Roscher Modell im Landkreis?

So wie hier im Landtag in Hannover wäre es auch vorstellbar, dass Schüler im Kreistag sitzen und jeweils einen Abgeordneten als Paten haben so wie es jetzt schon in Rosche praktiziert wird.

Rosche - Von Jörn Nolting. Es ist ein Bild, das es leider nicht oft gibt: Während den Sitzungen des Roscher Gemeinde- und Samtgemeinderates befinden sich auffallend viele junge Menschen im Ratsrund. Sie sitzen allerdings nicht nur zwischen den Zuhörern, sondern auch zwischen den Ratsherren. Es sind die Roscher Politik-Paten. Ein Modell, das auch auf Kreisebene von Interesse ist.

Die Idee stammt vom Roscher Christdemokraten Michael Widdecke. Doch, darauf legt der Roscher Wert, läuft das Paten-Projekt in allen Fraktionen. Insgesamt besuchen in diesem Jahr zwölf Jugendliche regelmäßig die Rats- und Ausschusssitzungen. Jugendliche aus den neunten und zehnten Klassen der Roscher Haupt- und Realschule können mitmachen.

Die Patenschaften laufen über ein Schuljahr und die Jugendlichen dürfen sich ihre Politik-Paten aus den Reihen der Ratsmitglieder aussuchen. Auch an den Fraktionssitzungen nehmen die interessierten Schüler teil. „Dadurch erfahren die Jugendlichen, wie ein Meinungsbildungsprozess abläuft“, sagt Michael Widdecke. Und der besteht nicht nur darin, während der Sitzung die Hand zu heben. Zu den Aufgaben des Paten gehört es nicht nur, die Schüler während der Ratssitzung neben sich sitzen zu haben, sondern es beginnt schon damit, die Patenkinder zu Hause abzuholen. Dass die Schüler nicht immer leicht für Politik zu begeistern sind, liegt auf der Hand, denn immerhin müssen sie auch bei trockenen Themen wie bei Haushaltsberatungen dabei sein. „Auch in einem Bewerbungszeugnis spiegelt sich eine solche Bescheinigung positiv wider“, sagt der Christdemokrat. Unterstützt wird das Paten-Projekt von der Haupt- und Realschule und von der Samtgemeindeverwaltung. Der Roscher Christdemokrat hat sich im Namen des CDU-Kreisverbandes nun dafür stark gemacht, das Paten-Projekt künftig auch auf Landkreisebene möglich zu machen. Die Idee, die hinter dem Projekt steht, hält auch der Sozialdemokrat Marc Westedt für gut. Ihm ist jedoch wichtig, dass keine Partei-Werbung mit den Jugendlichen gemacht wird – und das Gefühl hat er in dem Fall seines christdemokratischen Ratskollegen. „Ich würde lieber intern darüber beraten und das Thema in aller Ruhe auswerten, anstatt damit an die Öffentlichkeit zu gehen“, sagt Marc Westedt. Dann, so der Sozialdemokrat, könne man abwägen, ob diese Art der Jugendbeteiligung sinnvoll ist und auch im Kreistag angewendet werden kann.

Er hält das Projekt gerade in den kleinen Kommunen für vorteilhaft. Bedauerlich findet er allerdings, dass bisher eine Schulkooperation nur mit der Roscher Haupt- und Realschule stattfindet. „Es gehen doch auch genug Schüler aus Rosche aufs Gymnasium“, gibt Westedt zu bedenken. Auch die sollten angesprochen werden, um einen Querschnitt aller Jugendlichen aus der Samtgemeinde zu haben. „Auch Schüler des Gymnasiums sind natürlich willkommen“, sagt Michael Widdecke. Eine Kooperation gestaltet sich allerdings schwieriger als mit der Schule vor Ort.

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