„Ich wollte das Haus abreißen“

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Total demolierte Wohnungseinrichtung: Rund 30 000 Euro Schaden richtete Stefan P. allein im Haus seiner ehemaligen Lebensgefährtin an, nochmal der gleiche Schaden entstand, als er das Dach abdeckte.

Suhlendorf/Lüneburg - Von Thomas Mitzlaff. „Er war über mir, drückte meinen Hals immer fester zu. Ich dachte, das wars dann.“ Die 39-jährige Frau bekommt keinen Laut mehr heraus, sie hat Todesangst.

„Dann war plötzlich meine Nachbarin da und er war runter von mir.“ Versuchten Totschlag wirft die Staatsanwaltschaft Stefan P. seit gestern vor dem Landgericht wegen jener Attacke auf seine Ex-Lebensgefährtin vor. Doch der brutale, von Schlägen und Tritten begleitete Angriff war an jenem 28. Juni in der kleinen Ortschaft Batensen bei Suhlendorf nur der Auftakt zu einer fast dreistündigen Gewaltorgie, bis schließlich Polizisten den 45-jährigen Betrunkenen überwältigten. Das Sondereinsatzkommando war zu diesem Zeitpunkt schon auf dem Weg in den Landkreis Uelzen.

Nach der Würge-Attacke demoliert Stefan P. die komplette Inneneinrichtung des kleinen Einfamilienhauses seiner Freundin. Betten, Schränke, Computer, Fernseher – nichts bleibt heil. Außerdem stellt er zwei Herdplatten an, um das Haus anzuzünden. Dann klettert der 45-Jährige auf das Dach. „Ich wollte das Haus abreißen, komplett“, sagt er gestern vor Gericht. Drei Stunden lang reißt er Dachpfannen und Holzlatten heraus und wirft sie in Richtung von Polizisten. „Ich wollte, dass sie Abstand halten“, sagt P. gestern zum Prozessauftakt. Ein drei Meter langer Balken trifft einen Beamten und verletzt ihn.

Für den 45-Jährigen geht es um viel in der Verhandlung vor der 2. Strafkammer. Versuchten Totschlag, versuchte schwere Brandstiftung, Sachbeschädigung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte wirft die Anklage ihm vor. P. ist alkoholabhängig, stand zum Tatzeitpunkt außerdem unter Medikamenteneinfluss. Er ist derzeit in der geschlossenen Psychiatrie untergebracht. Die Staatsanwaltschaft hält ihn weiterhin für gefährlich – das könnte einen jahrzehntelangen Aufenthalt in der psychiatrischen Klinik bedeuten.

An jenem 28. Juni waren das spätere Opfer und Stefan P. längst getrennt. Betrunken radelt er zum Haus seiner Ex-Freundin. „Sein Gesicht war zu einer Fratze entstellt, ich wusste, dass es Stress gibt“, schildert die 39-Jährige. Sie versucht ins Haus zu flüchten, doch Stefan P. ist schneller. Noch heute leidet sie unter dem Angriff, „sie hat bis heute Todesangst“, sagt ihr Anwalt Jörg Kronenberg.

Er sei ausgetickt, weil seine Ex-Lebensgefährtin ihm 10 000 Euro unterschlagen habe, behauptet P.. An viele Details erinnert er sich gestern, nur vom Würge-Angriff will er nichts mehr wissen. „Aber wenn ich in Rage bin, mache ich eine Menge“, sagt er. Das Urteil wird voraussichtlich nächsten Mittwoch gesprochen.

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