Wer kannte die Kontodaten?

Roscher streitet mit AOK über angebliche Weitergabe persönlicher Informationen

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Pawel Ziolkowski aus Rosche wirft der AOK Niedersachsen vor, seine persönlichen Daten, darunter die Bankverbindung, weitergegeben zu haben. Das bestreitet die Kasse entschieden.

Rosche. Eigentlich wollte Pawel Ziolkowski bei seiner Krankenkasse, der AOK Niedersachsen, nur ein neues Mitglied werben und dafür eine Geldprämie bekommen.

Doch zwischen dem 20-jährigen Roscher und der AOK hat sich daraus ein Streit um die angebliche Weitergabe persönlicher Daten entwickelt. Ziolkowski ist darüber erbost und erwägt nun, seine AOK-Mitgliedschaft zu kündigen und einen Rechtsanwalt einzuschalten. Die Krankenkasse weist die Vorwürfe hingegen zurück. Und so steht Aussage gegen Aussage – doch angesichts der heute in Kraft tretenden neuen Datenschutz-Grundverordnung der EU bekommt der Fall besondere Brisanz.

Begonnen hatte alles Anfang Mai, als sich Ziolkowski wegen der Mitgliederwerbung telefonisch bei der AOK Niedersachsen meldete. Wenige Tage später bekam der Roscher den Anruf eines Marktforschungsinstituts aus Norddeutschland. „Die Frau sagte mir, sie wolle zu Forschungszwecken meine Meinung zu aktuellen Themen einholen“, erzählt Ziolkowski. Außerdem sei er gefragt worden, wie zufrieden er mit dem Telefonat mit der AOK gewesen sei.

Plötzlich wurde Ziolkowski stutzig. „Die Anruferin vom Forschungsinstitut kannte meinen Namen, die Adresse und Telefonnummer. Und sie nannte mir die letzten IBAN-Ziffern meiner Bankverbindung“, berichtet Ziolkowski. Das habe ihn sehr verärgert. „Die Daten wurden offenbar von der AOK weitergegeben, und zwar ohne mein Einverständnis.“ Man höre immer wieder von Datenmissbrauch. Deshalb hat der 20-Jährige aus dem Vorfall Konsequenzen gezogen und seine Bankverbindung geändert.

Die AOK gebe regelmäßig Befragungen zur Zufriedenheit ihrer Kunden in Antrag, erklärt Carsten Sievers, Pressesprecher der AOK Niedersachsen. Dazu bediene sich die Kasse seit vielen Jahren eines professionellen Dienstleisters. Datenschutzrechtlich sei diese Auftragsvergabe erlaubt.

„Dass unser Dienstleister jedoch von uns die Bankverbindung von Herrn Ziolkowski kannte, ist absolut ausgeschlossen. Es werden nur die nötigsten Informationen verschlüsselt zur Verfügung gestellt, die für den einmaligen telefonischen Kontakt erforderlich sind“, versichert Sievers. Im Detail seien das Name, Vorname, Geschlecht und Telefonnummer. „Die Anruferin kann keine weitere Information gehabt haben: weder die Bankverbindung noch die Adresse, auch kein Geburtsdatum oder die Versichertennummer“, betont der AOK-Sprecher. Ziolkowskis Protest sei auch ein absoluter Einzelfall. Andere Kundenbeschwerden zu den Befragungen lägen der AOK nicht vor.

Sievers gibt jedoch zu, dass die Kasse es versäumt habe, Ziolkowski vorher zu fragen, ob er mit einer nachträglichen Kundenbefragung einverstanden ist. Das bedauere die AOK. „In einem Telefonat haben wir Herr Ziolkowski bereits persönlich um Entschuldigung gebeten. Wir werden dies zusätzlich auch schriftlich tun“, kündigt Sievers an.

Von Bernd Schossadowski

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