„Sein Ziel war die Vernichtung“

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30 Kilometer fuhr Stefan P. mit dem Fahrrad zum Haus seiner Ex-Freundin, er fiel über sie her und zerstörte dann das Haus – vier Stunden wütete der 45-Jährige.

Batensen/Lüneburg - Von Thomas Mitzlaff. „Sie sind krank und diese Krankheit durchzieht ihr Leben und belastet sie in allen Lebensbereichen.“ Der Vorsitzende Richter der 4. Großen Strafkammer am Landgericht Lüneburg, Franz Kompisch, zeichnet ein drastisches Bild von der psychischen Verfassung des Angeklagten Stefan P. Immer wieder habe es „niederschwellige Impulsausbrüche“, gegeben, etwa als P. vor Jahren einen Hund mit einem Bolzenschussgerät tötete. Für das Gericht steht fest: Weitere Ausbrüche drohen, der 45-Jährige muss für unbestimmte Zeit in die Psychiatrie. Regelmäßig muss er sich dort Begutachtungen unterziehen und es ungewiss, wann er jemals wieder in Freiheit kommen wird.

Denn der psychiatrische Gutachter Dr. Frank Walter hatte im Prozess um die Haus-Verwüstung von Batensen, sowie die Attacken von P. auf seine Ex-Lebensgefährtin und Polizeibeamte von einer „emotional instabilen Persönlichkeitsstörung vom impulsiven Typ“ gesprochen. Für diese nicht heilbar, höchstens einzudämmende Krankheit habe es seit der Kindheit immer wieder Anzeichen gegeben. Richter Kompisch nannte in der Urteilsbegründung weitere Beispiele: So die „Küchenschlacht“ vom Oktober 2009, als Stefan P. im Haus der Lebensgefährtin gekocht, die Küche stark verdreckt verlassen hatte und betrunken wirkte. „Gegenstände flogen durch die Luft, die Freundin erklärte, er habe sie gewürgt“, fasste der Richter zusammen. Dieser Vorfall sei ein weiterer Schritt in Richtung Trennung gewesen, die Lebensgefährtin erwirkte mit einer Gewaltschutzanordnung, dass P. sich ihr nicht nähern durfte.

Dann der Vorfall am 28. Juni 2010. Kompisch: ,,Auf der 30 Kilometer langen Strecke am Tattag mit dem Rad zum Haus braute der sich später entladene Affektsturm zusammen.“ Alles sei in ihm wieder hochgekocht: ,,Als er ankam, ging es ihm nur noch um eines: Sein einziges Ziel war die Vernichtung. Er ging ungezügelt auf die Frau los mit dem klaren Ziel, sie zu töten – weil sie aus seiner Sicht all seine Pläne zerstört hatte.“ Das wäre ihm auch gelungen, wäre nicht eine Nachbarin dazwischengegangen. Als seiner Ex die Flucht gelang, setzte der zweite Tatkomplex ein – die Vernichtung des Hauses. Dafür gab’s zwei Jahre Haft.

Stefan P. habe wegen seiner Krankheit weder im Berufsleben noch in Beziehungen je Konstanz gehabt.

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