Neue Serie: Die AZ begleitet die nächsten zwölf Monate zwei Landwirte aus dem Landkreis in ihrem Arbeitsalltag

Kartoffeln für Jägermeister

Friedrich Helmke mit seinem jüngsten Sohn Gerrit auf dem Gabelstapler in der Kartoffelscheune. Die Kartoffeln werden unter anderem in eine Brennerei geliefert. Der dort produzierte Alkohol wird für die Herstellung von Jägermeister verwendet. Foto: Wendlandt

Suhlendorf/Holthusen II. Was macht eigentlich ein Bauer im Winter? Wie sieht die tägliche Arbeit aus und wie oft fährt er in den Urlaub? Die neue AZ-Serie „Mit dem Landwirt durchs Jahr“ beleuchtet die Arbeit von zwei Landwirten im Kreis Uelzen.

Exemplarisch zeigen Friedrich Helmke aus Suhlendorf und Markus Kaiser aus Holthusen  II Einblicke in ihre aktuelle Arbeit. Jeden 3. Sonnabend im Monat blickt die AZ den beiden Landwirten und deren Familien über die Schulter.

So ein richtiges Weihnachtsgefühl kommt bei Friedrich Helmke noch nicht auf. „Ich muss noch alle Weihnachtsgeschenke kaufen“, sagt er. Und vorher wird noch Geburtstag gefeiert, denn heute wird er 45 Jahre alt. Da stehen Gäste ins Haus. Glücklicherweise kann Friedrich Helmke seine Arbeit mal einen Tag ruhenlassen, denn er kooperiert mit seinem Berufskollegen Eckhardt Krug, ebenfalls aus Suhlendorf. Die wichtigste Feldfrucht ist auf seinem Betrieb die Kartoffel. Seine Scheune ist noch voll und einen Teil seiner Ernte lieferte er an eine gemeinsame Alkoholbrennerei. „Die Brennerei ist der erste Grundstein für die betreibliche Zusammenarbeit“, schildert der Suhlendorfer Landwirt. Sie gibt es seit 40 Jahren. Diese Kooperation wurde 2002 mit einer Biogasanlage und einem Kartoffelschälbetrieb fortgesetzt.

Aus den Kartoffeln wird übrigens Ethanol-Alkohol gewonnen. Dieser Industrie-Alkohol wird unter anderem für die Herstellung des Käuterschnapses Jägermeister genutzt. Entstanden ist die Zusammenarbeit über die Rübenrodergemeinschaft, denn Zuckerrüben baut der Suhlendorfer Landwirt ebenfalls an. Die Schalen aus dem Kartoffelschälbetrieb landeten ursprünglich in der Biogasanlage in Grabau, doch inzwischen gibt es andere Abnehmer: „Wir haben einen Schweinestall gebaut und die Schalen dienen als Schweinefutter“, sagt das Geburtstagskind.

Zwei weitere Landwirte aus dem Kartoffelschälbetreib sitzen mit im Boot und kümmern sich in erster Linie um die Tiere. Friedrich Helmke hingegen kümmert sich um die Biogasanlage, die mit der Gülle aus dem Schweinestall und mit nachwachsenden Rohstoffen gefüllt wird. „Im letzten Jahr haben wir eine zweite Biogasanlage gebaut.“ Friedrich Helmke ist Geschäftsführer der Biogasanlagen. Glücklicherweise hat er jemanden gefunden, der sich um die beiden Anlagen vor Ort kümmert. „Das ist eine große Entlastung für uns“, freut sich der Suhlendorfer Landwirt. Im letzten Jahr haben es die Helmkes sogar mal eine Woche im Dezember in den Urlaub geschafft. Seitdem der sechsjährige Michel jedoch in der Schule ist, ist die Familie an die Schulferien gebunden.

Die Schulferien sind für den Holthusener Markus Kaiser längst passé. Der 28-Jährige ist seit 2006 gerlernter Landwirt. Nach der klassischen Ausbildung hatte er jeweils ein Jahr Schule, erst in Ebstorf, dann in Celle. Anschließend ging es zum Lehrbetrieb nach Melzingen und in einen weiteren Betrieb im Landkreis Harburg. Den Betrieb in Holthusen II betreibt er als Gbr mit seinen Eltern Henning und Bettina. 50 Milchkühe und weibliche Nachzucht befinden sich auf dem Hof. Hinzu kommen 40 000 Masthühner.

Die Woche verbrachte Markus Kaiser in Hannover, denn dort nahm er an einem Seminar des Bauernverbandes teil. Thema: ehrenamtliche Arbeit. „Im Seminar wurden Themen wie Medientraining, Hintergründe der Verbände, Agrarpolitik und -geschichte sowie das Genossenschaftswesen behandelt“, schildert der 28-Jährige. In fünf Blöcken findet diese Schulung des Bauernverbandes statt. Fortgesetzt wird sie Mitte Januar in Berlin. Im Betrieb in Holthusen II wartet in erster Linie, neben den Tieren, jede Menge Büroarbeit auf Markus Kaiser – und auf Friedrich Helmke auch.

Von Jörn Nolting

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