Angst vor Corona im Klassenraum

Gegen Abiprüfung in Zeiten der Pandemie: Grabauerin protestiert auf Instagram

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Alexandra Mödebeck (19) aus Grabau ist gegen Abiturprüfungen in räumlicher Enge der Schulen.

Grabau – Der Lernstress für das anstehende Abitur ist für viele Schüler schon anstrengend genug. Doch jetzt kommt eine weitere Sorge hinzu: Wie können sie in Zeiten der Corona-Pandemie ihre Abiprüfungen in einem voll besetzten Klassenraum schreiben?

Diese Bedenken hat Alexandra Mödebeck aus Grabau.

Deshalb hat die 19-Jährige, die die 13. Klasse der KGS Bad Bevensen besucht, zusammen mit ihrer Freundin Lena Jacobs aus Jelmstorf und weiteren Abiturienten unter #Makeabigreatagain eine Protest-Initiative auf Instagram gestartet.

„Es geht hierbei darum, dass das Abi 2020 nicht einfach nach Plan verlaufen kann“, erklärt Alexandra Mödebeck. Es sei „komplett unverantwortlich“, dass wegen der Corona-Krise bundesweit die Schulen geschlossen wurden, aber das Abitur ganz normal stattfinden soll. Nach jetzigem Stand beginnt für die Abiturienten in Niedersachsen am 20. April wieder der Schulalltag.

„Wir haben alle Eltern, Großeltern, Bekannte und Verwandte im Risikoalter. Wir haben Angst, dass wir uns durch den Kontakt mit mehr als zehn Personen anstecken und das Virus weitertragen“, sagt sie. Die Bildungsminister der Bundesländer hätten mit ihrem Beschluss, die Abiturprüfungen in diesem Jahr wie geplant stattfinden zu lassen, versagt. Stattdessen schlägt Alexandra Mödebeck das Durchschnittsabitur vor – also die bisher erreichten Schulnoten als Abi-Schnitt zu nehmen.

Die 19-Jährige ist überzeugt, dass die Schulen nach den Osterferien nicht zum normalen Alltag zurückkehren können. „Die Zahlen der Infektionen steigen täglich. Es kann nicht sein, dass Schüler Angst haben, Abitur zu schreiben“, betont Alexandra Mödebeck. Sie selbst kenne Mitschüler, die Panikattacken bekommen hätten beim Gedanken, ihre Prüfung in einem Raum abzulegen, in dem der Mindestabstand für den Corona-Schutz nicht gewährleistet ist. „Unter den Schülern herrscht derzeit großer psychischer Druck. Man kann sich einfach nicht aufs Lernen konzentrieren“, berichtet sie.

Welche Folgen das Beharren auf Abiprüfungen haben könne, zeige sich in Hessen. Dort sei eine Schülerin kürzlich positiv auf Corona getestet worden, ihrer Mitschüler und Lehrer hätten daraufhin in Quarantäne gemusst. „Ich habe Angst, dass das Gleiche passiert, wenn wir am 20. April wieder in die Schule müssen“, sagt die junge Frau. Daran ändere auch die Tatsache nichts, dass Niedersachsen die Abiprüfungen kurzfristig um drei Wochen nach hinten verschoben hat.

Jetzt hofft Alexandra Mödebeck, dass ihre Initiative auf Instagram möglichst viel Unterstützung erfährt. Ihre Argumente erläutert die junge Frau auch in einem selbst gedrehten Video unter https://youtu.be/P4eWyeHbCZ8.

VON BERND SCHOSSADOWSKI

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