Kreis plant neues Gutachten zu möglichen Schadstoffen auf Flugplatz Barnsen

Gefahren für das Grundwasser?

Der Flugplatz bei Barnsen wurde bereits 2018 auf mögliche Schadstoffbelastungen untersucht. Jetzt plant der Landkreis weitere Überprüfungen des Erdreiches und Grundwassers. FotoS: SCHOSSADOWSKI
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Der Flugplatz bei Barnsen wurde bereits 2018 auf mögliche Schadstoffbelastungen untersucht. Jetzt plant der Landkreis weitere Überprüfungen des Erdreiches und Grundwassers.

Barnsen/Uelzen – Auch mehr als 20 Jahre nach dem Einbau großer Mengen Gleisschotter auf dem Flugplatz bei Barnsen beschäftigt das Thema noch immer die Kreispolitik.

In der Sitzung des Umweltausschusses stellten zwei Experten der Professor Burmeier Ingenieurgesellschaft (BIG) jetzt die Ergebnisse ihres 2018 erstellten Gutachtens zur Schadstoffbelastung im Boden des Flugplatzes vor. Dieser liegt im Wasserschutzgebiet der Stadt Uelzen.

Auch wenn es auf Wunsch der Kreispolitik dazu noch weitere Untersuchungen geben wird, ist sich BIG-Mitarbeiter Christian Poggendorf sicher: „Eine Gefährdung der Trinkwasserversorgung ist extrem unwahrscheinlich.“

Wie berichtet, wurden von Herbst 1998 bis Frühjahr 1999 für die Verlängerung der Start- und Landebahn des Flugplatzes mehr als 30 000 Kubikmeter Boden eingebaut. Ob der verwendete Gleisschotter mit gesundheitsgefährdenden Schadstoffen belastet ist, wurde im BIG-Gutachten untersucht.

Tatsächlich wurden im Erdreich Schwermetalle wie Blei und Arsen, aber auch polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe und Herbizide nachgewiesen, im Niederschlags-Stauwasser zudem das Pflanzenschutzmittel Ethidimuron, das wegen möglicher Gesundheitsgefahren in Deutschland nicht mehr zugelassen ist. Doch die von der BIG ermittelten Konzentrationen seien nur gering gewesen. „Das war alles nicht dramatisch“, sagte Poggendorf.

In der Drainage und im tiefer gelegenen Grundwasser seien hingegen keine erhöhten Schadstoffgehalte festgestellt worden. Ohnehin sei eine Durchsickerung bis ins Grundwasser wenig wahrscheinlich, weil dazwischen eine Auelehmschicht liege, die wie ein Filter wirke.

Allerdings gibt es noch einige offene Fragen, die mit einem vertiefenden Gutachten geklärt werden sollen. Wie groß ist die Ausdehnung der schadstoffhaltigen Auffüllungen? Das könnte mit Baggerschürfungen untersucht werden. Wie mächtig ist die Auelehmschicht? Dazu sollen Löcher mit jeweils fünf Zentimetern Durchmesser in den Boden gebohrt werden. Wohin fließt das Stauwasser oberhalb des Auelehms ab? Und gibt es vielleicht doch Schadstoffbelastungen im Grundwasser? Das soll mit speziellen Messstellen ermittelt werden, sagte BIG-Mitarbeiter Nils Hederich.

Ausschussmitglied Kurt Ziplys (SPD) wollte wissen, wie die beiden Experten die Einschätzung von Professorin Luise Giani, Bodenkundlerin der Universität Oldenburg, bewerten. Sie hatte kritisiert, dass die Konzentration einzelner Schwermetalle um das Zwanzigfache über dem Schwellenwert liege (AZ berichtete).

Eine Gesundheitsgefahr für Menschen bestehe nur bei dauerhafter Aufnahme der Schadstoffe in großen Mengen, antwortete Poggendorf. „Die Frage ist aber, ob das ein realistisches Szenario ist.“ Zudem sei eine Gefährdung der außerhalb von Barnsen gelegenen Feldberegnungsbrunnen aufgrund der Entfernung zum Flugplatz auszuschließen, erklärte Hederich.

Kritisch äußert sich Hermann Meyer, Einwohner aus Barnsen und Mitglied des Gerdauer Rates, über die Berichte der beiden BIG-Mitarbeiter. Diese hätten seine Befürchtungen hinsichtlich einer möglichen Schadstoffbelastung des Flugplatz-Areals und des Grundwassers nicht entkräften können, sagt er im AZ-Gespräch. „Wenn ständig Niederschlagswasser von oben kommt: Wo fließt dieses Wasser hin, wenn es angeblich durch die Lehmschicht nicht hindurch kommt?“, fragt Meyer. VON BERND SCHOSSADOWSKI

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