Groß Ellenberg: Polizei greift an Uelzens Unfallschwerpunkt rigoros durch

Auf B 71 fährt der Tod mit

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Polizist Wolfgang Franz ermittelt seit sechs Wochen zwischen Wellendorf und Groß Ellenberg unzählige Temposünder.

Uelzen/Landkreis. Vier Tote, fünf Schwerverletzte und drei Leichtverletzte innerhalb von vier Jahren – das ist die traurige Bilanz der Unfallkommission an der problematischsten Strecke im Landkreis Uelzen: auf den rund 600 Metern der B 71 zwischen Wellendorf und Groß Ellenberg.

Dort sind viele Pendler aus den Landkreisen Uelzen, Salzwedel und Lüchow-Dannenberg unterwegs. Seit sechs Wochen misst die Polizei an der Gefahrenstelle regelmäßig die Geschwindigkeit, um gegen die extremen Raser vorzugehen und ist empört über die Ergebnisse.

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„Es ist erschreckend, was hier abgeht“, sagt Wolfgang Franz, der für die Verkehrsüberwachung zuständig ist. 32 Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung nahm er dort innerhalb kurzer Zeit am Montagabend auf, darunter fünf Ordnungswidrigkeiten und 27 Verwarnungen. Der schnellste Raser hat mit 132 Stundenkilometer die Laserstrahlen durchbrochen, erlaubt sind maximal 100 Stundenkilometer. Bei der Messung wenige Tage zuvor waren unter anderem Autos mit 169, 157, 150 sowie 148 Stundenkilometer geblitzt worden – innerhalb von zwei Stunden.

Riskantes Überholmanöver kurz vor dem Ortseingang Groß Ellenberg: An dieser Stelle gab es bereits vier tödliche Unfälle.

Der jüngste schwere Unfall ereignete sich zwischen Wellendorf und Groß Ellenberg erst vor wenigen Wochen. Ein 26-jähriger Autofahrer aus Suhlendorf war in der Nacht zum 7. Juli auf der Strecke zwischen den beiden Orten von der Fahrbahn abgekommen und frontal gegen einen Straßenbaum geprallt. Der Mann starb noch an der Unfallstelle. Kurz darauf hat die Polizei mit den Geschwindigkeitsmessungen begonnen, bei denen die zu schnellen Fahrzeuge aus beiden Richtungen fotografiert werden. Damit will Franz sicherstellen, dass auch rasende Motorradfahrer erkannt werden. Lastwagen-Fahrer gehen ihm seltener ins Netz, sie warnen sich meist gegenseitig per Funk vor den Kontrollen. Der Polizeibeamte sowie sein Kollege, Verkehrsexperte Andreas Dobslaw, staunen über die Szenen, die sich auf der Strecke abspielen: Wer einer Strafe durch die Beamten entgehen wollte, machte vor der Anlage eine Vollbremsung, um danach sofort wieder Gas zu geben. Kurz vor dem Ortseingang Groß Ellenberg setzen viele Autofahrer noch zu riskanten Überholmanövern an.

Ein Grund für die hohe Unfallquote ist nach Ansicht der Experten möglicherweise, dass Autofahrer den Abschnitt für riskante Manöver nutzen, weil auf anderen Strecken das Überholen verboten ist. Baulich sei die Fahrbahn zwischen Wellendorf und Gr. Ellenberg jedenfalls in Ordnung. „Ein Problem sind die Bäume, die haben bei den tödlichen Unfällen eine Rolle gespielt“, weiß Dobslaw. Er hält eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 80 Stundenkilometer für wirksam. Bis September sollen weiterhin Temposünder aufgenommen werden, anschließend will die Unfallkommission eine Empfehlung aussprechen, wie dort das Unfallrisiko vermindert werden könnte.

Einen Abschnitt weiter – zwischen Hanstedt II und Groß Liedern – hat es am späten Montagabend einen tödlichen Unfall gegeben. Seite 3

Von Diane Baatani

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