Sorge um fairen Wettbewerb

Rübenbauern fordern gleiche Bedingungen in der ganzen EU

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Mit einem Schild am Ackerrand wollen Wolf-Alexander Hohls und Juliane Schürmann auf die Bedeutung der Zuckerrübe für die Region aufmerksam machen. 

Schwemlitz – „Bei den Rüben sieht es gut aus, aber nicht sehr gut“, sagt der Schwemlitzer Landwirt Wolf-Alexander Hohls. Vom Ertrag sollte daher alles in Ordnung sein mit der Ernte.

Was Hohls und anderen Rübenanbauern in der Region aber Sorgen bereitet, sind die Zuckerpreise und die aus ihrer Sicht unfairen Wettbewerbsbedingungen in der Europäischen Union.

„Wenn wir einen gemeinsamen europäischen Markt haben, sollten auch alle nach den gleichen Regeln spielen“, sagt Hohls. Ansonsten gebe es keinen richtigen Wettbewerb und der Markt werde nie richtig funktionieren.

Ein Beispiel führt Juliane Schorling vom Rübenanbauer und Aktionärsverband Nord an. „In elf EU-Ländern bekommen Rübenanbauer gekoppelte Prämien, damit lohnt es sich auch dort Rüben anzubauen, wo es eigentlich unwirtschaftlich ist“, erklärt sie. Diese Prämien gibt es für Rübenanbauer in Deutschland nicht. Eigentlich seien sie dafür gedacht, besonders wertvolle Arten der Landwirtschaft wie die Almwirtschaft zu erhalten. „Hier wird das Instrument bewusst zweckentfremdet“, sagt Juliane Schorling. Und darunter leide gerade die sehr wettbewerbsfähige norddeutsche Rübenproduktion mit guten Böden, Standorten und Know-How. „Die Realität ist aber, dass es keinen fairen Wettbewerb in der EU gibt“, sagt Juliane Schorling.

Er könne zwar nachvollziehen, warum die gekoppelten Prämien gezahlt werden, aber damit werde ein fairer dringend benötigter Wettbewerb unter den Landwirten unterbunden, sagt Hohls. „Am Ende leiden dann alle unter den niedrigen Preisen, weil zu viele Rüben auf dem Markt sind.“ Verschärfend komme noch das Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten hinzu, sagt Juliane Schorling. Diese können zollfrei 190 000 Tonnen Zucker und 650 000 Tonnen Ethanol in die EU importieren

Einen weiteren Nachteil sieht Hohls darin, dass der Einsatz von Neonicotoiden zwar inzwischen EU-weit verboten sei, aber in elf Ländern weiterhin im Rübenanbau eingesetzt wird. „Das Verbot mag Sinn oder Unsinn sein, aber es sollte dann auch in der gesamten EU gelten“, fordert Hohlst. Wenn er jetzt wegen eines Befalls von schwarzen Blattläusen spritzen müsse, sei dies teurer und schädlicher für die Umwelt. „Die Biene, die auf dem Beikraut sitzt, stirbt, vorher war der Pflanzenschutz nur in der Rübe. Da geht die Biene nicht ran“, sagt Hohls, der auf 30 von 170 Hektar Acker Rüben in seinem Betrieb anbaut. Ein Teil der Rüben geht an zwei Biogasanlagen, um das Preisrisiko zu streuen.

Er sei auf die Rübe für den Fruchtwechsel auf seinen Feldern angewiesen. Die Zuckerrübe komme mit wenig Dünger zurecht und komme auch mit der Trockenheit besser klar als andere Feldfrüchte. Und alles an der Rübe werde verwertet und komme als Futtermittel oder Dünger wieder in die Kreislaufwirtschaft. Doch ein fairer Wettbewerb sei zu den jetzigen Bedingungen einfach nicht möglich. 28 Euro betrage der Preis für Quotenrüben pro Tonne zurzeit. „Eigentlich sind 30 Euro die Schmerzgrenze. Aber wir müssen das jetzt aushalten“, sagt Hohls. Er habe die Hoffnung, dass die Preise wieder steigen. Aber: „Es werden Anbauer auf der Strecke bleiben.“

VON LARS LOHMANN

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