Peter Mohwinkel aus Rosche engagiert sich ehrenamtlich als Schiedsperson

„Es gibt keine Verlierer“

Häufig führen banale Dinge, wie etwa eine zu weit auf das Grundstück ragende Hecke, zu handfesten Streitigkeiten zwischen Nachbarn. Seit fünf Jahren ist Peter Mohwinkel aus Rosche ehrenamtlich als Schiedsperson im Einsatz, um solche Konflikte aus der Welt zu schaffen.
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Häufig führen banale Dinge, wie etwa eine zu weit auf das Grundstück ragende Hecke, zu handfesten Streitigkeiten zwischen Nachbarn. Seit fünf Jahren ist Peter Mohwinkel aus Rosche ehrenamtlich als Schiedsperson im Einsatz, um solche Konflikte aus der Welt zu schaffen.

Rosche – Hunde bellen Tag und Nacht, Hähne krähen zu laut und die Äpfel aus Nachbars Garten fallen alle über den Gartenzaun, was eine unflätige Beleidigung nach sich zieht: Es gibt viele Gründe, sich zu streiten, vor allem mit unliebsamen Nachbarn.

Seit fünf Jahren ist Peter Mohwinkel aus Rosche im Einsatz, um solche Streitereien aus der Welt zu schaffen.

Er arbeitet ehrenamtlich für die Samtgemeinde Rosche als Schiedsperson. „Unser Motto ist ,Schlichten statt Richten’“, erzählt Mohwinkel. Bevor er in Rente ging, war der Roscher als Polizist unterwegs – der Gerechtigkeitssinn gehört sozusagen schon zu seiner DNA. „In den meisten Fällen geht es um Streitigkeiten in der Nachbarschaft“, weiß Mohwinkel. Es sind häufig ganz harmlose Dinge wie eine Hecke, die zu weit auf ein Grundstück ragt, an der sich handfeste Streits entwickeln. „Das sind manchmal Nachbarn, die jahrelang Geburtstage miteinander gefeiert haben. Plötzlich reden die kein Wort mehr miteinander.“

Kompromisse finden ohne Richter

Bevor so ein Fall vor dem Richter landet, kommen Schiedspersonen wie Mohwinkel ins Spiel. Sie versuchen, auf die Parteien einzuwirken, sich außergerichtlich zu einigen. „Wir versuchen, die Menschen wieder an einen Tisch zu bringen, um miteinander zu reden.“ Oftmals haben solche Streitigkeiten eine lange Vorgeschichte, die sich teilweise über Jahre aufgebaut hat. „Meistens sind es emotionale Themen, Missverständnisse oder gar Verletzungen, die dahinterstehen.“

Die Schiedsperson hört sich die beiden Parteien an, jeder kommt zu Wort. Die Kunst sei es, im richtigen Moment einzugreifen und vermittelnd einzuwirken. „Manchmal helfen schon sogenannte ,Tür- und Angel-Gespräche’, bei denen eine Einigung schnell und unkompliziert herbeigeführt werden kann“, sagt Mohwinkel. Ist die Lösung nicht so einfach, kommt es zu einem ordentlichen Schiedsverfahren. Die Parteien werden offiziell geladen und sind verpflichtet, dem Folge zu leisten. Die Schiedsperson versucht, mit den beiden Seiten eine Einigung zu erzielen. Dafür müssen auch Gesetzestexte gewälzt werden, wie das Niedersächsische Nachbarschaftsgesetz. „Wenn man sich für dieses Ehrenamt entscheidet, muss man wissen, was auf einen zukommt“, sagt der 70-Jährige.

Das Ergebnis ist rechtlich bindend

Das Ergebnis der Schlichtung, im Idealfall ein Vergleich, wird von beiden Parteien erarbeitet und schriftlich festgehalten. Es ist 30 Jahre gültig und kann so lange auch vollstreckt werden. „In vielen Fällen können wir gemeinsam verhindern, dass Streitigkeiten sofort vor Gericht landen“, sagt Mohwinkel. Das spart den Beteiligen Nerven, Geld – und entlastet die Amtsgerichte.

„Schiedspersonen sollten Lebenserfahrung und Gerechtigkeitssinn mitbringen“, so Mohwinkel. Jeder Beteiligte habe seine eigene Sicht auf die Wahrheit. „Aber einer lügt. Da hilft es mir schon, dass ich mal Polizeibeamter war“, sagt Mohwinkel und lacht.

Schiedspersonen tragen viel Verantwortung, helfen sie doch dabei, eine tragfähige Lösung zwischen streitenden Parteien zu finden, die länger trägt. „Das Gute an einem Schiedsverfahren ist, dass es eigentlich keine Verlierer gibt. Allein das ist es wert, dass man nach einer Lösung sucht.“ VON NICOLE LÜTKE

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