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Nach tödlichem Wolfsangriff auf ihren Terrier: Hundehalterin schildert Vorfall im Detail

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Von: Bernd Schossadowski

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Ursula Balthasar sitzt mit ihrem Hund Leo auf einer Bank.
Ein Bild aus glücklichen Tagen: Ursula Balthasar sitzt mit ihrem geliebten Hund Leo auf einer Bank. Doch der Terrier wurde kürzlich von einem Wolf angefallen. © privat

Ursula Balthasar aus dem Roscher Ortsteil Prielip ist voller Trauer. Am 17. November wurde ihr geliebter Glatthaar-Foxterrier Leo beim Gassigehen von einem Wolf angegriffen und so schwer verletzt, dass er eingeschläfert werden musste. Im Gespräch mit der AZ schildert die 82-Jährige den Vorfall jetzt im Detail.

Prielip – An manche Einzelheiten des dramatischen Vorfalls am 17. November kann sich Ursula Balthasar nicht mehr erinnern. Zu schockierend war für sie das Erlebnis. Doch die Stelle, an der ihr geliebter Hund Leo nach einem Angriff durch einen Wolf schwer verletzt auf dem Boden lag, kann die 82-Jährige noch ziemlich genau benennen. „Ungefähr hier lag er“, sagt sie gestern und zeigt auf den gefrorenen Acker am Ortsrand von Prielip. Nicht weit davon entfernt ist eine mächtige Wolfsfährte im Erdreich zu sehen.

Wie berichtet, wurde ihr zwölf Jahre alter Glatthaar-Foxterrier nachweislich von einem Wolf attackiert. Das haben DNA-Untersuchungen von Wolfshaaren, die in Leos Maul gefunden wurden, ergeben. Ursula Balthasar war mit ihrem Hund wie an jedem Morgen in der Feldmark unweit ihres Wohnhauses spazieren. Gegenüber der AZ erzählt sie jetzt ausführlich, was sich an jenem verhängnisvollen Tag ereignet hat.

Plötzlich ertönt ein Jammern und Klagen

„Wir sind zwischen 7 und 7.30 Uhr aus dem Haus gegangen. Es war dunkel und sehr stürmisch“, erinnert sie sich. Als nach wenigen Metern der Acker begann, ließ sie Leo von der Leine. Der Terrier war das gewohnt. Er war oft bei Jagden im Einsatz und gehorchte auf Rufe und Pfiffe. „Leo ist keineswegs ausgebüxt, wie einige Leute behaupten“, stellt die Prieliperin klar. Wegen der Dunkelheit verlor sie ihn an jenem Morgen aber aus den Augen. „Nach wenigen Minuten hörte ich ihn plötzlich bellen“, schildert sie. „Ich habe ihn immer wieder gerufen. Auf einmal ertönte von der anderen Seite des Ackers ein Jammern und Klagen. Da wusste ich, es ist etwas passiert.“

Ursula Balthasar läuft den kurzen Weg nach Hause, holt ihr Auto und fährt auf der Suche nach Leo einen Feldweg ab. Und dann sieht sie ihn am Rand des Ackers. „Er lag ganz starr auf der Seite und bewegte sich nicht. Ich habe sofort gesehen, dass er schwer verletzt war, überall war Blut“, erzählt sie. Sofort wickelt sie Leo in eine Decke und legt ihn in ihren Kofferraum.

Auf der Rückfahrt trifft sie eine Nachbarin. Die findet heraus, welche Tierarztpraxis zu dieser Stunde schon geöffnet ist: die von Dr. Andreas Feuerherdt in Suhlendorf. Doch auch der erfahrene Veterinär kann Leo nicht mehr helfen. „Wir haben uns angeguckt und wussten beide: Es ist nichts mehr zu machen“, sagt die Prieliperin.

„Der Rüde war im Schock, in Seitenlage, zeigte kaum Reaktion, war mit Erde und Blut beschmiert und hatte Untertemperatur“, heißt es in der tierärztlichen Bescheinigung. Auf der rechten Seite hatte Leo zwei tiefe Wunden. Der Brustkorb und die Bauchhöhle waren durch die Bisse aufgerissen. Feuerherdt hatte keine andere Wahl, als ihn einzuschläfern. Leo hat seine letzte Ruhe in Ursula Balthasars Garten gefunden, wo er würdevoll beerdigt wurde.

Angreifer stammt aus dem Göhrde-Rudel

„Ich habe mir gleich gedacht, dass es ein Wolf war, weil die Verletzung so tief war“, sagt die Prieliperin. Sie bittet einen befreundeten Jäger, sie zu der Stelle, an der Leo angefallen wurde, zu begleiten. Dort entdecken sie mehrere große Wolfsfährten. Nach Einschätzung des Jagdfreundes deuten die Spuren auf etwa vier Wölfe hin. Die DNA-Untersuchung der Haare habe ergeben, dass Leo von einem Rüden aus dem Göhrde-Rudel attackiert wurde, erklärt Ursula Balthasar, die sehr um ihren Hund trauert.

„Das ist eine Verschlimmerung der Entwicklung. 200 Meter bis zur nächsten Wohnbebauung, das ist zu nah. Die Wölfe haben keine Scheu vor Menschen oder vor Häusern. Und sie vermehren sich rasant“, beklagt sie. Dennoch fordert sie keinen generellen Abschuss von Wölfen. „Man sollte sie nicht ausrotten, sondern muss sie in ihrem Bestand reduzieren.“

Traurig ist Ursula Balthasar auch, dass in Rosche Falschmeldungen über den Vorfall vom 17. November kursieren. „Leo ist nicht über Nacht allein im Wald gewesen. Er ist auch nicht im Wald gestorben. Und ich habe nicht stundenlang gewartet, bis ich den Tierarzt gerufen habe, sondern bin da sofort hingefahren“, betont Ursula Balthasar.

Ganz ohne Hund kann sie übrigens nicht leben. Kurz nach Leos Tod hat sie sich Eddie zugelegt, einen zehnjährigen Münsterländer-Drahthaar-Mischling. Ihm schenkt sie jetzt all ihre Liebe.

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