Anrufe aus dem Nichts bei der Uhlen-Apotheke

Roscher Apotheke wird von bis zu 100 Geisteranrufen pro Tag belästigt

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Mysteriöse Geisteranrufe gehen bei der Uhlen-Apotheke in Rosche ein – doch niemand hat gewählt.

Rosche. Das Telefon klingelt, die Verbindung steht – doch niemand hat die Nummer gewählt. Mysteriöse Geisteranrufe gehen seit zehn Tagen auf dem Telekom Festnetzanschluss der Uhlen-Apotheke in Rosche ein.

Bis zu 100 Geisteranrufe pro Tag von Krankenhäusern, Apotheken, Arztpraxen, Senioren- und Pflegeheimen, Krankentransporten sowie Beerdigungsinstituten gehen nach Angaben von Apotheker Karlheinz Apel direkt auf das Geschäftstelefon. „Am Anfang ging der Terror erst nach 16 Uhr los“, erinnert sich Karlheinz Apel. Mittlerweile nimmt der Apotheker den ganzen Tag über die unliebsamen Anrufe entgegen: „Die Leute, die am anderen Ende der Leitung sind, denken ja, dass wir angerufen hätten.“ Viel Zeit, sich mit den Anrufern aus dem Nichts auszutauschen, bleibt den Betroffenen nicht. „Das Gespräch wird nach ein paar Sekunden schon wieder getrennt, und dann ist der Nächste dran“, beschreibt eine Kundin der Uhlen-Apotheke, die in Rosche wohnt, die rätselhaften Anrufe. „Das geht so lange weiter, bis ich auflege.“

Doch woher kommen die Anrufe aus dem Nichts? Sind Hacker dafür verantwortlich? Wie können sie abgestellt werden? „Die Recherche beim technischen Kundenservice läuft noch. Wir bitten um Verständnis“, das ist alles, was die Telekom gestern auf AZ-Nachfrage mitteilt. Auch Apel hat das in den vergangenen Tagen mehrmals von der Telekom gehört: „Mittlerweile wurde unsere Beschwerde vom technischen Service und dem internen Sicherheitsdienst ‘Abuse’ bearbeitet, und es fand eine Leitungsdiagnose statt – ohne Erfolg.“ Auch andere Unternehmen sollen nach seinen Worten betroffen sein.

Falsch verbunden

Apotheker Karlheinz Apel versucht, den Anrufern zu erklären, dass sie durch die Deutsche Telekom falsch verbunden wurden. Weil die Gespräche meist nach einigen Sekunden getrennt werden, gestaltet sich das aber schwierig.

Eigentlich nimmt Karlheinz Apel gerne Anrufe von seinen Kunden in der Uhlen-Apotheke in Rosche entgegen. Doch wenn in diesen Tagen das Telefon klingelt und der 70-Jährige auf dem Display „Anruf von extern“ liest, ahnt er bereits: „Zu 90 Prozent ist das wieder ein Geisteranruf.“ Wenn Apel, dessen Familie die Apotheke betreibt, den Anruf beantwortet, ist in den meisten Fällen ein Bestattungsunternehmen irgendwo in Deutschland am anderen Ende der Leitung. „Die sind dann genauso überrascht wie wir“, erklärt der Apotheker. „Weder sie noch ich haben den Anderen angerufen.“ Seit mittlerweile zehn Tagen wird die Uhlen-Apotheke von solchen Geisteranrufen heimgesucht – teilweise 100 Mal am Tag. Was kurios klingt, ist für die Betroffenen extrem störend. „Erst kamen die Anrufe nach 16 Uhr“, erinnert sich Apel. „Jetzt geht es schon vormittags los.“ Oft ist eine Mitarbeiterin nur damit beschäftigt, die Geisteranrufe entgegenzunehmen. Bestattungsunternehmen, Krankenhäuser, Arztpraxen, Krankentransporte, Alten- und Pflegeheime – in den letzten zehn Tagen erhielt Familie Apel tiefe Einblicke in die deutsche Medizin-Landschaft. Oft wird die Uhlen-Apotheke auch mit Einrichtungen aus dem Landkreis oder direkt aus Rosche verbunden. „Neulich hatten wir unseren Nachbarn in der Leitung, der für das Rote Kreuz Krankentransporte fährt“, erzählt Apel. Sogar die Arztpraxis seiner eigenen Tochter habe er schon an der Strippe gehabt.

Besonders nervig: Wenn die Apels Notdienst haben, leiten sie Anrufe für die Apotheke auf ihren Privatanschluss nebenan um. „Dann klingelt bei uns abends pausenlos das Telefon“, berichtet Ursula Apel.

Die Apels haben den Festnetzanbieter, die Deutsche Telekom, über die Geisteranrufe informiert. Bisher haben sich vier verschiedene Mitarbeiter bei dem Ehepaar gemeldet. „Die Leitungen seien in Ordnung. Ich soll meinen Router überprüfen“, sagt Apel schmunzelnd. Die Mitarbeiter hatten auch einen Auftrag für den Apotheker: „Ich soll von allen Anrufen die Rufnummern notieren.“

Das gestaltet sich allerdings schwierig, da die Nummern der Gesprächsteilnehmer in keinem Anrufer-Protokoll auftauchen. Manchmal würden im laufenden Gespräch noch weitere Anrufer zugeschaltet werden. „Wir hatten auch schon Telekom-Mitarbeiter in der Leitung – allerdings hatten die gar nichts mit unserem Problem zu tun“, sagt Apel. Bis er den ahnungslosen Anrufern die Situation erklärt hat, wurde das Gespräch schon getrennt– meist nach nur wenigen Sekunden. Einige vermuten bei Apel betrügerische Absichten: „Die verraten ihre Nummer nicht und legen auf.“ Heute Abend hat die Uhlen-Apotheke wieder Notdienst. „Wenn es so weitergeht, können wir nur noch Anrufe annehmen, bei denen die Nummer angezeigt wird“, befürchtet Apel.

Gestern hat er eine SMS von der Telekom erhalten, dass die Störung behoben sei. Doch die Geister rufen weiter an – bis zu 100 mal täglich.

Von Sandra Hackenberg

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