Höhere Hürde für Fahrt nach Clenze?

Suhlendorfer Eltern kritisieren Kreis Uelzen: Besuch der KGS soll erschwert werden

Die elfjährige Merle Köhler und ihr zwei Jahre älterer Bruder Joris aus Suhlendorf, hier beim Homeschooling, besuchen die KGS Clenze. Die Höhe der jährlichen Erstattung der Schülertickets durch den Landkreis Uelzen sorgt für Ärger.
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Die elfjährige Merle Köhler und ihr zwei Jahre älterer Bruder Joris aus Suhlendorf, hier beim Homeschooling, besuchen die KGS Clenze. Die Höhe der jährlichen Erstattung der Schülertickets durch den Landkreis Uelzen sorgt für Ärger.
  • Bernd Schossadowski
    vonBernd Schossadowski
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Suhlendorf – Sie haben für ihre Kinder Merle (11) und Joris (13) bewusst die KGS Clenze im Kreis Lüchow-Dannenberg ausgesucht. Martina und Jens Köhler aus Suhlendorf sind vom pädagogischen Angebot der Kooperativen Gesamtschule überzeugt.

Zudem dauert die Busfahrt dorthin nur eine Viertelstunde. Doch die Köhlers befürchten, dass vom nächsten Schuljahr an deutlich weniger Schüler aus dem Landkreis Uelzen die KGS Clenze besuchen werden. Die hiesige Kreispolitik hat nämlich beschlossen, den jährlichen Zuschuss zur Schülerbeförderung für Eltern, deren Kinder auf eine weiterführende Schule außerhalb der Kreisgrenzen gehen, von 1484 auf 502 Euro zu verringern (AZ berichtete).

Mehrkosten bei der Schülerbeförderung

Zwar sind Merle und Joris nicht davon betroffen, denn für alle Schüler, die schon jetzt außerhalb des Landkreises unterrichtet werden, gilt bis zum Ende der zehnten Klasse Bestandsschutz. Trotzdem glauben die Köhlers, dass sich bald nur noch wenige Familien die Mehrkosten bei der Schülerbeförderung nach Clenze leisten können.

„Das ist einfach nicht fair den Eltern und Kindern gegenüber“, ärgert sich Jens Köhler. Die Entscheidung der Kreispolitik „zielt einzig und allein darauf ab, dass aus unserem Landkreis keine Kinder mehr nach Clenze gehen“. Hinzu kommt: Bei sinkender Auslastung der Schulbusse müssten die Unternehmen die Fahrpreise erhöhen, um ihre Kosten zu decken, so Köhler. „Oder sie sagen, sie fahren künftig nicht mehr nach Clenze.“ Schon jetzt falle es vielen Familien schwer, die Schülertickets, wie vereinbart, drei Monate im Voraus zu bezahlen, schildert Martina Köhler. „Der Landkreis erstattet das Geld erst einige Wochen später. Man muss es meist vier bis fünf Monate vorstrecken, bevor man es wiederbekommt.“

Wie sich sinkende Schülerzahlen finanziell auswirken, berichtet die Soltendieckerin Gabi Marxen. Ihre elfjährige Tochter Michelle fährt mit dem Schulbus zur KGS Clenze. Bislang zahlte sie pro Tag 8,90 Euro für die Hin- und Rückfahrt ans Clenzer Busunternehmen Kirschbaum, jetzt sind es 20 Euro. Der Grund für die Preiserhöhung: Weil derzeit oft im Homeschooling unterrichtet wird, fahren weniger Schüler im Bus mit.

Der Landkreis habe ihr auf Nachfrage mitgeteilt, dass er seinen Zuschuss nicht erhöhen werde. „Wir fühlen uns allein gelassen“, sagt Gabi Marxen. „Es bleibt uns nichts anderes übrig, als die 20 Euro zu zahlen.“ Gerne hätte die AZ auch eine Stellungnahme von Kirschbaum eingeholt. Doch das Busunternehmen wollte sich auf telefonische Anfrage nicht dazu äußern.

Jens Köhler nennt noch einen weiteren Kritikpunkt: Der ÖPNV-Fahrplan für die Strecke Suhlendorf-Clenze ist nicht auf den Unterrichtsbeginn der KGS abgestimmt. Würden Merle und Joris morgens mit diesem Bus fahren, kämen sie 15 Minuten zu spät. „Der Landkreis Uelzen ist nicht gewillt, eine zeitlich bessere Linienbusverbindung zu schaffen. Das ist Verschwendung von Steuergeldern“, schimpft Jens Köhler.

Landkreis verteidigt das neue Tarifmodell

Anders sieht das die Uelzener Kreisbehörde. Die neue Erstattungshöhe resultiere aus einer ÖPNV-Tarifänderung zum 1. Januar 2020, teilt Kreissprecher Martin Theine auf AZ-Anfrage mit. Dabei handele es sich „keinesfalls um eine schulpolitische Maßnahme, sondern um eine Entscheidung zur Verbesserung des ÖPNV-Angebotes.“ So kostet die teuerste Schülerjahreskarte nur noch 502 statt 1484 Euro. Daher sei die Höhe der Erstattung entsprechend angepasst worden. Diese neue Regelung werde nicht zu einer Einsparung für den Landkreis führen, weil dieser „als Ausgleich für geringere Fahrgeldeinnahmen den ÖPNV entsprechend höher fördert“, erklärt Theine.

Gespräche über eine Änderung des Linienbusfahrplans nach Clenze seien „zurzeit nicht konkret geplant“. Die Organisation der Schülerbeförderung zu Schulen außerhalb des Kreisgebietes sei nicht Aufgabe des Landkreises Uelzen. „Im Übrigen“, so Theine, „liegt die Zuständigkeit für die Linienverkehre im Landkreis Lüchow-Dannenberg bei diesem.“

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