Schulausschuss empfiehlt Schließung der Stöckener Dorfschule / Eltern wollen „Kulturgut“ bewahren

Keine Chance für „Bullerbü“

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Susanne Prehm, Leiterin der Grundschule Rosche: „Dass ich die Stöckener nicht teilen werde, ist doch wohl klar. Wir sind Pädagogen. Auch wir arbeiten mit Herz und Verstand.“

Rosche/Stöcken. „Egal, wie wir entscheiden – wir können es nicht allen recht machen“, sagte Cord Schulze (CDU) am Dienstagabend im Schulausschuss der Samtgemeinde Rosche. „Die Zahlen stehen fest. “ Gemeint sind die Schülerzahlen in Stöcken.

Zum neuen Schuljahr gibt es dort voraussichtlich nur noch 22 Grundschüler. Zu wenig für einen Weiterbetrieb der Schule. Trotz der Kritik Stöckener Eltern empfahl der Schulausschuss bei vier Enthaltungen, die Außenstelle der Grundschule Rosche zu schließen.

Karin Lendt

Zuvor hatten Eltern ihrem Unmut Luft gemacht. Sie wollen ihre kleine Dorfschule behalten. „Es geht ein Stück Kulturgut verloren“, kritisierte Karin Lendt, Elternsprecherin der Stöckener Klasse 2c, die nach einer Schließung in die Roscher Mutterschule umziehen müsste. „Schule muss man greifen, fühlen, riechen, schmecken können. Das können die Kinder in Stöcken hervorragend.“ In „Bullerbü“, wie die Eltern liebevoll ihre kleine Dorfschule nennen, würden die Schüler noch behütet aufwachsen.

„Dass eine gut funktionierende Heimat der Kinder aufgelöst werden soll und das noch so plötzlich“, monierte Anja Meyer (Grüne). Derzeit besuchen 26 Schüler die zweite und vierte Klasse in der Stöckener Schule. Letztere wechselt auf die weiterführenden Schulen. Lediglich neun Einschulungen werden erwartet.

Schulelternratsvorsitzende Uta Rosenfeld zweifelte die zugrundeliegenden Schülerzahlen an: „Die Geburtenzahlen sind gestiegen.“ Ihr widersprach Samtgemeindebürgermeister Herbert Rätzmann: „Die Zahlen sind tagesaktuell.“ Er wies auch den Vorwurf zurück, über die Pläne zur Schließung der Stöckener Schule sei zu spät informiert worden. „Wir reden seit acht Jahren über die Schließung. Mittlerweile haben wir die räumlichen Möglichkeiten, die Schüler in Rosche zu integrieren.“

Die Leiterin der Grundschule Rosche, Susanne Prehm, hatte sich bereits für eine Schließung der Außenstelle Stöcken ausgesprochen. „Ich sperre mich dagegen, das eine Schule zu nennen“, betonte sie im Ausschuss. Die Zusammenfassung der Schüler in Rosche habe sowohl organisatorische als auch pädagogische Vorteile. So können Arbeitsgemeinschaften nur in der Mutterschule angeboten werden.

So sah das auch der Schulvorstand: „Wir sind der Meinung, wenn die Kinder in die Schule kommen, ist das für sie eine Riesen-Chance, andere Kinder und Lehrer kennenzulernen“, argumentierte Ortger Weidlich. „Das ist mehr wert als eine Kuschelschule.“

Wenn der Rat der Samtgemeinde Rosche der Empfehlung des Schulausschusses folgt, ist das Schicksal der Stöckener Schule besiegelt. Eine Möglichkeit, die Einrichtung zu erhalten, zeigte Susanne Prehm der Vollständigkeit halber auf: eine Kombiklasse. So etwas gibt es etwa in Himbergen. „Für mich ist das undenkbar“, stellte Schulleiterin Susanne Prehm klar, „weil ich dann nur eine Lehrkraft vor Ort habe.“ Schon jetzt sind die Schüler mehrmals in der Woche in Rosche. „Dass ich die Stöckener nicht teilen werde, ist doch wohl klar“, warb Susanne Prehm bei den Eltern um Verständnis: „Wir sind Pädagogen. Auch wir arbeiten mit Herz und Verstand.“

Von Gerhard Sternitzke

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