Kein Nachfolger in Sicht: Fleischermeister Hartung aus Suhlendorf gibt seinen Familienbetrieb auf

Nach 66 Jahren endet eine Ära

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Fleischermeister in zweiter Generation: Hans-Joachim Hartung vor seinem ehemaligen Geschäft in Suhlendorf.

Suhlendorf. Ein letztes Mal ist er auf den Uelzener Wochenmarkt gefahren und hat seinen Verkaufsstand aufgebaut. Ein letztes Mal hat er dort mit den Kunden geklönt, von denen ihm viele seit Jahrzehnten die Treue halten.

Später hat er dann ein Abschiedsfest auf dem Hof seines Fleischereigeschäfts in Suhlendorf gefeiert. Dann war Schluss – nach 66 Jahren. Der letzte Tag des Familienbetriebes. Für Hans-Joachim Hartung, Inhaber in zweiter Generation, ging eine Ära zu Ende. Und er gibt offen zu: „Mir standen Tränen in den Augen. “.

Ende Mai hat sich der 62-Jährige aus dem Berufsleben verabschiedet. Gerne hätte Hartung den Betrieb, den sein Vater 1949 in Gledeberg bei Schnega gegründet hatte und der seit 1970 den Hauptstandort am Marktplatz in Suhlendorf hatte, in jüngere Hände gegeben. Doch so sehr sich der Fleischermeister auch bemühte: Er fand keinen Nachfolger.

„Ich habe meine beiden Söhne gefragt, ob sie das Geschäft übernehmen wollen. Aber sie haben sich beruflich anders orientiert“, erzählt Hartung. Zwischenzeitlich sah es so aus, als würde ein ehemaliger Auszubildender von ihm die Nachfolge antreten. „Aber das hat sich zerschlagen“, bedauert der Suhlendorfer. So blieb ihm letztlich nichts anderes übrig, als den Traditionsbetrieb aufzugeben.

So wie Hartung geht es vieler Metzgereien und Bäckereien in Deutschland. Ihre Zahl hat sich in zwei Jahrzehnten fast halbiert. Gab es 1995 bundesweit noch 56 000 Fleischer- und Bäckerbetriebe, waren es 2013 nur noch 30 565. Ein Grund: Die nachfolgende Generation hat immer weniger Interesse daran, den Betrieb der Eltern zu übernehmen.

Auch der zunehmende wirtschaftliche Druck spielt eine Rolle. Seinen Laden im Herzen Suhlendorfs hat Hartung schon vor sieben Jahren geschlossen. Seitdem konzentrierte er sich auf den Hofverkauf im Ort, auf den Uelzener Wochenmarkt und die Überlandfahrten mit seinem mobilen Verkaufswagen. Als seine Frau, die den Partyservice der Fleischerei geleitet hatte, vor drei Jahren starb, gab Hartung auch diesen Geschäftszweig auf. „Die jüngere Generation kauft Fleisch und Wurst lieber im Supermarkt als im kleinen Laden“, sagt er. Ohnehin könne er mit den Preisen der großen Anbieter nicht mithalten.

Das Ende seines Berufslebens betrachtet Hartung mit gemischten Gefühlen. „Einerseits bin ich froh, dass ich jetzt ein bisschen ruhiger treten kann. Andererseits erfüllt mich der Abschied mit Wehmut“, verrät er. Für ihn steht fest: „Ich habe viel erlebt, es gab Höhen und Tiefen. Aber es waren schöne Zeiten.“

Am heutigen Sonnabend will Hartung wieder auf den Uelzener Wochenmarkt gehen, diesmal rein privat und aus nostalgischen Gründen. Er wird dort mit den Händlern klönen, ehemalige Kunden treffen und Marktluft schnuppern. Es wird sein wie früher – und doch ganz anders.

Von Bernd Schossadowski

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