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Geplanter Radweg zwischen Batensen und Groß Ellenberg stößt auf scharfe Kritik

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Von: Bernd Schossadowski

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Ein Weg führt bei Batensen zwischen Bäumen hindurch.
Der Radweg zwischen Batensen und Groß Ellenberg soll unter anderem über dieses vorhandene Teilstück führen. Der Nabu-Kreisverband übt Kritik an dem Vorhaben, die Samtgemeinde Rosche weist diese zurück. © Lars Lohmann

Der Kreisverband Uelzen des Naturschutzbundes kritisiert den geplanten Radweg zwischen Batensen und Groß Ellenberg. Dadurch werde ein Biotop gefährdet, warnt Vorsitzender Michael Walke. Rosches Samtgemeindebürgermeister Michael Widdecke weist die Kritik zurück.

Batensen/Groß Ellenberg – Es ist das größte Projekt, das sich die Samtgemeinde Rosche für 2023 vorgenommen hat: Für geschätzte 750 000 Euro soll ein Radweg zwischen Batensen und Groß Ellenberg gebaut werden. Wie berichtet, werden 90 Prozent der Kosten aus einem Sonderförderprogramm des Landes finanziert. Doch während die Samtgemeinde von der 2,2 Kilometer langen Verbindung eine deutliche Verbesserung für Radler erwartet, übt der Kreisverband Uelzen des Naturschutzbundes (Nabu) Kritik an dem Vorhaben.

Dessen Vorsitzender Michael Walke befürchtet, dass für den Bau des Radweges zahlreiche Bäume gefällt werden müssen. „Es geht um einen Eingriff in ein wertvolles Biotop“, sagt er im AZ-Gespräch. Das betroffene Gebiet würde dadurch „unwiederbringlich seine Wertigkeit verlieren“. Deshalb halte der Nabu-Kreisverband weitere artenschutzrelevante Untersuchungen vorab für dringend erforderlich, so Walke.

Zudem bezweifelt er, dass der Radweg überhaupt erforderlich ist. „In erreichbarer Nähe ist bereits ein asphaltierter Weg zwischen Batensen und der B 71 bei Wellendorf vorhanden. Entlang dieser Verbindung könnte man auf dem breiten Wegeseitenraum einen vereinfachten Radweg, zum Beispiel in wassergebundenem Kies, errichten“, schlägt Walke vor.

Aus seiner Sicht würden Steuergelder „für ein mehr als fragwürdiges Bauprojekt“ ausgegeben, kritisiert Walke die geplante Verbindung zwischen Batensen und Groß Ellenberg. Und er fragt sich, ob damit ein landwirtschaftlicher Weg „durch die Hintertür“ geschaffen werden soll.

Jörg Grützmann, Mitglied des Nabu-Kreisverbandes und Sprecher der Bürgerinitiative für Naturschutz und Stadtökologie, teilt Walkes Bedenken. „Zwischen dem Ortsausgang von Batensen und dem Batenser Moor gibt es eine extreme Dichte an seltenen Vogelarten“, erklärt er. Dort hat Grützmann elf singende Ortolan-Männchen nachgewiesen, ebenso weitere geschützte Arten wie Nachtigall, Wendehals, Kleinspecht, Wachtel, Rebhuhn und Pirol.

„Der Bau des Radweges verändert die Landschaft für jeden einzelnen Vogel. Jede Störung während der Brutzeit ist gefährlich“, warnt er. Sollte ein breiter, befestigter Weg in das intakte Biotop hineinlegt werden, hätte das laut Grützmann fatale Folgen: „Ich übertreibe nicht: Das wäre der Todesstoß für das Kleinod.“

Rosches Samtgemeindebürgermeister Michael Widdecke weist die Nabu-Kritik entschieden zurück. „Wir haben gar nicht vor, den Wald rechts und links des Weges plattzumachen. Wir wollen auf einer vorhandenen Trasse bauen“, betont er gegenüber der AZ. So seien 840 Meter des Weges bereits asphaltiert, weitere 250 Meter sollen mit Schotter ausgebaut werden, der Rest sei schon als Wegetrasse vorhanden.

Vom Vorschlag des Nabu, die vorhandene Verbindung zwischen Batensen und der B 71 zu nutzen, hält Widdecke nichts. Dieser Weg mündet auf freier Strecke zwischen Wellendorf und Groß Ellenberg in die Bundesstraße, wo Tempo 100 gefahren werden darf. „Es ist nicht zielführend, wenn Radfahrer dort die Straße überqueren müssen, um auf der anderen Seite auf dem Radweg weiterzufahren“, sagt Widdecke. Die von der Samtgemeinde ins Auge gefasste Trasse würde hingegen in der Ortsmitte von Groß Ellenberg enden, wo maximal 50 km/h erlaubt sind. Das sei für Radfahrer die wesentlich sicherere Lösung. Widdeckes Fazit: „Es gibt den eindeutigen Wunsch der Bevölkerung und der Politik, einen vernünftigen asphaltierten Radweg von Batensen zu schaffen. Wer soll einen Weg mit wassergebundener Decke hinterher unterhalten?“

In der kommenden Woche werde sich die Samtgemeinde mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises und dem Fachplaner treffen und das weitere Vorgehen in puncto Radwegebau abstimmen, kündigt Widdecke an. Dann werde es auch um artenschutzrelevante Untersuchungen in dem genannten Gebiet gehen.

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