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Schlammige Jagd auf den Mythos „Karpfen Kuno“ in Rätzlingen

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Die Feuerwehrkameraden in Rätzlingen haben am Sonnabend einmal mehr den See in der Ortsmitte abgefischt. Angesichts des ungewöhnlich niedrigen Wasserstandes begaben sie sich auf schlammige Jagd nach Karpfen Kuno.
Die Feuerwehrkameraden in Rätzlingen haben am Sonnabend einmal mehr den See in der Ortsmitte abgefischt. Angesichts des ungewöhnlich niedrigen Wasserstandes begaben sie sich auf schlammige Jagd nach Karpfen Kuno. © Ulrich Bleuel

Die Feuerwehrkameraden in Rätzlingen haben einmal mehr den See in der Ortsmitte abgefischt. Angesichts des niedrigen Wasserstandes begaben sie sich auf schlammige Jagd nach Karpfen Kuno. Der Mythos lebt allerdings weiter, denn wieder landete der Fisch nicht im Schleppnetz.

VON ULRICH BLEUEL

Rätzlingen – Über drei Jahrzehnte schon jagt man in Rätzlingen einem Phänomen hinterher, ist man auf der Jagd nach einem legendären Karpfen, der im Laufe der Zeit eine stattliche Größe erreicht haben soll und fast schon liebevoll „Kuno“ genannt wird. Sogar ein Denkmal hat man dem Flossentier gesetzt.

Einmal im Jahr kommt das eher stille Gewässer in der Ortsmitte so richtig in Bewegung. Wenn die Ortsfeuerwehr ihr Fischfest feiert, gehen beherzte Kameraden ins Wasser, um der Bevölkerung fangfrischen Fisch anbieten zu können. Und nach Möglichkeit auch Kuno, den Karpfen. „Wenn wir den erwischen, werden wir ihn wohl gleich wieder in den See setzen“, ist Ortsbrandmeister Egbert Rabenstein überzeugt. Man will ja weitere Feste feiern...

Gute Wasserqualität und gesunde Fische

Nach der langen Trockenzeit ist der Wasserstand ungewohnt niedrig. „Die milde Witterung hat aber auch dazu geführt, dass die Fische noch nicht winterträge und damit noch recht fit sind“, bemerkt Rabenstein, um gleich hinzuzufügen: „Habe ich mir sagen lassen.“ Sicher belegt hingegen sind die gute Wasserqualität des Sees und gesunde Fische.

Knapp zwei Stunden haben die Feuerwehrleute zu tun, um das Schleppnetz durch den See zu ziehen. Aufmunternde Bemerkungen gibt es vom Ufer. Im Wasser selbst folgt man eher den taktischen Anweisungen von Bennet Korbmacher, der alles im Griff hat: „Verteilt euch mehr am Netz und hebt es leicht an“. Immer schwerer wurde das Netz durch Schlamm- und Laubfang. Am Ende können sich aber alle über einen erfolgreichen Fischzug freuen. Karpfen und Schleie sind reichlich ins Netz gegangen – darauf gibt es natürlich einen Fischerschluck und ein befreiendes „Petri Heil“.

Was nicht verkauft wird, kommt zurück ins Wasser

„Manche Karpfen haben schon ihre drei Kilo“, schätzt Adolf Stein, der die gefangenen Fische in bereitstehenden Wasserbassins sortiert und auf Bestellung fachmännisch zerlegt. Ob denn der besagte Kuno unter den Karpfen sei, wird Stein gefragt. „Eher nicht, der hat schon mehr an Gewicht drauf“. Der Mythos lebt also auch nach diesem Wochenende weiter. Fische, die nicht zum Verkauf kommen, werden nach der Veranstaltung wieder zu Wasser gelassen.

Gleich neben dem See steht seit einem Vierteljahrhundert das Feuerwehrgerätehaus. Das 25-jährige Jubiläum wird gleich mitgefeiert und bietet Gelegenheit, Erinnerungen aufleben zu lassen. Gesprächsstoff bieten eine Fotoausstellung und Filmvorführungen zum Bau des Gerätehauses bis zur Einweihung. Der damalige Ortsbrandmeister Burghard Tiedemann hatte alles mit seiner ersten Videokamera festhalten – ein sehenswertes Zeitdokument dörflicher Gemeinschaft.

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