Landkreis Uelzen erweitert für 1,1 Millionen Euro Vergärungsanlage in Borg

Strom aus der Bananenschale

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„Das ist schon genial“, meint Ulrich Werner (rechts). Über einen Bildschirm kann er die Prozesse in der Fermentationsanlage verfolgen. In Borg wird aus Biomüll Gas gewonnen und damit Strom erzeugt. Das sind Einnahmen für den Kreis, sagt Andreas König.

Borg/Landkreis. Strom aus der Bananenschale. Geht das? Ja! In Borg verwandeln sich täglich Tonnen von Biomüll in nutzbare Energie.

Das Gas landet über Rohre in runden Speichern.

Es ist ein ausgeklügeltes System, bei dem in einer Fermentationsanlage auf dem Gelände des Entsorgungszentrums in Borg durch Gärprozesse erst Gas, später Strom gewonnen wird. Der Landkreis Uelzen investierte 3,5 Millionen Euro in einen ersten Bauabschnitt und nun noch einmal 1,1 Millionen Euro in eine Erweiterung. Drei zusätzliche Fermenter-Boxen sind seit Kurzem in Betrieb.

In einem Blockheizkraftwerk wird das Gas verbrannt. Ein Motor dient als Stromerzeuger, schildert Ulrich Werner.

„Das ist schon genial“, sagt Ulrich Werner. Er ist für die Fermentationsanlage zuständig und kann die Prozesse der Anlage über einen Bildschirm verfolgen. Die dort abzulesenden Zahlen sagen dem Außenstehenden wenig, ihm sehr viel. Er kann aus den Datenkolonnen ablesen, wie viel Gas gerade in den einzelnen Fermentern entsteht und welche Qualität es hat. Ein entscheidender Punkt, wie Ulrich Werner schildert. Denn nur, wenn das gewonnene Gas verbrannt werden kann, kann es auch in einem Blockheizkraftwerk zur Stromgewinnung genutzt werden.

Am Ende bleibt eine Masse, die zu Kompost wird.

Aber von vorne: Küchenabfälle, Strauchschnitt, Gartenreste – alles was in der Biotonne landet, ist der Stoff, aus dem Energie gewonnen werden kann. „50 bis 60 Tonnen an Material erreichen täglich das Entsorgungszentrum“, schildert Werner. Der Abfall wird zunächst in einer Halle zwischengelagert. Große, gelbe Radlader schaffen den Müll dann in die Fermenter – überdimensionierte Garagen, in denen das Material im Durchschnitt 28 Tage liegt. Abhängig ist die Verweildauer vom Gasertrag sowie von der Masse an Müll, der nach Borg gebracht wird. „Im Sommer fällt mehr Biomüll durch die Gartenarbeit an. Bei diesen Mengen gab es vor der Erweiterung teils kürzere Lagerzeiten“, so Werner. Der Gärprozess wird durch die Zugabe von sogenanntem Prozesswasser mit Bakterienkulturen angeregt, das Gas wird schließlich in den Fermentern abgefangen.

Hinter den „Garagen“: Silberne Rohre nehmen verschlungene Wege. Sie führen quer über das Gelände, teils durch das Erdreich – durch sie „läuft“ das Gas zu zwei meterhohen kreisrunden Behältern als Gasspeicher. Direkt daneben befinden sich die beiden Blockheizkraftwerke, in denen das Gas verbrannt. Als Stromerzeuger dient ein Motor. 1,84 Millionen Kilowattstunden wurden im vergangenen Jahr ohne die Gasmengen aus den zusätzlichen Fermentern in Borg erzeugt und dabei nicht nur für den Betrieb der Anlage genutzt, sondern auch in das Stromnetz eingespeist – zum Vergleich: Ein durchschnittlicher Familienhaushalt verbraucht im Jahr rund 4500 Kilowattstunden.

„Was wir hier machen, ist on top“, sagt Andreas König, Kundenberater beim Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises. Müll müsse nicht nur entsorgt werden, er sei auch Energieträger. So könnten neue Einnahmen generiert werden. Sie würden zwar nicht die Kosten der Müllentsorgung decken, aber sie teilweise auffangen.

Was an Masse aus den Fermentern kommt, wird noch einmal gelagert und landet nach der Verrottung als Kompost anschließend wieder auf den Feldern. Es wächst dort, was später wieder teils zu Biomüll wird.

Von Norman Reuter

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