Ganzer Rat in Quarantäne: Nach Sitzung wird Corona-Fall bekannt

Eine Frau in weißem Schutzmantel und Mundschutz arbeitet in einem Labor
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Einen Tag nach der Sitzung des Samtgemeinderates Rosche gab es bei einem Mitglied des Gremiums einen positiven Corona-Test.
  • Bernd Schossadowski
    vonBernd Schossadowski
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Sämtliche Teilnehmer der Sitzung des Samtgemeinderates Rosche vom 15. April sind vom Gesundheitsamt in eine zweiwöchige Quarantäne geschickt worden: Verwaltungsspitze, Politiker und Zuhörer. Der Grund: Am Tag danach wurde ein Corona-Fall bekannt.

Rosche/Stoetze – Es war ein feierlicher Anlass, zu dem sich der Roscher Samtgemeinderat am Donnerstag, 15. April, im Dorfgemeinschaftshaus in Stoetze traf. Die Politiker verabschiedeten Rolf Musik als allgemeinen Vertreter des Samtgemeindebürgermeisters und würdigten dessen langjährige Tätigkeit in der Verwaltung.

14 politische Mandatsträger, drei Verwaltungsmitarbeiter und zwölf Zuhörer verfolgten die Sitzung. Doch jetzt ereilte sie eine böse Überraschung: Sie alle müssen 14 Tage in häusliche Quarantäne, weil Ratsherr Wulf-Rüdiger Hahn (CDU) am Tag nach der Sitzung positiv auf Corona getestet wurde.

29 Teilnehmer bis 29. April in Quarantäne

Auf Anweisung des Gesundheitsamtes Uelzen/Lüchow-Dannenberg dürfen alle 29 Teilnehmer der Sitzung bis einschließlich 29. April ihre Wohnungen oder Häuser nicht verlassen. Sie müssen sich räumlich von weiteren Haushaltsmitgliedern trennen und dürfen keinen Besuch empfangen. Nur wenn sie dem Gesundheitsamt am 29. April eine schriftliche Bestätigung über einen aktuellen negativen Corona-Test vorlegen, können sie zum 30. April aus der Quarantäne entlassen werden.

„Das ist wirklich unglücklich gelaufen“, sagt Samtgemeindebürgermeister Michael Widdecke. Eigentlich biete das Stoetzer Gemeinschaftshaus gute Voraussetzungen für Präsenzveranstaltungen. „Die Lüftung war während der Sitzung eingeschaltet, die Fenster und die Tür waren geöffnet“, erklärt er. Auch die Zahl der Teilnehmer sei noch im zulässigen Bereich gewesen. Jetzt überlege die Samtgemeinde, politische Sitzungen künftig im Hybrid- oder Online-Format abzuhalten.

Bislang kein weiterer Fall bekannt geworden

Mit Ausnahme von Hahn sei ihm kein weiterer Corona-Fall nach der Sitzung bekannt, berichtet Widdecke. Er selbst sei am Donnerstag ohne Symptome gewesen, sagt Hahn gestern im AZ-Gespräch. „Sonst wäre ich auf keinen Fall zur Ratssitzung gegangen.“ Aktuell gehe es ihm und seiner Frau, die am Freitag ebenfalls positiv getestet wurde, aber nicht gut. Beide hätten Corona-Symptome, hofften jedoch auf eine rasche Genesung.

Für Wulf-Rüdiger Hahn und seine Ehefrau glichen die vergangenen Wochen einer Achterbahnfahrt. Am 7. April wurden die beiden mit Astrazeneca gegen Corona geimpft. Sie waren voller Hoffnung, dass sie sich damit vor einer Infektion schützen können. „Aber uns ist die Impfung nicht gut bekommen. Wir beide hatten heftige Nebenwirkungen“, sagt der Suhlendorfer CDU-Politiker.

Bis zur Sitzung des Samtgemeinderates seien die Impf-Nebenwirkungen abgeklungen gewesen. Bis dahin habe er auch keinerlei Corona-Symptome verspürt, betont Hahn. Doch am Freitag sei es seiner Frau nicht gut gegangen. „Wir haben deshalb beide an diesem Tag einen Corona-Schnelltest gemacht“, berichtet er. Das Ergebnis: positiv. Ein PCR-Test bei seinem Hausarzt habe das am Sonnabend bestätigt. Er selbst hatte gestern Fieber und Probleme mit den Bronchien, schildert Hahn.

Ratsherr Fabel will Präsenzsitzungen meiden

Aus diesem Vorfall und mit Blick auf die aktuellen Corona-Zahlen zieht Ratsherr Rainer Fabel (FDP) persönliche Konsequenzen. „Ich werde in nächster Zeit an keiner Präsenzsitzung teilnehmen. Es ist nicht zu verantworten“, sagt er und fordert die Samtgemeinde auf, die Sitzungen künftig als Videokonferenzen abzuhalten. „Das ist in der Pandemie als Ausnahme erlaubt und ist schnell zu organisieren“, erklärt Fabel. Außerdem habe das etwas mit Glaubwürdigkeit zu tun: „Die Politik fordert ja, dass Firmen online konferieren und im Homeoffice arbeiten sollen.“

Allerdings gibt Samtgemeindebürgermeister Michael Widdecke zu bedenken, dass der Rat in seiner jüngsten Sitzung wichtige, unaufschiebbare Entscheidungen habe treffen müssen. Online wäre das nicht möglich gewesen, meint Widdecke. Außerdem gebe es in einigen Orten der Samtgemeinde nur sehr langsames Internet. Selbst wenn am Donnerstag eine Mischung aus Präsenz- und Videositzung stattgefunden hätte, wäre Hahn möglicherweise trotzdem nach Stoetze gekommen, falls er zu Hause keine Online-Verbindung gehabt hätte, so Widdecke.

Nur Schnellgetestete zur Sitzung zulassen

Die Roscher Verwaltung überlege nun, für künftige Sitzungen andere Formate zu wählen. „Trotzdem muss jeder Bürger aus jedem Ortsteil die Möglichkeit haben, an einer solchen Sitzung teilnehmen, gerade wenn er zu Hause eine schlechte Internetverbindung hat“, betont er.

Anja Meyer (Grüne) verweist darauf, dass die Vorstandssitzungen ihrer Partei schon seit Monaten via Zoom ablaufen. Das könne ein analoges Treffen aber nicht zu hundert Prozent zufriedenstellend ersetzen, gibt sie zu. Die jüngste Verabschiedung von Rolf Musik aus seinem Amt als Vize-Verwaltungschef könne sie sich nur schwer online vorstellen. Trotzdem schlägt Meyer vor, an wichtigen Ratssitzungen künftig nur negativ Schnellgetestete und einen eng ausgewählten Personenkreis teilnehmen zu lassen.

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