Zu Gast im Präsidentenpalast

Mediziner aus Schlieckau plant Ärzte-Austausch mit Togo

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Dr. Frank Nordhausen aus Schlieckau (links) traf sich in Togos Hauptstadt Lomé unter anderem mit der Vizepräsidentin der dortigen Universität, Dr. Kafui Kpegba. Ihn begleitete dabei der bekannte togolesische Profiboxer Prinz Lorenzo.

Schlieckau/Lomé – Allmählich dürfte sich Dr. Frank Nordhausen im Palast des Staatspräsidenten von Togo auskennen.

Der Arzt im Ruhestand aus Schlieckau war nämlich jetzt zu einem Gala-Diner bei Faure Essozimna Gnassingbé, dem Oberhaupt des westafrikanischen Landes, in der Hauptstadt Lomé eingeladen.

Schon 2016 hatte Nordhausen, der seit einigen Jahren ein Hilfsprojekt in Togo betreut, den Präsidenten persönlich getroffen. Mit ihm hatte er darüber gesprochen, wie die medizinische Versorgung in dem bettelarmen Land verbessert werden kann (AZ berichtete).

Beim jetzigen Empfang im Bankettsaal des Palasts war Nordhausen aber nicht der einzige Gast – der Präsident hatte unzählige weitere Personen eingeladen. Anlass war ein internationaler Wirtschaftskongress in einem Hotel in Lomé, auf dem diskutiert wurde, wie Europa in Togo investieren kann. „Wir müssen in Afrika etwas tun“, wirbt Nordhausen um größeres Engagement der europäischen Staaten. „Wenn wir nicht nach Afrika kommen, kommen die Afrikaner zu uns“, sagt er mit Blick auf die Flüchtlingswelle.

An dem zweitägigen Kongress nahmen 2000 bis 3000 ausgesuchte Gäste teil, darunter viele Wirtschafts- und Bankenvertreter. Nordhausen hatte von Togos Botschafter in Berlin und vom deutschen Botschafter in Togo eine Einladung erhalten.

Für den Schlieckauer war die Teilnahme ein besonderes Erlebnis. „Auf dem Kongress habe ich viele Kontakte knüpfen können“, erzählt er. Allein mit Dr. Kafui Kpegba, der Vizepräsidentin der Universität von Lomé, unterhielt er sich drei Stunden lang und brachte dabei ein wichtiges persönliches Anliegen vor: Nordhausen möchte togolesischen Ärzten die Möglichkeit eröffnen, in Deutschland ihre Facharztausbildung zu machen. Anschließend sollen die Mediziner nach Togo zurückkehren und dort helfen, das marode Gesundheitssystem zu verbessern. Vor allem bei der Hygiene und der Wasserversorgung gebe es noch große Defizite in dem Land, weiß Nordhausen, der seit 2013 jeweils zweimal pro Jahr zu Besuch in Togo war.

Dr. Kafui Kpegba zeigte sich aufgeschlossen für das Ärzteprojekt. Nordhausen hat auch schon Kontakte zur Medizinischen Hochschule in Hannover geknüpft. „Mehrere Professoren haben sich bereit erklärt, das Projekt zu unterstützen“, erzählt er. Geplant ist, dass Nordhausen die Koordination des Ärzte-Austauschs übernimmt.

Auch Togos Staatspräsident sagte ihm dafür seine Unterstützung zu. Zudem sprach der Schlieckauer mit dem Außen- und dem Gesundheitsminister des Landes. Als Türöffner fungierte dabei der Profiboxer Prinz Lorenzo, den Nordhausen auf dem Kongress kennengelernt hatte. Der Togolese, der seit 2002 in Deutschland lebt und fließend Deutsch spricht, ist in seiner Heimat ein Superstar. Der frühere Welt- und Europameister übersetzte viele Gespräche. „Er ist ein Sonnyboy, die Menschen lieben ihn hier“, sagt Nordhausen.

Er ist zuversichtlich, das Ärzteprojekt dank seiner in Togo geknüpften Kontakte auf den Weg bringen zu können. „Für mich war dieser Kongress ein absolutes Highlight“, bilanziert er. „Ich habe gemerkt, dass die europäischen Staaten nun wirklich in Afrika investieren wollen.“

VON BERND SCHOSSADOWSKI

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