Neue Wege bei der Hausarzt-Suche

Suhlendorfer Praxis errichtet Anbau für zusätzlichen Allgemeinmediziner

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Elena Werwein und Dr. Julius Franke sind stolz auf den Anbau, der derzeit an der Suhlendorfer Praxis entsteht. Darin soll ein zusätzlicher Arzt praktizieren, der sich nach dem Ende seiner Weiterbildung im Landkreis Uelzen niederlässt.

Suhlendorf – Noch sind die Handwerker in der Hausarztpraxis von Dr. Julius Franke und Elena Werwein in Suhlendorf fleißig am Werkeln. Die Wände im neuen Anbau werden verputzt, dieser ist derzeit eine Baustelle.

Doch das wird sich bald ändern, denn am Mittwoch, 26. Juni, ab 17 Uhr wird der Anbau der Praxis am Neumarkt offiziell eingeweiht. Damit sind die baulichen Voraussetzungen geschaffen, um dort einen weiteren Allgemeinmediziner beschäftigen und die ärztliche Versorgung in der Region Uelzen langfristig sichern zu können.

Das Ganze ist ein Pilotprojekt: eine Hausarztpraxis in Verbund-Weiterbildung mit dem Helios-Klinikum Uelzen. Viele Hausärzte in der Region haben ihre Praxis schließen müssen, weil sie keine Nachfolger gefunden haben. „Wir müssen schauen, dass wir Nachwuchs bekommen“, sagt Dr. Julius Franke. Er praktizierte seit 2014 in Ausbildung in der Suhlendorfer Praxis und ist dort seit April 2017 niedergelassener Facharzt für Allgemeinmedizin.

Sein Ziel ist, in Kooperation mit dem Helios-Klinikum Ärzte zu finden, die ihre Weiterbildung in Suhlendorf beenden wollen. Interessierte Mediziner, die derzeit im Uelzener Klinikum beschäftigt sind, können in der Praxis von Franke und Werwein vorbeischauen und ein bis zwei Wochen zur Probe arbeiten. Sollten beide Seiten damit zufrieden sein, könnten die neuen Ärzte dann in der Praxis angestellt werden.

„Unser Wunsch ist, dass sie sich nach Abschluss ihrer Weiterbildung im Landkreis Uelzen niederlassen“, erklärt Franke. Das sei eine Investition in die Zukunft, um dem Ärztemangel im ländlichen Raum entgegenzuwirken. Wichtig sei, den Bewerbern die Attraktivität der Region vor Augen zu führen. „Wir wollen ihnen zeigen, dass es sich lohnt, hier zu arbeiten“, sagt der 36-Jährige.

Doch es gibt eine rechtliche Hürde: In der Suhlendorfer Weiterbildungspraxis wird ein eigener Arbeitsraum für den neuen Mediziner benötigt. In den bestehenden Räumen ist das nicht möglich. Daher haben Elena Werwein, Dr. Julius Franke und dessen Vater Dr. Nils Franke, dem Gebäude und Grundstück gehören, beschlossen, die Praxis um einen Anbau zu erweitern. Dieser wurde in Holzrahmenbauweise errichtet. Darin befinden sich zwei Arztzimmer und eine Toilette. Baubeginn war Ende Februar, bis zum 26. Juni soll alles fertig sein. „In kurzer Zeit haben wir es geschafft. Dies konnte nur durch das Engagement und die Zuverlässigkeit örtlicher Handwerker geschehen“, freut sich Dr. Julius Franke.

Mit dem Projekt geht die Praxis in Vorleistung, denn einen konkreten Interessenten für die Weiterbildung in Suhlendorf gibt es noch nicht. Doch Franke ist zuversichtlich, dass sich jemand melden wird.

Für den etwa 114 .000 Euro teuren Anbau flossen umfangreiche Fördermittel. 60 Prozent der Gesamtkosten – rund 68.000 Euro – wurden aus dem Leader-Programm der EU finanziert, den Rest steuerte die Praxis bei.

VON BERND SCHOSSADOWSKI

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