Tückischer Blutsauger am Pferdebein

Suhlendorf: Karin Schulze entdeckt tropische Hyalomma-Zecke in ihrem Stall

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Die Hyalomma-Zecke (rechts) ist deutlich größer als der in Deutschland verbreitete Gemeine Holzbock. Ein Exemplar der Riesen-Zecke hat Karin Schulze jetzt in Suhlendorf entdeckt.

Suhlendorf – Als die Suhlendorferin Karin Schulze vor ein paar Wochen ihr Reitpferd „Henry Jota Germano“ im Stall putzte, wurde sie plötzlich stutzig. An der Innenseite eines Pferdebeins saß eine mehrere Zentimeter große Zecke und sog Blut.

Sie hatte schon mehrmals zugestochen, denn daneben waren zwei große Punkte zu erkennen. Rasch zog Karin Schulze den Blutsauger aus dem Fell ihres Pferdes.

Dass es sich um die aus den Tropen stammende Hyalomma-Zecke handelt, war ihr und ihrer Tochter Emely da schon bewusst. „Man hat das deutlich an den gestreiften Beinen erkannt. Und diese Zecke war deutlich größer als die einheimischen“, erzählt Emely Schulze im AZ-Gespräch. Ihre Mutter steckte die Zecke in ein Glas und schickte dieses an die Universität Hohenheim. Das Ergebnis der Untersuchung: Es handelt sich tatsächlich um eine Hyalomma-Zecke.

So sehen die Zeckenbisse am Pferd von Karin Schulze aus.

„Henry Jota Germano“ muss sich den Zeckenbiss ein paar Tag vorher bei einem Reitturnier in Alvern (Heidekreis) zugezogen haben, glaubt Emely Schulze. Dort waren die fünf Pferde der Familie am Start gewesen. Gesundheitliche Folgen gibt es bei dem betroffenen Pferd bislang nicht. Der Tierarzt habe empfohlen, es ein paar Wochen zu beobachten. „Aber man macht sich schon Sorgen“, sagt Emely Schulze. „Wir haben gleich unsere anderen Pferde untersucht, ob sie auch befallen sind.“ Zum Glück wies keines der Tiere Zeckenbisse auf. „Doch in Zukunft werden wir genauer hinschauen.“

Für Ute Mackenstedt, Professorin an der Universität Hohenheim, ist dieser Fund der erste Hinweis darauf, dass die Hyalomma-Zecke in Deutschland überwintert hat. „Ob sie es aber schaffen wird, hier Populationen zu entwickeln, können wir noch nicht sagen“, erklärt die Forscherin. 2018 seien hierzulande erstmals Hyalomma-Zecken nachgewiesen worden. Diese waren vermutlich von Zugvögeln eingeschleppt worden. Jetzt gibt es außer in Suhlendorf noch fünf weitere Funde dieser Art am Niederrhein.

Ute Mackenstedt glaubt, dass das warme Wetter der vergangenen Wochen dazu geführt hat, dass die tropische Zecke aktiv geworden ist. Auch in Rumänen, der Türkei und auf dem Balkan gibt es diese Zeckenart. Sie kann auch Menschen stechen und sie zum Beispiel mit dem lebensbedrohlichen Hämorrhagischen Fieber infizieren. Doch keine der sechs jetzt entdeckten Zecken habe einen solchen Erreger in sich getragen, gibt Ute Mackenstedt Entwarnung. Ohnehin sei der in Deutschland verbreitete Gemeine Holzbock viel gefährlicher, weil er FSME und Borreliose übertragen könne.

Eine Ausbreitung des Hämorrhagischen Fiebers in der hiesigen Region sei derzeit sehr unwahrscheinlich, meint auch Dr. Gerhard Wermes, Leiter des gemeinsamen Gesundheitsamtes der Landkreise Uelzen und Lüchow-Dannenberg. „Aber man muss das schon aufmerksam verfolgen. Es besteht die Möglichkeit, dass wir von der Hyalomma-Zecke im Kreis Uelzen künftig häufiger Funde haben werden“, sagt er – ganz einfach, weil sich diese Zeckenart Säugetieren aktiv nähert.

Daher rät Wermes, in der freien Natur Insektenschutzmittel zu verwenden sowie lange Hosen und geschlossene Schuhe zu tragen. Wer eine ungewöhnlich große Zecke an sich entdeckt, sollte sie zügig entfernen. „Man kann sie auch in eine Plastikdose stecken und uns ins Gesundheitsamt bringen“, bietet Wermes an. „Dann wird sie hier untersucht.“

VON BERND SCHOSSADOWSKI

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