Mit viel Tradition in die Zukunft

Nach 61 Jahren: Inhaber geben Süttorfer Gasthaus „Zur Wipperau“ an Nachfolger ab

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Die Nachfolge ist gesichert: Ursula Ruschenbusch und ihr Ehemann Konrad (rechts) freuen sich, dass Detlef Krohn das Gasthaus „Zur Wipperau“ gepachtet hat.

Süttorf – Hinter der Theke im Schankraum sind die Gläser akkurat aufgereiht. An den Wänden hängen allerlei Urkunden, unter anderem vom Sozialverband. Auf einem Regal sind ausgestopfte Tiere – Marder, Eichhörnchen und Fasan – zu sehen.

Die Gaststätte „Zur Wipperau“ in Süttorf blickt auf eine lange Geschichte zurück.

Seit fast 61 Jahren wird das Traditionshaus von Konrad und Ursula Ruschenbusch betrieben. Doch die beiden Besitzer sind inzwischen über 80 Jahre alt, die Bewirtschaftung fällt ihnen immer schwerer. Muss das Gasthaus – wie so viele andere in der Region Uelzen – daher endgültig schließen?.

Detlef Krohn schüttelt energisch den Kopf. Der Inhaber eines Partyservices aus Bad Bevensen hat das Gasthaus vor Kurzem von den Ruschenbuschs gepachtet. Sein Ziel ist, es langfristig weiter zu betreiben. Für Ursula Ruschenbusch geht damit ein Herzenswunsch in Erfüllung. „Dass die schönen Räume, der Wintergarten und der Garten weiter genutzt werden, darüber sind wir sehr glücklich“, sagt die 83-Jährige und lächelt zufrieden.

Denn mit dem Haus verbindet Ursula Ruschenbusch viele Erinnerungen. Nebenan betrieb ihr Großvater einst ein Lebensmittelgeschäft. „Mit 13 Jahren stand ich schon im Laden – alles neben der Schule“, erzählt die Süttorferin, die seit 1958 mit ihrem Ehemann Konrad verheiratet ist. Mit Leib und Seele kümmerten sich die beiden seitdem um ihre Gaststätte.

Viele Feiern haben die Ruschenbuschs ausgerichtet: Hochzeiten, Konfirmationen, Geburtstage, dazu Vereinstreffen. „Wir hatten immer ein volles Haus“, erinnert sich Ursula Ruschenbusch. Während ihr Mann tagsüber als Maurer arbeitete, leitete sie die Gaststätte. Abends unterstützte Konrad Ruschenbusch sie als Küchenchef. Die Arbeit, manchmal 20 Stunden am Tag, habe ihr viel Spaß gemacht. „Die Gäste waren immer sehr zufrieden, aber einmal muss ja Schluss sein“, bedauert sie.

Ihr Sohn Dieter, Bereichsleiter der Deutschen Angestellten-Akademie und Regierungsbrandmeister, ist beruflich so eingespannt, dass er das Gasthaus nicht betreiben kann. Daher sind die Ruschenbuschs froh, dass Detlef Krohn zusammen mit seiner Lebensgefährtin den Familienbetrieb als Pächter weiterführen wird. Seinen Partyservice will der 57-Jährige von Bevensen nach Süttorf verlagern. Zur Eröffnung kamen jetzt rund hundert Gäste. „Wir haben ein Oktoberfest mit bayerischen Leckereien gefeiert“, erzählt Krohn, der Vorsitzender der Wirtschafts- und Tourismus-Gemeinschaft Bienenbüttel ist.

Er will unter anderem Gänse-, Grünkohl-, Fisch- und Schlachteessen, einen Martinsmarkt und Silvesterball anbieten und dafür selbst kochen. Die Gästezimmer sollen bestehen bleiben. Für ihn sei der Einstieg in Süttorf eine „Wohlfühlentscheidung, denn ich bin ein Dorfjunge“, verrät Krohn. „Und zu einem Dorf gehört eine Gaststätte.“ Genauer gesagt sind es sogar zwei, denn im Ort gibt es auch noch das Gasthaus Meyer-Strohschein. Auch Konrad Ruschenbusch ist über die Verpachtung des Gasthauses glücklich: „Das Wichtigste ist, dass es hier weitergeht.“

VON BERND SCHOSSADOWSKI

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