Freibad in Rosche: Schwimmmeister Rüdiger Lohse kontrolliert Anlage zweimal in der Woche

Kampf gegen Eis am Beckenrand

+
Viele Rohre, doch einer hat den Überblick: Rosches Schwimmmeister Rüdiger Lohse kontrolliert die Heizungsanlage.

Rosche. Ein Kopfsprung ins Wasser könnte nicht nur erschreckend kalt, sondern auch erschreckend schmerzhaft sein. Acht bis zehn Zentimeter beträgt nämlich noch die Dicke der Eisschicht, die auf dem Schwimmbecken des Freibads Rosche treibt. Nur am Rand befindet sich kein Eis.

Rosches Schwimmmeister Rüdiger Lohse erklärt, warum: „Unser Bad ist nicht gefliest, sondern wir haben eine Folie. Und die darf nicht anfrieren. “ Deshalb befindet sich im Winter ein Rohrsystem rund um den Beckenrand. Mit Hilfe von Pumpen wird das vier Grad warme Wasser vom Grund nach oben gepumpt und dann mit Hilfe der Rohre verteilt, sodass der Rand des Beckens eisfrei bleibt.

Eisschicht auf dem Wasser: Damit der Rand des Schwimmbeckens frei von Frost bleibt, sorgt ein Pumpensystem dafür, dass warmes Wasser vom Grund des Beckens nach oben gespült wird. Schwimmmeister Rüdiger Lohse muss die Pumpe regelmäßig überwachen.

Im Gegensatz zu anderen Schwimmbädern bleibt das Becken in Rosche randvoll. „Die Pumpe läuft den ganzen Tag“, erklärt Lohse, der mindestens zweimal in der Woche seinen Kontrollgang durch das Freibad macht. Auch gerade nach dem Sturm in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag, denn schließlich könnte ja ein Ast im Schwimmbecken liegen. Im Sommer hat Lohse eine Sechs-Tage-Woche, in der Winterpause kann er es etwas gemütlicher angehen – noch. Denn seit der Jahreswende beginnt für den Schwimmmeister die Planung für das ganze Jahr. Anschaffungen müssen geplant werden, genauso wie Reperaturen und Veranstaltungen. Einen Wassersauger hätte Lohse gern für sein Schwimmbad. „Das ist ein computergesteuertes Unterwasserreinigungsgerät. Kostet aber auch um 15 000 Euro“, weiß der Roscher. Seit nun schon fünf Jahren wünscht er sich diese Anschaffung.

Eine neue Errungenschaft, die im April ein Jahr alt wird und sich somit eine Freibad-Saison lang bewähren konnte, ist die neue Heizungsanlage. „Statt 24 Grad beträgt die Wassertemperatur nun 26 Grad“, freut sich Lohse. Gerade die Schwimmer merkten jedes Grad. „Die Gäste sind länger im Wasser“, hat der Schwimmmeister festgestellt. Die 26 Grad seien eine Existenzfrage.

Doch das ist längst nicht alles. Die Wärme im Schwimmbecken stammt von der Biogasanlage. Diese liefert Biogas an das Blockheizkraftwerk (BHKW), das zwischen Freibad und Tennisplatz steht. Im BHKW wird das Biogas zu Strom verbrannt. „Wir nutzen dann die Abfallwärme“, erklärt Lohse. Doch nicht nur das Freibad profitiert von der Abwärme, auch die Schule und die Sporthalle. „Im Sommer nutzen wir die Wärme, im Winter die Schule“, bringt es der Schwimmmeister kurz auf den Punkt. Auch einige private Haushalte sind angeschlossen.

Durch die neue Heiztechnik ist der Heizungsraum des Bades wesentlich luftiger geworden. Die alte Ölheizung ist verschwunden und Öltanks gibt es auch nicht mehr. Neben den Warmwassertanks steht nur noch ein Wärmetauscher in dem kleinen Raum. Lohse ist vor allem der Umweltaspekt bisher zu kurz gekommen. „Als ich 1993 angefangen habe, da hat das Heizöl 39 Pfennige gekostet. Inzwischen sind es 99 Cent“, rechnet der Schwimmmeister. 40 000 bis 45 000 Liter Öl hatte Lohse bisher im Durchschnitt verheizt. „In diesem Jahr hätten wir 50 000 Liter Heizöl verbraucht“, schätzt der Roscher Schwimmmeister. Aufmerksam solle man hingegen bei den Maisanbauflächen sein. Das müsse man zwar in Kauf nehmen, aber trotzdem auf das Ausmaß achten. „Ich möchte aber auch kein Atomkraftwerk hier haben. Ich halte Biogas für zukunftsweisend“, findet Rüdiger Lohse. Es biete auch den Landwirten sehr viele Möglichkeiten. „Ich als Energieabnehmer muss mir überlegen, wo die Energie herkommt. Schließlich verursache ich mit dem Schwimmbad mehr Wasser- und Stromverbrauch als andere in ihrem ganzen Leben.“

Was ihm und der Samtgemeinde in naher Zukunft zu schaffen machen wird, ist die Gebäudesituation des Bades. Das Bauwerk ist über 40 Jahre alt und bedarf eines hohen Aufwandes, egal ob Sanierung oder Neubau. Doch das ist noch Zukunftsmusik. So langsam muss Rüdiger Lohse die kommende Saison vorbereiten. Um den 10. April muss alles fertig sein, damit am 1. Mai oder früher geöffnet werden kann. Bis dahin gilt es für den Schwimmmeister auch noch, Saisonkräfte für den Schwimmbetrieb und den Kiosk zu finden. Aber auch alltägliche Arbeiten gehören dezeit zu seinen Aufgaben: Blumen gießen, Pumpenkontrolle und Zähler ablesen zählen dazu.

Von Jörn Nolting

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare