„Schwere seelische Abartigkeit“

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Drei Stunden lang wütete Stefan P. auf dem Dach, er bewarf Polizisten mit Holzlatten und Dachpfannen.

Batensen/Lüneburg. Als Stefan P. über seine Freundin herfiel, sie in ihrem Haus zu Boden warf und fast bis zur Bewusstlosigkeit würgte, war er schuldunfähig – zu diesem Ergebnis kommt die Staatsanwaltschaft. Sie forderte im Prozess vor dem Landgericht Lüneburg gestern eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und sieben Monaten sowie die Unterbringung in die geschlossene Psychiatrie auf unbestimmte Zeit. Denn zum einen sei Wiederholungsgefahr zu befürchten. Und zum anderen war der 45-jährige nach Einschätzung der Anklage zumindest vermindert schuldfähig, als er drei Stunden lang auf dem Dach des Hauses wütete und Polizisten mit Dachpfannen und Latten bewarf.

Der Staatsanwalt hält den Tatbestand der gefährlichen Körperverletzung und Zerstörung eines Bauwerkes deshalb für erfüllt. Verteidiger Helmut Springer beantragte ein Jahr Haft auf Bewährung und eine Therapie. Zuvor hatte der psychiatrische Gutachter dem Angeklagten eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung und eine schwere seelische Abartigkeit bescheinigt. Diese Erkrankung, verbunden mit einem erheblichen Alkoholkonsum, habe zu der Enthemmung am Tattag geführt.

Der 45-Jährige hatte nach dem Angriff auf seine Ex-Freundin vier Stunden lang gewütet, die Wohnungseinrichtung und das Dach dabei zerstört. Der Sachschaden wird auf rund 30 000 Euro beziffert. Das Opfer hat den Schaden bis heute nicht von der Versicherung erstattet bekommen.

Der Gutachter sieht eine Wiederholungsgefahr. „Unter ähnlichen Bedingungen in einer Beziehung“ könne P. erneut in dieser Form durchdrehen. Die vierte Große Strafkammer will ihr Urteil am Mittwoch verkünden.

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