Ein Roboter Schadstellen aufspüren

Bei Sola Bonum in Grabau sorgt Künstliche Intelligenz für Kartoffeln

Kartoffelsortierung bei der Firma Sola Bonum
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Bisher ist die Sortierung der geschälten Kartoffeln bei Sola Bonum in Grabau noch Handarbeit. Künftig soll ein Roboter einen Großteil der monotonen Arbeit übernehmen.
  • Lars Lohmann
    vonLars Lohmann
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Beim Kartoffelverarbeiter Sola Bonum in Grabau zieht die Künstliche Intelligenz (KI) ein. Künftig soll ein stetig dazulernender Roboter Kartoffeln mit schwarzen Flecken aussortieren und auch die Steuerung des Schälvorgangs übernehmen.

Das Projekt wird aus einem 2,5-Millionen-Euro-Fördertopf des Bundeslandwirtschaftsministeriums mit 15 000 Euro bezuschusst.
„Die Grundidee ist, dass der Roboter sortiert, selektiert und steuert“, erklärt Geschäftsführer Wolfgang Köllner. Dadurch könnten dann auch Arbeitskräfte in anderen Bereichen des Unternehmens eingesetzt werden. „Die Arbeit am Fließband ist monoton, erfordert viel Konzentration und es wird immer schwieriger, geeignete Leute dafür zu finden“, sagt Köllner.

Ein weiterer Vorteil ist aus Sicht des Produktionsleiters Sven Lenzen, dass der Ausschuss bei den Kartoffeln sinken wird. Die Künstliche Intelligenz erkennt nämlich schneller, wenn zu viele Kartoffeln in die zweite Schälung müssen, weil es noch schwarze Stellen gibt. „Am Ende werden wir mehr von jeder Kartoffel haben“, so Lenzen.

Der Roboter stammt von der schwäbischen Firma Stäubli. Die Entwicklung der KI liegt in den Händen des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz in Kaiserslautern. Der Roboter selbst erkennt die schwarzen Stellen der Kartoffeln über Kameras, pickt dann in Sekundenschnelle die Kartoffeln heraus und legt sie in die Nachschälung oder sortiert sie komplett aus. „Roboter werden schon lange in der Lebensmittelbranche eingesetzt. Das Besondere ist, dass dieser dazulernt und sich Besonderheiten merkt“, erklärt Köllner. Der Roboter werde später anhand der Wetterdaten sowie der Herkunft schon das optimale Schälprogramm im Vorwege auswählen. „Am Ende soll er für jeden einzelnen Ackerschlag optimale Entscheidungen treffen“, sagt Köllner.

Die Ergebnisse des für die nächsten drei Jahre angelegten Projekts werden dann der gesamten Lebensmittelbranche zur Verfügung gestellt. Im ersten Jahr wird laut Lenzen zunächst die KI programmiert. Im zweiten Jahr stehe die Vorbereitung des Roboters an und im dritten soll dann der Praxiseinsatz bei Sola Bonum erfolgen.

Bis dahin geschieht auf dem Gelände des Grabauer Unternehmens, das von zehn Landwirten aus der Region gegründet wurde, noch einiges. Seit gestern sind die Arbeiten für die Erweiterung und den Umbau des Betriebs in vollem Gange. Neben der Schälung und Verpackung kommt dann noch eine dritte Sparte hinzu: die Produktion von vorgekochten Kartoffeln für Großküchen, die schon jetzt einer der Hauptabnehmer sind. Gerade dort mache sich die Corona-Krise für das Unternehmen bemerkbar. „Wir wollen die Zeit aber jetzt nutzen, uns für die Zukunft gut aufzustellen“, sagt Köllner.

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