Staatssekretär besucht neue Behandlungsanlage für Bohrschlamm in Borg

Pilotprojekt steht kurz vor dem Start

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So sieht der entwässerte Bohrschlamm aus. Staatssekretär Stefan Muhle (rechts) schaute sich gestern die Anlage auf der Deponie Borg zusammen mit Landrat Heiko Blume (2. von rechts) und Peer Beyersdorff (Mitte) vom Breitbandzentrum Niedersachsen-Bremen an. Erläuterungen gaben Christina Harms und Marcus Joseph. Foto: SCHOSSADOWSKI

Borg – Ein beständiges Brummen und Dröhnen liegt in der Luft. Die neue Bohrschlamm-Behandlungsanlage auf dem Gelände des Entsorgungszentrums Borg läuft recht laut.

Und so muss Deponieleiter Marcus Joseph gestern auch die Stimme erheben, um Stefan Muhle die Anlage zu erläutern. Der Staatssekretär im niedersächsischen Wirtschaftsministerium war gekommen, um sich ein nahezu einzigartiges Projekt anzuschauen.

„Diese Anlage hat wirklich ein Alleinstellungsmerkmal“, sagte Joseph. Bundesweit gibt es nur eine weitere ihrer Art. Diese befindet sich bei der Herstellerfirma in Ulm, berichtete Christina Harms, Leiterin des Abfallwirtschaftsbetriebes (awb) des Landkreises Uelzen. Anlass für die Anschaffung in Borg ist das Glasfaserprojekt. Beim Verlegen der Leitungen fallen große Mengen an Bohrschlämmen an, die ohne Aufbereitung nicht verwertet oder beseitigt werden dürfen.

Und so sorgt die neue Anlage dafür, dass der Schlamm- und der Wasseranteil voneinander getrennt werden. Das klare Wasser wird in Absetzbecken geleitet und auf mögliche Belastungen durch Salze untersucht. „Wenn es unbedenklich ist, kann es in der Erde versickern“, erklärte Harms. Der Schlamm kann hingegen zu Betonsteinen oder Flüssigboden verarbeitet beziehungsweise mit Abfällen vermischt werden, um die Eigenschaften für die Deponierung zu verbessern.

Rund 1,4 Millionen Euro hat die Anlage gekostet. Hinzu kamen 400 000 Euro für den Bau der Infrastruktur vor Ort. Nach Ansicht des awb ist das gut angelegtes Geld, denn durch die Verarbeitung in Borg fällt der Abtransport des Bohrschlamms nach Magdeburg künftig weg.

Ende August hat der Probebetrieb begonnen. „Es läuft wirklich gut. Anfangs gab es noch ein paar kleinere Kinderkrankheiten. Aber jetzt ist alles so, wie es sein soll“, freute sich Harms. In der nächsten Woche steht die Abnahme durch das Gewerbeaufsichtsamt Lüneburg an. Verläuft alles nach Plan, kann die Anlage danach in den Vollbetrieb gehen.

„Wir peilen eine Menge von 11 000 bis 12 000 Tonnen Bohrschlamm pro Jahr an“, blickte Joseph voraus. Dann soll in Borg auch von Firmen angelieferter Schlamm, unter anderem aus den Kreisen Uelzen und Celle, behandelt werden. „Wir haben auch schon Anfragen aus der Region Hannover, aus Lüchow-Dannenberg und dem Emsland erhalten“, sagte Joseph.

Staatssekretär Muhle bezeichnete die neue Anlage als innovatives Projekt. Lob gab es auch von Peer Beyersdorff, Geschäftsführer des Breitbandzentrums Niedersachsen-Bremen, der zusammen mit Uelzens Landrat Heiko Blume gestern zu Besuch auf der Deponie war. „Es ist beeindruckend, was hier passiert“, meinte Beyersdorff.

VON BERND SCHOSSADOWSKI

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