Die Freunde von Konstantin wollen nicht, dass Kreuz und Rosen verschwinden müssen. Deshalb sammeln sie Unterschriften im Ort. Schon gestern Mittag hatten sie über 100 zusammen.

Rosches Gemeindedirektor Rolf Musik spricht von einer „Eskalation“ der Lage. „Gegen ein simples Holzkreuz ist nichts einzuwänden, doch um das Kreuz herum gleicht der Ort einer richtigen Grabstelle“, schildert Musik. Und das auch noch nach einem Jahr. Seiner Meinung nach, geht es nicht mehr um den Jungen, sondern darum, wer mehr Stimmung im Ort macht. Dabei haben die Vertreter der Verwaltung mit dem Pastor und dem Vater gesprochen. Das Grab des Jungen befindet sich auf dem Friedhof in Polau. Das Kreuz an der Uelzener Straße steht auf Grund der Gemeinde, deshalb ist sie dafür zuständig. „Wenn es niemanden stört, dann kann das Kreuz dort stehenbleiben“, sagt der Gemeindedirektor. Doch einige Anwohner fühlen sich durch die aufwändige Grabstelle zu sehr an die Nacht des Unfalls erinnert. Sie sind laut Rolf Musik traumatisiert. „Ich halte die Unterschriftenaktion jetzt für pietätlos“, so die Meinung des Gemeindedirektors. Gleichzeitig fühlt sich die Gemeinde in der ganzen Diskussion nicht wohl. „Es ist gut, wenn getrauert wird, aber dann an den dazu bestimmten Orten“, sagt Musik. Das Thema wurde auch in einer interfraktionellen Sitzung behandelt, mit dem Ergebnis, dass das Kreuz und alle anderen Dinge dort abgeholt werden müssen. Doch nun ist die Situation laut Musik „hochgekocht“. Das Kreuz wurde bereits ausgerissen und auf den benachbarten Friedhof geworfen. Wie Verwaltung und Politik nun auf die Unterschriftenliste reagieren werden, bleibt abzuwarten. Vermutlich wird das Thema während der nächsten Sitzung des Gemeinderates erneut behandelt. Unterschriften haben die Freunde von Konstantin bisher jede Menge gesammelt. Und sie wollen auch in Zukunft weiterhin am Unfallort trauern können.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare