Rat beschließt Übernahme des Vermögens

Nach Vereinsauflösung: Kaisergarten-Mühle fällt an Gemeinde Suhlendorf

Die historische Kaisergarten-Mühle auf einer Grünfläche in der Nähe der Bundesstraße 71 in Suhlendorf.
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Dieses Grundstück an der B 71 mitsamt der Kaisergarten-Mühle fällt an die Gemeinde Suhlendorf.
  • Bernd Schossadowski
    VonBernd Schossadowski
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Der Mühlen- und Verkehrsverein Suhlendorf hat sich nach 47 Jahren aufgelöst. Das Barvermögen des Vereins und ein Grundstück an der B 71 mitsamt der dortigen Kaisergarten-Mühle werden nun der Gemeinde Suhlendorf übertragen.

Suhlendorf – Für Christine Schubert, zweite Vorsitzende des Mühlen- und Verkehrsvereins Suhlendorf, war es ein trauriger Tag: Nach 47 Jahren wurde der traditionsreiche Verein vor Kurzem aufgelöst. Der Grund ist die drastisch gesunkene Mitgliederzahl. Hinzu kommt, dass sich aufgrund des hohen Altersdurchschnitts kaum noch Aktive für den Verein engagieren können oder wollen (AZ berichtete). „Uns hat es an diesem Abend sehr, sehr wehgetan“, sagt Schubert mit Blick auf die Auflösungsversammlung. „Aber alles hat seine Zeit.“

Das restliche Vereinsvermögen, bestehend aus rund 6000 Euro Barmitteln und einem etwa 2300 Quadratmeter großen Grundstück an der B 71 mitsamt der historischen Kaisergarten-Mühle, wird der Gemeinde Suhlendorf übertragen. Einstimmig beschloss der Rat am Dienstagabend, diese Schenkung anzunehmen.

Die Wehmut war den Politikern jedoch anzumerken. „Es ist sehr bedauerlich, wenn sich ein Verein auflösen muss. So etwas ist immer schlecht für eine Gemeinde“, meinte Friedrich-Christoph Flasche (CDU) in der Ratssitzung. Doch bevor das Vereinsvermögen, das Grundstück und die mehr als 300 Jahre alte Bockwindmühle in private Hände fallen oder gar an den Staat abgetreten werden müssen, sei es sinnvoll, all das der Gemeinde zu übertragen. „Ich bin heilfroh, dass wir das übernehmen. Das ist ein Aushängeschild und ein Wahrzeichen von Suhlendorf“, erklärte Flasche.

Ähnlich sah das Rainer Fabel (FDP). Die Kaisergarten-Mühle sei „ein ,Eyecatcher‘ an der Straße. Man sieht sehr viele Radfahrer, die dort eine Pause einlegen“, berichtete er. Auf der Grünfläche gibt es nämlich mehrere Tische und Bänke. Allerdings glaubt Fabel, dass in den nächsten Jahren immer mal wieder Reparaturen an der Mühle anfallen werden, die die Gemeinde finanzieren müsse. Das erwartet Bürgermeister Hans-Heinrich Weichsel (CDU) jedoch nicht. Der Schweif des hölzernen Kleinods sei vor einigen Jahren erneuert worden. „Die Mühle ist in einem guten bis sehr guten Zustand“, betonte er.

Das bestätigt Christine Schubert im AZ-Gespräch: „Die Mühle ist grundsaniert, alles ist heile. Die Gemeinde übernimmt kein baufälliges Denkmal.“ Aus ihrer Sicht war die Auflösung des Vereins, der unter anderem das jährliche Mühlenfest im Handwerksmuseum und alle fünf Jahre einen großen Festumzug durch Suhlendorf veranstaltet hatte, unausweichlich. „Alle Mitglieder, die noch konnten, haben in unserem Verein mitgeholfen. Aber wir hatten keinen Nachwuchs, und ohne Nachwuchs verlieren auch die Älteren irgendwann die Lust“, bedauert Schubert und dankt zugleich allen Mitglieder für ihre langjährige Unterstützung. Die Übertragung des Vereinsvermögens an die Gemeinde sei sinnvoll. „Wir haben einen guten Weg gefunden.“

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