Neue Genossenschaft setzt auf regionale Erzeugung statt Import

Großflächiger Knoblauch-Anbau rund um Stoetze

Geschäftsführer Karsten Främbs steht im Kreis mehrerer Gäste und erläutert ihnen die neue Lagerhalle der Genossenschaft.
+
Karsten Främbs (4. von links), Geschäftsführer der Heide Wendland Gemüse GmbH & Co. KG, führte jetzt Besucher durch die neue Lagerhalle für Knoblauch, die auf dem Gelände der Saatbau Stoetze errichtet wurde.
  • Bernd Schossadowski
    VonBernd Schossadowski
    schließen

Die Saatbau Stoetze schafft sich ein neues Standbein. Ihre 2020 gegründete Tochter, die Heide Wendland Gemüse GmbH & Co., baut auf einer Fläche von 34 Hektar Knoblauch an. Dazu wurde für rund 1,5 Millionen Euro eine große Lagerhalle gebaut.

Stoetze – Wer durch die neue Lagerhalle auf dem Gelände der Saatbau Stoetze geht, wähnt sich auf einem südeuropäischen Wochenmarkt oder in der Küche eines mediterranen Restaurants. Denn die gesamte Halle ist von Knoblauchgeruch erfüllt. Kein Wunder: Die würzige Knolle wird dort in offenen Holzkisten zwischengelagert. Mit dem großflächigen Knoblauch-Anbau hat die 2020 gegründete Heide Wendland Gemüse GmbH & Co. KG (HWG), eine Tochter der Saatbau Stoetze, ein neues Geschäftsfeld unter dem Markennamen „Knobiland“ erschlossen.

„Warum soll der Knoblauch aus Übersee kommen? Warum bauen wir ihn nicht regional an?“ – diese Fragen haben laut Karsten Främbs, Geschäftsführer der HWG, am Anfang des Projekts gestanden. Und so haben sich in der Genossenschaft 31 Landwirte zusammengeschlossen, die auf einer Fläche von 34 Hektar Knoblauch anbauen. „Maximal 15 Kilometer rund um Stoetze“, erklärt Främbs.

Die Gründung der HWG habe „eine Innovation für den norddeutschen Raum zur Etablierung des Knoblauchanbaus in unseren Gefilden“ gestartet, berichtet er. Angepflanzt wurden die Knollen im Oktober 2020, geerntet ab Ende Juni. „Wir bauen vier Sorten an: zwei spanische, eine französische und eine ukrainische“, sagt Främbs, der zusammen mit Thorsten Kruse auch Geschäftsführer der Saatbau Stoetze ist. Ebenfalls Ende Juni wurde die 60 mal 30 Meter große Lagerhalle mit Vordach fertiggestellt. Einschließlich der Photovoltaik-Anlage, die noch auf dem Dach installiert werden soll, hat die Halle etwa 1,5 Millionen Euro gekostet.

Die HWG vermarktet sowohl frischen als auch getrockneten Knoblauch. Ersterer wird in drei Zellen bei einer Temperatur von zwei Grad gelagert. „Darin wird der Sauerstoff entzogen, der CO2-Gehalt beträgt sechs bis acht Prozent“, erläutert Främbs. Das halte die Knollen lange frisch, sodass die Märkte kontinuierlich beliefert werden können. In drei weiteren Zellen wird der Knoblauch ebenfalls bei zwei Grad getrocknet. „Mit den sechs Zellen haben wir das größte Knoblauch-Lager dieser Art in Deutschland errichtet“, sagt Främbs nicht ohne Stolz.

Um sich zukunftsträchtig aufzustellen, setzt die HWG auf viele verschiedene Abnehmer. Neben den Lebensmittel-Riesen Netto und Edeka sind es die umliegenden Großmärkte, aber auch einige kleine Händler. „Wir wollen Fuß vor Fuß setzen, damit wir auf den Märkten präsent sind“, beschreibt es Främbs.

Für die Knoblauchernte beschäftigt die HWG 16 sozialversicherungspflichtige Helfer aus Rumänien und Polen. Für zwölf von ihnen wurden jetzt neue Unterkünfte in Modulbauweise auf dem Saatbau-Gelände errichtet. Die Metallcontainer bieten vier Wohneinheiten mit jeweils 30 Quadratmetern, ausgestattet mit Schlafzimmer, Küche, WC, Dusche und Heizung. „Unsere Erntehelfer sollen sich bei uns wohlfühlen, damit sie nächstes Jahr wiederkommen“, betont Främbs.

Unterdessen ist die Saatbau Stoetze als Mutter der HWG noch auf anderem Gebiet innovativ. Seit 2018 kooperiert sie mit ihrem Blockheizkraftwerk (BHKW) mit der Bioenergie Stoetze. Über ein verzweigtes Netz wird die Hälfte des Ortes von der Saatbau mit Wärme beliefert, ebenso die pädagogische Arbeitsgemeinschaft Humanopolis in Groß Malchau. Die andere Hälfte von Stoetze bezieht Wärme von der Bioenergie (AZ berichtete). Außerdem werden alle Liegenschaften der Saatbau zur Trocknung von Zwiebeln, Knoblauch oder Getreide mit Abwärme des BHKW versorgt. Durch die geplante Photovoltaik-Anlage wird überdies Strom erzeugt. „Das bringt uns bei der Klimaneutralität weit nach vorne“, freut sich Thorsten Kruse.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare