Roscher Freibad stellt Kiosk-Verkauf auf umweltfreundliche Materialien um / Kartons aus Zuckerrohr

Maisstärke statt Plastik

Kiosk-Mitarbeiterin Andrea Schmeller zeigt die neuen Behälter und Verpackungen: Becher, Strohhalme und Verpackungsfolien bestehen aus Maisstärke, die Mitnahmekartons aus Zuckerrohrresten.

Rosche. Die Trinkbecher, Strohhalme und Verpackungsfolien sind auf den ersten Blick von Plastik-Erzeugnissen nicht zu unterscheiden. Doch tatsächlich bestehen die Artikel, die Andrea Schmeller, Kiosk-Mitarbeiterin im Roscher Freibad, in den Händen hält, aus Maisstärke.

Hinzu kommen Papiertüten, Mitnahmekartons aus Zuckerrohrresten, Metallbesteck und Porzellangeschirr. Das Freibad ist gerade dabei, seinen Kiosk-Verkauf komplett auf plastikfreie Materialien umzustellen.

„Nach unserem Verzicht auf Alkohol im Jahr 2003 ist das ein weiterer Schritt, um unserer Vorbildfunktion in der Öffentlichkeit gerecht zu werden“, erläutert Schwimmmeister Rüdiger Lohse. Bei dem Verzicht auf Plastik gehe es darum, einen Beitrag für den Umweltschutz zu leisten und das Bewusstsein der Badegäste zu ändern.

Lohse erinnert sich noch genau daran, wie es damals im Roscher Freibad aussah. Die Teller und Becher waren ebenso aus Plastik wie die Pommesgabeln und die Rührstäbe für Heißgetränke. „Der Kiosk war früher ein Müllproduzent“, gibt Lohse zu. Immer wieder seien leere Kaffeebecher und Eisverpackungen auf der Liegewiese und nicht im Mülleimer gelandet. Auch der Außer-Haus-Verkauf im Freibad war nicht umweltfreundlich. „Hamburger oder Pommes gab es zum Mitnehmen in Verpackungen aus Schaumstoff, die zum Warmhalten mit Alufolie umwickelt und dann in eine Plastiktüte gesteckt wurden“, schildert Lohse.

Doch diese Zeiten sind endgültig vorbei. Jetzt sind die Pommesschalen mit Maisstärke beschichtet, die dazugehörigen Gabeln aus Holz. Die Mitnahmeboxen bestehen aus recycelten Zuckerrohrresten und die Verkaufstüten aus Papier. Auch die Süßigkeiten-Tütchen sind aus Maisstärke hergestellt. Nur die Umverpackungen für das angelieferte Eis können nicht verändert werden.

„Die Badegäste reagieren positiv auf die Umstellung“, hat der Schwimmmeister festgestellt. Zwar sei der Einkauf der Kartonware für den Außer-Haus-Verkauf etwas teurer. „Doch dank der Großbestellung kostet uns jedes Teil nur etwa einen Cent mehr. Wir haben die Kioskpreise aber nicht erhöht“, betont Lohse, von dem die Idee zum Plastikverzicht stammt.

Er ist auch auf das neue Prinzip beim Verkauf von Slush-Eis stolz. Nun gibt es für die Erfrischung aus gefrorenem Fruchtwasser nicht nur Einwegbecher und Strohhalme aus Maisstärke, sondern aus diesem Material auch schicke Mehrwegbehälter in Handyform, die nachgefüllt werden können. Für die Kunden ist das zudem preisgünstiger als Einwegportionen.

Auch Andrea Schmeller hat viele positive Rückmeldungen bekommen. „Die Badegäste freuen sich. Sie haben gesagt: endlich kein Plastik mehr. Und ich finde das auch super“, erzählt die Kiosk-Mitarbeiter. Natürlich ist die Umstellung für sie mit etwas Mehraufwand verbunden, denn sie muss Porzellangeschirr und Metallbesteck in die Spülmaschine ein- und wieder ausräumen. Vorher ließen sich die Plastik-Utensilien einfach im Müll entsorgen. Doch diese Extra-Arbeit nehme sie gerne in Kauf, weil dadurch die Umwelt geschützt werde, sagt Andrea Schmeller.

Und sie nennt noch einen Vorteil des Plastikverzichts: „Die Becher aus Maisstärke sind viel stabiler. Die können kleine Kinder besser greifen.“

Von Bernd Schossadowski

 

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