Der Suhlendorfer Paul Borkmann war 32 Jahre Tatort-Fotograf der Berliner Kriminalpolizei

Tausende Verbrecher vor der Linse

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Stolz zeigt Paul Borkmann sein Bundesverdienstkreuz am Bande und die Urkunde, die er 1987 für seine langjährige Arbeit als Tatort-Fotograf bei der Berliner Kripo bekommen hat.

Suhlendorf. Was wäre passiert, wenn Paul Borkmann ein paar Sekunden länger hinter seiner Kamera gestanden hätte? Das mag sich der 93-Jährige Suhlendorfer lieber nicht ausmalen. Fakt ist, dass der beherzte Ruf eines Feuerwehrmannes ihm vermutlich das Leben gerettet hat.

Borkmann arbeitete damals als Tatort-Fotograf bei der Berliner Kriminalpolizei und stand im Nebenraum der völlig zerstörten Küche eines Wohnhauses in Wilmersdorf. Ein Selbstmörder hatte zuvor den Gasofen angedreht, es war zur Explosion gekommen. Borkmann fotografierte gerade die Trümmer, als es geschah. „Auf einmal fing es an zu knirschen“, schildert er. „Dann kam ein Feuerwehrmann und brüllte: ,Raus!‘“ Sofort rannte Borkmann mit seiner Kamera auf den Flur – und rettete sich damit in allerletzter Sekunde. Denn plötzlich brach die Betondecke über dem Nebenraum zusammen. „Ich hatte genau an der Stelle gestanden, wo sie runterkam“, erzählt Borkmann der AZ.

Es sind Erlebnisse wie diese, an die sich der rüstige Senior, der seit 1985 in Suhlendorf lebt, noch gut erinnert. Von 1948 bis 1980 arbeitete der gebürtige Berliner bei der Hauptstadt-Kripo. Seine Aufgabe: Fotos von Tatorten schießen. Von Morden über Einbrüche bis zu Bränden war alles dabei. Aber auch Tausende Bilder von Festgenommenen für die Verbrecherkartei und von der Obduktion von Leichen fertigte Borkmann an. Er brachte die Fotografie als Beweismittel in der Spurensicherung auf einen hohen Stand und wurde dafür 1987 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.

Stolz präsentiert er das Abzeichen und die dazugehörige Urkunde. Dabei ist der Wahl-Suhlendorfer eigentlich ein bescheidener Mensch. Als glamourös mag er seinen Alltag an den Schauplätzen teils blutiger Verbrechen nicht bezeichnen. „Für mich war das Arbeit. Blende, Entfernung und Schärfe mussten stimmen, das andere war mir erst mal egal.“ Abstand zu gewinnen, sei für ihn sehr wichtig gewesen, um die Eindrücke vom Tatort verarbeiten zu können. Alpträume habe er nie gehabt. „Schlimm war es nur, wenn die Opfer Kinder waren“, sagt er. Zum Beispiel der Fall, bei dem ein Vater seine vier Kinder mit einer Drahtschlinge erdrosselte, weil die Ehe zerrüttet war. „Das ging mir sehr nahe“, sagt er.

Lieber spricht er von anderen Erlebnissen. Einmal hatte ein Junge versucht, seine Mutter mit einem Beil zu erschlagen. Weil der Täter noch keine 14 Jahre alt und damit strafunmündig war, wurde er in ein Heim für Schwererziehbare eingewiesen. Aus diesem büxte er aber wenig später aus und trieb sich in Reinickendorf herum. Sein Pech war, dass Borkmann ihn dort auf der Straße wiedererkannte, weil er einige Tage zuvor Aufnahmen von dem Jungen gemacht hatte. „Ich habe ihn am Schlafittchen gepackt und zum nächsten Polizeirevier gebracht“, erzählt Borkmann und muss lachen.

Von Bernd Schossadowski

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